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    Broadway Therapy
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Broadway Therapy
    Von Asokan Nirmalarajah
    Mit Klassikern wie „Die letzte Vorstellung“ und „Paper Moon“ wurde Regisseur Peter Bogdanovich in den 1970er Jahren zu einer Legende des New-Hollywood-Kinos. An die frühen Erfolge konnte er in den folgenden Dekaden allerdings nie mehr anknüpfen und so dauerte es nach seiner Satire „The Cat’s Meow“ mit Kirsten Dunst, in der er ein berüchtigtes Kapitel aus der Skandalgeschichte der Traumfabrik aufgriff, ganze 13 Jahre bis Bogdanovich bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 2014 endlich einen weiteren neuen Kinofilm vorstellen konnte. Die prominent besetzte Backstage-Farce „Broadway Therapy“ über die sexuellen Eskapaden eines Theaterregisseurs und seiner Schauspieler bleibt zwar ein gutes Stück hinter den besten Arbeiten des Regisseurs und auch hinter den historischen Genrevorbildern zurück, aber Bogdanovich versteht sich nach wie darauf, seine Darsteller zu komödiantischen Höchstleistungen zu dirigieren. Und so liefert er mit seiner New Yorker Screwball-Komödie trotz eines durchwachsenen und manchmal etwas angestaubt wirkenden Drehbuchs den witzigsten, spritzigsten Woody-Allen-Film der vergangenen Jahre, mit dem der Stadtneurotiker nichts zu tun hatte.

    Die junge New Yorkerin Isabella Patterson (Imogen Poots) wohnt noch bei ihren Eltern und jobbt unter dem Decknamen „Glo“ als „Muse“ für zahlungswillige Männer. Als der erfolgreiche Regisseur Arnold (Owen Wilson) sie für einen romantischen Abend bucht und ihr nach dem Schäferstündchen 30.000 Dollar bietet, wenn sie ihren Job als Prostituierte aufgibt, scheint die Erfüllung ihres Traums von der Broadway-Karriere zum Greifen nahe. Aber es gibt einen Zeugen des Seitensprungs: Seth (Rhys Ifans) ist nicht nur der Hauptdarsteller von Arnolds nächster Inszenierung, sondern auch der Ex-Liebhaber von dessen Frau Delta (Kathryn Hahn), die ebenfalls in dem Stück auftritt. Die nichtsahnende Gattin wiederum ist beim Vorsprechen am Tag darauf ganz begeistert von Isabellas Schauspieltalent. Auch der Autor des Stücks Joshua (Will Forte) findet Gefallen an der Neuen, zum Verdruss seiner Freundin Jane (Jennifer Aniston), die zufällig auch Isabellas Therapeutin ist…


    Die Inhaltsangabe lässt erahnen, welche Komplikationen hier aufgetürmt werden: In „Broadway Therapy“ herrscht das gepflegte Beziehungschaos. In der Tradition der Screwball-Komödien der 1930er und 40er Jahre wird ein spielfreudiges Ensemble hedonistischer Figuren aus dem Showbiz zu einem lebhaften Liebesreigen zusammengeführt. Das Objekt der Begierde ist dabei in erster Linie die zierliche, liebenswerte Isabella Patterson. Die Engländerin Imogen Poots („A Long Way Down“, „Need for Speed“) erweist sich mit ihrem charmanten New Yorker Akzent und ihren einnehmenden Kulleraugen als wahre Offenbarung in der klischeebeladenen Rolle der Hure mit Herz. Schon ihre bezaubernde Darbietung allein lohnt den Eintritt und ihre Mitstreiter stehen Poots in der Mehrzahl kaum nach, neben dem souveränen Auftritt von Komödienprofi Owen Wilson („Midnight In Paris“) bereitet das Wiedersehen mit Bogdanovichs alter Muse Cybill Shepherd („Cybill“, „Das Model und der Schnüffler“) als Isabellas Mutter besondere Freude.

    „Broadway Therapy“ ist mit finanzieller Unterstützung von Bogdanovichs Bewunderern Wes Anderson („Grand Budapest Hotel“) und Noah Baumbach („Frances Ha“) entstanden. Der Regieveteran dankt es ihnen, indem er seine Darsteller mit leichter Hand durch souverän orchestrierte Slapsticksequenzen und schmissige Wortgefechte navigiert. Bei soviel spürbarer Freude lässt sich über den ein oder anderen müden Kalauer genauso hinwegsehen wie über abgeschmackte Handlungselemente und nicht gerade frisch wirkende Figuren: Therapie und Kunst, Liebe und Eifersucht sind eben auch besonders klischeelastige Komödien-Themen. So gelingt Bogdanovich die Wiederbelebung des überdrehten Screwball-Stils diesmal nicht so genial wie 1972 bei „Is‘ was, Doc?“, seinem inoffiziellen Remake von Howard Hawks‘ „Leoparden küsst man nicht“, aber sehenswert ist sein nostalgisch angehauchtes Broadway-Lustspiel allemal.

    Fazit: Witzige und temporeiche Sex-Farce für Fans klassischer Hollywood-Screwball-Komödien.
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