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    The Green Prince
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    The Green Prince
    Von Christian Horn
    Das Thema der Dokumentation „The Green Prince“ könnte locker den Stoff für einen Agentenfilm aus Hollywood hergeben. Und tatsächlich gibt es im aktuellen Spionagethriller „A Most Wanted Man“ eine ganz ähnliche Konstellation, als der von Philip Seymour Hoffman gespielte Geheimdienstler seinen Informanten dazu anhält, den eigenen Vater hinters Licht zu führen. In „The Green Prince“ erzählt Regissur Nadav Schirman („No Place On Earth“) die wahre Geschichte des Palästinensers Mosab Hassan Yousef, der zehn Jahre lang für den israelischen Geheimdienst Schin Bet arbeitete – und das als Sohn des Hamas-Mitbegründers Scheich Hassan Yousef. Schirman rekapituliert dieses Kapitel des Nahostkonflikts vor allem über Interviews mit Mosab Hassan Yousef und seinem israelischen Führungsoffizier. Er konzentriert sich dabei voll auf seine Protagonisten und ihre Äußerungen, ohne einen formalen Gestaltungswillen erkennen zu lassen.

    Mosab Hassan Yousef wurde im Jahr 1978 als ältester Sohn von Scheich Hassan Yousef geboren, der 1986 die Palästinenser-Organisation Hamas mitbegründete. Als Jugendlicher landete Mosab wegen Waffenschmuggels kurzzeitig im Gefängnis und lernte dort die Gewalt der Hamas-Mitglieder kennen. Zu dieser Zeit wurde der junge Mann bereits vom israelischen Geheimdienst Schin Bet überwacht, wo man den Plan fasste, den Sohn des Hamas-Führers als Informanten zu gewinnen. Darauf angesetzt wurde Gonen Ben Yitzhak, der den 20-Jährigen mit Hilfe seiner psychologischen Kenntnisse und etwas Druck für die Spitzel-Zwecke gewinnen konnte. Die Zusammenarbeit zwischen dem hochkarätigen Informanten und dem Schin Bet währte von 1997 bis 2007, bis Mosab in die USA emigrierte und seine Geschichte in dem Buch „Sohn der Hamas: Mein Leben als Terrorist“ publik machte, auf dem auch dieser Film basiert.


    Im Mittelpunkt von „The Green Prince“ stehen die Interviews mit Mosab Hassan Yousef und Gonen Ben Yitzhak, die Nadav Schirman ganz klassisch präsentiert: Zu sehen sind über weite Strecken nur „Sprechende Köpfe“ in Großaufnahme. Schnell wird klar, dass die Beziehung zwischen dem Informanten und dem Geheimdienstler über das Politische hinausreicht und von gegenseitigem Vertrauen geprägt ist. Im Grunde steht Mosab im Grunde zwischen zwei gegensätzlichen Vaterfiguren und steckt somit in einer heiklen moralischen Zwickmühle. Allerdings geht Schirman auf dieses Dilemma gar nicht so ausführlich ein. Stattdessen wird der Austausch zwischen dem Informanten und den Israelis nachgezeichnet, wobei einige Schlüsselmomente als Spielszenen nachinszeniert werden. Archivmaterial gibt es hingegen kaum, vielmehr verstärken die konspirative Musik und nachgestellte Satellitenaufnahmen den Agentenfilm-Anstrich der Dokumentation noch. Und wenn der Israeli Yitzhak und der Palästinenser Mosab sich am Ende des Films mit Tränen in den Augen umarmen, wirft Schirman den bis dahin vorherrschenden nüchtern-dokumentarischen Tonfall über Bord und setzt mit dieser etwas aufgesetzt wirkenden emotionalen Szene ein Zeichen der Versöhnung.

    Fazit: Über ein ungewöhnliches Einzelschicksal bringt uns Filmemacher Nadav Schirman die menschliche Dimension des Nahostkonflikts nahe.
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