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    Der einzig wahre Ivan
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Der einzig wahre Ivan

    Das reinste Affentheater auf Disney+

    Von Daniel Fabian
    Ein Huhn, das Baseball spielt. Ein versnobter Pudel, der einem Elefanten auf dem Rüssel herumtanzt. Ein neurotischer Seehund, dessen Tag augenblicklich ruiniert ist, wenn ihm sein geliebter Spielball auch nur einmal von der Nasespitze rutscht. Das sind die tierischen Zirkusartisten, die einen gleich zu Beginn von „Der einzig wahre Ivan“ mit ihren niedlichen Showeinlagen um den Finger wickeln, bevor sie dann recht bald aber auch wieder die Bühne freimachen für den titelgebenden Star der Show, den stattlichen Silberrücken Ivan.

    Den Gorilla Ivan gab es wirklich – und 2012 hat die Autorin K.A. Applegate seine Geschichte zu einem Kinderbuch verarbeitet. Das war so erfolgreich, dass es die „Ein ganzes halbes Jahr“-Regisseurin Thea Sharrock wiederum fürs Kino verfilmt hat – bevor nun im Zuge der Corona-Krise entschieden wurde, „Der einzig wahre Ivan“ statt auf der großen Leinwand direkt auf dem Streaming-Service Disney+ zu veröffentlichen. Für die Abonnenten eine gute Nachricht: „Der einzig wahre Ivan“ ist zwar kein außergewöhnlich guter Film – bietet aber als kurzweilig-kindgerechte Komödie mit aufwändigen Spezialeffekten und einem namhaften Cast (zumindest in der englischen Originalversion) genau die Art von familiengerechter Zerstreuung, die sich sicherlich viele Kunden von Disney+ erhoffen.

    Wenn der Seehund Frankie beim Jonglieren den Ball verliert, dann ist der Tag für ihn gelaufen...


    Eigentlich ist der Silberrücken Ivan (Stimme im Original: Sam Rockwell) ganz zufrieden mit seinem Leben als Entertainer in einem Einkaufszentrum – denn sein Besitzer Mack (Bryan Cranston) kümmert sich liebevoll um ihn, seit er ihn vor vielen Jahren bei sich aufgenommen hat. Zudem ist er die große Nummer unter den tierischen Artisten, die ihre Kunststücke allerdings vor immer kleinerem Publikum aufführen.

    Als der Babyelefant Ruby (Brooklynn Prince) zur Truppe stößt, sieht Mack seine große Chance gekommen, endlich wieder an frühere Erfolge anzuknöpfen. Aber da hat der Dompteur die Rechnung ohne seinen größten Star gemacht: Ivan hat der in Rente gehenden Elefantendame Stella (Angelina Jolie) nämlich versprochen, dass er Ruby ein besseres Leben ermöglichen will, als sie es in ihren harten Artistentagen hatte. Gemeinsam mit dem Streuner Bob (Danny DeVito), der den in Gefangenschaft lebenden Zirkustieren regelmäßig Besuche abstattet, beginnt Ivan einen Plan auszutüfteln…

    Eine wahre Geschichte


    27 Jahre lang stand der echte Ivan auf der Bühne, bis Tierschutzorganisationen 1994 seine Freilassung sowie die anschließende Umsiedlung in den Zoo von Atlanta bewirkten. Dort konnte der Silberrücken bis zu seinem Tod endlich an einem Ort leben, der seinem natürlichen Habitat zumindest nahekommt. Sein menschlicher „Retter“, der den Gorilla schon als Junges bei sich aufnahm und dafür sogar seine Ehe opferte, handelte dabei offenbar sogar in guter Absicht – selbst wenn er Ivan und die anderen Tiere bei aller Liebe eben auch ausstellte, um so seinen Lebensunterhalt zu finanzieren.

    Breaking Bad“-Star Bryan Cranston tritt hier dementsprechend auch nicht als diabolischer Tierquäler auf (selbst wenn wir glauben, dass er einen ganz formidablen Disney-Schurken abgeben würde): Mack ist eben kein klassischer Antagonist, sondern gerade in der ersten Hälfte ein echter Sympathieträger. Dementsprechend gibt’s für ihn beim versöhnlichen Ausgang der Geschichte auch nicht mehr als einen belehrenden Zeigefinger – eine versöhnliche Geste, die aber durchaus auch auf Kosten der Spannung geht.

    Ivan und seine tierischen Gefährten wagen die Flucht aus dem Einkaufszentrum...


    Ganz ohne Bösewicht und frei von jedweden Überraschungen steuert „Der einzig wahre Ivan“ so von der ersten Minute auf ein Ende zu, dass man selbst dann von weitem kommen sieht, wenn man mit der Geschichte nicht vertraut ist. Sonderlich spannend wird es auf dem Weg zum Finale nie, daran kann auch das Hollywood-Starensemble um Bryan Cranston, Sam Rockwell („Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“) und Angelina Jolie („The Eternals“) nichts ändern.

    Einzig Danny DeVito („Batmans Rückkehr“) reißt als Streuner Bob praktisch jede Szene an sich und hat mit seiner liebevoll-aufgedrehten Art zumindest die Lacher auf seiner Seite. Wenn er Ivans erstes Kreidebild zu entschlüsseln versucht und nicht weiß, ob es sich bei dem Werk nun um eine Hand, einen Burrito oder doch um ihn selbst handeln soll, ist das einfach zum Brüllen komisch. Andere Gags wie ein entfleuchender Furz machen dann allerdings doch ziemlich deutlich, dass sich der Film vor allem an ein jüngeres Publikum richtet.

    Perfekte Unterhaltung für den Samstagvormittag


    Trotz großer Namen (darunter immerhin drei Oscarpreisträger) und teils atemberaubender Spezialeffekte, deren Liebe zum Detail wohl auf der großen Leinwand noch besser zur Geltung gekommen wäre, fehlt „Der einzig wahre Ivan“ das Zeug zum großen Disney-Abenteuer – und das wäre auch bei einer Kinoauswertung nicht anders gewesen:

    Auch die vielen niedlich-netten Momente können nämlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film letztlich zu zahm und zu unspektakulär geraten ist, um wirklich mitzureißen. Da helfen auch die teils kargen, glattgebügelten und mit wenig Leben gefüllten Sets nicht. Und trotzdem: Im Gegensatz zum Totalausfall „Artemis Fowl“ ist „Der einzig wahre Ivan“ ein Streaming-statt-Kino-Film, den man sich am Samstagmorgen unbesorgt mit der Familie ansehen kann – und das ist schließlich einer der Hauptanwendungsfälle von Disney+.

    Fazit: „Der einzig wahre Ivan“ ist ein niedliches Disney-Abenteuer ohne große Überraschungen, das zwar einige witzige Momente und gewohnt starke Animationen auffährt, aber ruhig auch ein wenig mehr Spannung und Dramatik vertragen hätte.

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