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Bube Stur
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
Bube Stur
Von Christian Horn
Nach vier Kurzfilmen folgt nun der erste Langfilm des dffb-Absolventen und Singer-Songwriters Moritz Krämer, der auf der Berlinale 2015 in der Sektion Perspektive Deutsches Kino gezeigt wurde: Sein reif erzähltes Sozialdrama „Bube Stur“ hat der Regisseur als modernen Heimatfilm im Hochschwarzwald angesiedelt, wo er auch selbst aufgewachsen ist. Mit seiner großen Nähe zu den Figuren und der authentischen Schilderung des dörflichen Umfelds erinnert „Bube Stur“ wohltuend an den Berliner-Schule-Film „Sehnsucht“ von Valeska Grisebach. Im Zentrum der Handlung steht die jugendliche Hanna (Ceci Schmitz-Chuh), die Sozialstunden auf dem kleinen Bauernhof von Uwe (Niels Braun) ableisten muss. Zunächst verrichtet sie die täglichen Aufgaben wie das Melken der Kühe und das Zersägen von Baumstämmen eher schweigsam. Aber schon bald taut Hanna auf und geht immer mehr auf den grummeligen Uwe ein, der sich gerade im Milchstreik befindet und bei der Bank in der Kreide steht. Aber nicht nur für Uwe hegt Hanna ein Interesse, sondern auch für ein Baby, das sie auf einem Spielplatz entdeckt…

Mit seinem dokumentarischen Blick stellt Regisseur Moritz Krämer nicht nur die zaghafte Annäherung von Anna und Uwe sowie den Bauernalltag, sondern auch das Dorfleben, das sich vornehmlich in der Kneipe, auf Volksfesten und bei Tanzabenden abspielt, authentisch dar. So funktioniert der Film auch als Milieustudie, die zudem sehr von dem stets präsenten Schwarzwald-Dialekt profitiert. Zur Durchschlagskraft dieses Debütfilms trägt darüber hinaus auch ganz entscheidend Ceci Schmitz-Chuh („Umsonst“) bei: Mit grauer Jogginghose, pompösen Ohrringen und einer toughen Attitüde porträtiert sie Hanna als starke, aber zugleich auch völlig unsichere junge Frau. Anders als viele Regie-Neulinge buchstabiert Moritz Krämer dabei nicht jede Nuance aus, sondern erzählt die Konflikte der Figuren souverän in Andeutungen. Die lebendige Inszenierung und das kompakte Drehbuch erzeugen mit schöner Regelmäßigkeit wahrhaftige Augenblicke, die die tiefsitzenden Ressentiments spürbar machen, mit denen die Protagonisten zu kämpfen haben. Am Ende könnte der passende Titel dann ebenso gut den sturen Uwe wie die bockige Hanna meinen – oder eben auch beide.

Fazit: Ein richtig starkes Regiedebüt!

Dieser Film läuft im Programm der Berlinale 2015. Eine Übersicht über alle FILMSTARTS-Kritiken von den 65. Internationalen Filmfestspielen in Berlin gibt es HIER.
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