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    Taxi Teheran
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,5
    hervorragend
    Taxi Teheran
    Von Michael Meyns
    Dass der iranische Regisseur Jafar Panahi schon vor Jahren mit einem Berufsverbot belegt wurde, er aber seitdem trotzdem schon drei Filme gedreht hat, erzählt viel über die schwierige zwiespältige Situation, der sich ein Künstler in einem autokratischen System gegenübersieht. Wie schwierig der Spagat zwischen Repressionen, willkürlichen Verhaftungen und der dann doch auch vorhandenen „Freiheit“, mehr oder weniger heimlich Filme zu drehen, ist, lässt sich auch bei Panahis brillantem neuen Werk „Taxi Teheran“ erahnen – einem Höhepunkt im Berlinale-Wettbewerb 2015. Wie schon in „This Is Not A Film“ und „Closed Curtain“ – den beiden anderen unter Arbeitsverbot gedrehten Filmen – spielt Panahi hier selbst die Hauptrolle, diesmal als Taxifahrer, der durch Teheran fährt und mit den unterschiedlichsten Fahrgästen ins Gespräch kommt. Subtil verknüpft Panahi in seinem in weiten Teilen dokumentarischen Film Fiktion und Realität und beschreibt dabei auf unterschwellige Weise die oft angespannten gesellschaftlichen Zustände im Iran.

    Die vielleicht hervorstechendste Qualität des Filmemachers und Aktivisten Panahi ist seine Fähigkeit, Dinge genau auf den Punkt zu bringen. Wäre er noch ein bisschen direkter etwa mit seinen politischen Aussagen, dann ergäbe sich nur platte Rhetorik (und überdies für ihn selbst wäre das zudem unnötig gefährlich). Andererseits ist er auch nicht zu zurückhaltend und sorgt dafür, dass das Publikum genau mitbekommt, was er sagen möchte. Wenn er hier etwa bei seinen Taxifahrten eine Anwältin kutschiert, wird in einem kurzen, nur wenige Minuten dauernden Dialog enorm viel über die Einschränkungen und Schikanen durch das Regime erzählt. Es ist die Rede von Panahis Zeit im Gefängnis und von seinem Hungerstreik, schließlich fällt der entscheidende Satz, dass auch das Leben nach der Haft ein Gefängnis sein kann.


    Panahi bringt die unterschiedlichsten Charaktere und Typen vor seine fest im Taxi montierten Kameras, dabei entsteht ein aufschlussreicher Querschnitt durch die (städtische) iranische Gesellschaft, er erzählt von Armutskriminalität und Aberglaube und nicht zuletzt vom Filmemachen selbst. Mit Aufnahmen vom Handy oder von niedrigauflösenden Digitalkameras, die er zwischen die ansonsten scharfen Bilder montiert, verweist Panahi auf das Medium und auf den künstlerischen Schaffensprozess zugleich. Dabei geht es insbesondere auch um den Zustand des Kinos im Iran. Von staatlicher Seite ist die Art von Realismus, die Panahi hier auf subtile Weise praktiziert, nicht erwünscht: Indem er geschickt zwischen versteckter Opposition und scheinbar konformer Unauffälligkeit navigiert, macht er „Taxi Teheran“ wie schon den Vorgänger „Closed Curtain“ zu einem komplexen selbstreflexiven Werk, in dem die Reaktion der Behörden und Aufseher gleichsam schon mitgedacht wird. Ein außerordentlicher Film.

    Fazit: In seinem dritten unter Berufsverbot gedrehten Film „Taxi Teheran“ zeichnet der iranische Regisseur Jafar Panahi ein weiteres vielschichtiges Porträt der iranischen Gesellschaft und trotzt den Repressalien, denen er ausgesetzt ist, mit feinem Humor.

    Dieser Film läuft im Programm der Berlinale 2015. Eine Übersicht über alle FILMSTARTS-Kritiken von den 65. Internationalen Filmfestspielen in Berlin gibt es HIER.
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