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    Unter der Haut
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Unter der Haut
    Von Ulf Lepelmeier
    In so unterschiedlichen Filmen wie Stephan Lacants „Freier Fall“, in Claudio Marcones „In The Grayscale“ oder Léa Pools „Maman ist kurz beim Friseur“ geht es um spät realisierte oder erst nach Jahren der Zweifel zugelassene sexuelle Neuorientierungen und um die Gefühlswirren, die diese für die Betroffenen und ihre Angehörigen mit sich bringen. Auch die Schweizer Regisseurin Claudia Lorenz erzählt in ihrem Spielfilmdebüt „Unter der Haut“ vom Outing eines Familienvaters, fokussiert ihre Beobachtungen dabei aber auf die Gefühlswelt der enttäuschten Frau, der ihr Ehemann zusehends zu entgleiten droht. Das zurückhaltend inszenierte Drama überzeugt insbesondere durch diese ungewöhnliche Perspektive sowie durch die hervorragende Hauptdarstellerin Ursina Lardi („Die Lügen der Sieger“), die den widerstreitenden Gefühlen der Protagonistin eine schmerzende Wahrhaftigkeit verleiht.

    Regisseurin Claudia Lorenz beginnt ihren Film mit einer langsamen Kamerafahrt durch ein noch leerstehenden Haus, das schon bald von der fünfköpfigen Familie in Beschlag genommen werden soll. Doch von dem in diesen ersten Szenen suggerierten harmonischen Neuanfang, kann recht schnell keine Rede mehr sein: Als Alice (Ursina Lardi) kurz nach dem Einzug bemerkt, dass ihr Mann Frank (Dominique Jann) schwule Internetportale aufsucht, markiert dies vielmehr den Beginn von beißenden Fragen und des unaufhaltsamen Zerbrechens des Familienidylls. Dabei verschlimmern Alices verzweifelte Bemühungen, ihre Beziehung zu retten, die beginnende Ehekrise nur: Denn während Alice sich an das Glück vergangener Tage klammert, möchte Frank seine neu entdeckten Gefühle und die frische Liebe zu einem Mann nicht mehr missen.


    Obwohl er sichtlich an den Kindern und auch an seiner Frau hängt, scheint der innerlich zerrissene Frank sich eine erfüllte Zukunft nur noch in den Armen seines Liebhabers vorstellen zu können. Dominique Jann („Die Standesbeamtin“) spielt den zwischen Verantwortungsbewusstsein und persönlicher Liebessehnsucht schwankenden Familienvater mit viel Feingefühl, dem setzt Ursina Lardi eine ungeheure emotionale Wucht entgegen: Sie bringt den ersten Schock der im Wechsel von Selbstzweifeln, Zorn und Apathie geplagten Alice genauso ergreifend zum Ausdruck wie die zunehmende Verzweiflung und schließlich auch die Hilflosigkeit der nach 18 Jahren verlassenen Ehefrau. Ohne jede Schuldzuweisung wird in „Unter der Haut“ von emotionalen Wunden erzählt, von der Unmöglichkeit sie zu vermeiden und von der Schwierigkeit sie zu heilen.

    Fazit: „Unter der Haut“ geht unter die Haut: Regisseurin Claudia Lorenz erzählt auf aufwühlende Weise vom Gefühlschaos einer Frau, die entdeckt, dass ihr Mann sich zu anderen Männern hingezogen fühlt.

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