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    Der kleine Rabe Socke - Suche nach dem verlorenen Schatz
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Der kleine Rabe Socke - Suche nach dem verlorenen Schatz

    Der bisher beste Teil der Reihe!

    Von Oliver Kube
    Der dritte Teil der auf den Bilderbüchern von Autorin Nele Moost und Illustratorin Annet Rudolph basierenden Zeichentrick-Kinoreihe „Der kleine Raabe Socke“ beginnt mit dem Titelhelden, der in seinem Waldstück für Sauberkeit und Ordnung sorgen soll, damit die Tiere am Abend ein schönes Fest feiern können. Socke läuft zwischen Bäumen, Büschen und Bächlein herum und notiert eifrig einen zerknüllten Zettel, einen liegengelassenen Becher und ein verlorenes Tuch auf seiner Landkarte für eine spätere, großangelegte Reinigungsaktion. Ganz kurz hat man als erwachsener Zuschauer während dieser ersten Momente von „Der kleine Rabe Socke - Suche nach dem verlorenen Schatz“ etwas Bammel: Will Regisseurin Verena Fels in die bisher so liebenswert unbekümmerten, frechen und witzigen Geschichten mit sprechenden Tierkindern nun ein streng erhobener Zeigefinger eingebaut werden, der kleine Kinofans mit dem Holzhammer zu redlichen Umweltaktivisten erzieht?

    Während sich die geladenen Journalisten bei der Hamburger Pressevorführung noch über derlei Kram den Kopf zerbrechen, haben ihre mitgebrachten Töchter, Söhne, Neffen, Nichten und Nachbarskinder bereits zu kichern und zu tuscheln begonnen. Denn sie haben längst durchschaut, was hier gespielt wird: Der vorlaute Socke ist mal wieder typisch Socke! Er denkt, er wäre schlauer als seine Freunde und müsse ihnen nur sagen, was zu tun ist. Dabei stellt er sich total umständlich an. „Heb‘s einfach selbst auf, Socke! Das geht viel schneller“, ruft ein Junge in der fünften Reihe. Die restlichen Nachwuchskinofans stimmen lachend zu, während die Erwachsenen im Saal durchatmen. Es ist also alles beim Alten und der Spaß kann richtig losgehen.

    Der kleine Rabe Socke mit seinen Freunden


    Socke (Stimme: Jan Delay) ist mal wieder ein Missgeschick unterlaufen und er hat seinen Freunden das lange geplante Waldfest ruiniert. Zur Strafe hat Frau Dachs (Anna Thalbach) ihn dazu verdonnert, den Dachboden ihres Hauses auszumisten. Mürrisch macht er sich an die Arbeit. Doch der Ärger über diese Ungerechtigkeit ist schnell verflogen, als er eine mit Rätseln übersäte Schatzkarte findet. Die hat wohl Opa Dachs (Dieter Hallervorden) gezeichnet, bevor er vor langer Zeit spurlos verschwunden ist. Socke ist sich sicher, dass es sich bei dem Schatz nur um die sagenumwobene Krone handeln kann, die ihren Träger zum König des Waldes macht. „König? Das hört sich gut an!“, denkt Socke. „Dann ist keiner mehr sauer auf mich und kann mir sagen, was ich machen soll. Dann bestimme ich.“ Mit großspurigen Versprechungen überredet er seine Freunde Eddi-Bär (Ulrich Smandek) und den kleinen Dachs (Nellie Thalbach), ihn zu begleiten. Allerdings hat das Trio bald ungeahnte Konkurrenz, die wenig Skrupel hat, ihm Steine in den Weg zu legen...

    Eine echte Weiterentwicklung ist bei Charakteren wie dem etwas trotteligen, konstant hungrigen Eddi, der mütterlich besorgten Frau Dachs oder dem patenten Bibermädchen Fritzi (Ranja Bonalana) nicht zu bemerken. Aber das muss auch gar nicht sein. Denn die Story zwischen Roadmovie und kindgerechtem Abenteuerstreifen ist auch so turbulent genug. Wie bei vielen Schatzsucherabenteuern ist hier nämlich das Ziel nur halb so spannend wie der mit Hindernissen und Schwierigkeiten gespickte Weg dorthin. So müssen die Gefährten eine morsche, bereits teilweise eingestürzte Brücke überqueren, einen reißenden Fluss mit einem Floß befahren, einen steilen Berg erklimmen, durch ein Nebelfeld waten und sogar einen entführten Freund retten. Das alles wird mit Tempo und einigen Überraschungen gezeigt, ohne die Kids dabei zu überfordern oder gar zu ängstigen, während die witzigen Momente auch den erwachsenen Begleitern Lacher bescheren.

    Ein Rabe, der mit seiner Socke spricht


    Dabei wird schon mal mit geschickt eingesetzten Kniffen gearbeitet. Ein Beispiel: Der Strumpf an seinem linken Fuß ist für den Jungraben eine Art eingebildeter Freund, der der Handlung speziell am Anfang gute Dienste leistet. Wenn er allein ist, redet unser Held gelegentlich mit dem rot-weiß-geringelten Kleidungsstück. So kann man dem jungen Zuschauer vermitteln, worüber er gerade nachdenkt oder etwas komplexere, nur mit bunten Bildern nicht sofort zu erklärende Zusammenhänge verdeutlichen. Clevererweise übertreiben es Regisseur Jesse („Der kleine König Macius“) und das erneut von Katja Grübel („Die Häschenschule - Jagd nach dem goldenen Ei“) verfasste Drehbuch damit aber auch nicht. So bleiben Sockes Gespräche mit seiner, äh, Socke immer liebenswert und amüsant.

    Auch was die in den Ablauf eingebauten Songs angeht, wird sich auf angenehme Art in Zurückhaltung geübt. Das ist ebenso erfreulich wie erstaunlich, wenn man bedenkt, dass die Macher mit dem wieder hörbar voller Freude und gewohnt näselnd ans Mikro getretenen Jan Delay einen der seit den 1990ern beständig populärsten Musiker des Landes als Hauptrollensprecher im Cast haben. Aber es gibt tatsächlich keinen Lieder-Overkill wie in manch anderen Filmen – besonders auffällig war diesbezüglich zuletzt etwa der ansonsten gelungene „Smallfoot - Ein eisigartiges Abenteuer“. So passen sich die Stücke prima ein und machen einfach Spaß, wenn Socke zum ersten Mal nach etwa 15 Minuten, dann eine knappe halbe Stunde später und schließlich nur noch über den Abspann kurz und schön eingängig zu trällern beginnt.

    Der kleine Rabe Socke als König?


    Jung und etwas älter wird hier ein rundum gelungenes, zeitweise sogar ziemlich spannendes und gelegentlich anrührendes Zeichentrick-Abenteuer präsentiert. Das Ganze kann in Sachen Animationsqualität und visuellen Effekten natürlich nicht mit den mega-budgetierten Werken der übermächtigen US-Konkurrenz mithalten. Doch das muss auch gar nicht sein. Denn die lobenswerte Message von Freundschaft, Kooperation und Gemeinwohl, die lohnender und erstrebenswerter sein können als die Erfüllung individueller Wünsche und Ziele, kommt auf fast schon erfrischend simple Weise trotzdem authentisch und ungezwungen rüber.

    Fazit: Der dritte „Rabe Socke“-Film ist der bisher aufregendste, stimmigste und beste der ohnehin ziemlich starken Reihe! In dieser Form darf es gerne noch weitergehen.

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