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Don't Blink - Robert Frank
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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Don't Blink - Robert Frank
Von Christoph Petersen
Der in der Schweiz aufgewachsene und seit den 1950ern in New York arbeitende Fotograf Robert Frank hat mit „The Americans“ eines der herausragenden und einflussreichsten Fotobücher zum Leben in den USA vorgelegt, gemeinsam mit Alan Ginsberg die Beatnik-Bewegung vorangetrieben und einen bis heute nicht veröffentlichten Film über die Rolling Stones gedreht („Cocksucker Blues“), zu dem Mick Jagger meinte: „Es ist ein verdammt guter Film. Aber wenn wir ihn jemandem zeigen, ließe man uns nie wieder ins Land.“ Tatsächlich ist die Biografie des Robert Frank verdammt faszinierend, abwechslungsreich und vielseitig – und so ist es durchaus verständlich, dass sich Regisseurin Laura Israel einfach nicht dazu durchringen kann, auch nur eine Facette davon auszulassen. Das Ergebnis: Ihre Dokumentation „Don’t Blink – Robert Frank“ ist ein extrem temporeicher Rundumschlag, bei dem zwar so ziemlich alles kurz angeschnitten wird,  aber nichts gründlich beleuchtet und vertieft – der Film ist eher ein jazziges Doku-Medley als eine klassische Künstlerbiografie. So wird man in den knackig-vollgestopften 82 Minuten zwar gut unterhalten, aber darüber hinaus bleibt kaum etwas hängen.

Am spannendsten ist „Don’t Blink“, wenn Laura Israel die Inszenierung nutzt, um etwas über ihren Protagonisten zu sagen: Robert Frank ist – für einen Fotografen sicherlich nicht ungewöhnlich – ein absoluter Kontrollfreak, und so gibt er während der Interviews auch immer wieder Kommentare dazu ab, wie denn ein bestimmter Moment später im Film auszusehen habe. Zunächst scheint es fast, als würde die Filmemacherin diese verkappten Regieanweisungen einfach blind umsetzen, doch dann lässt sie ihren Star mit seinem Hang zur Selbstinszenierung ins Leere laufen: Das Filmteam fährt auf ein Tunnelende zu und Frank erklärt, dass das doch die perfekte letzte Einstellung für das Projekt sei – in Israels Film kommt die Szene nun jedoch schon nach gut 15 Minuten und an dieser Stelle ist sie weitaus produktiver eingesetzt.
 
Die Eröffnungsviertelstunde ist es auch, in der man zumindest ansatzweise die Chance hat, in das Werk des Fotografen einzutauchen. Es braucht nur zwei, drei Bilder (wir lieben die Aufnahme von der US-Flagge, die ein Patriot in sein Fenster gehängt hat, die aber nun zugleich das Nachbarfenster halb verdeckt), um zu erkennen, welches bahnbrechende Meisterstück Robert Frank mit „The Americans“ gelungen ist. Aber ganz ehrlich – an keines seiner anderen Bilder, die im späteren Verlauf des Films gezeigt wurden (und es müssen hunderte gewesen sein), können wir uns noch spezifisch erinnern. Natürlich muss nicht jede Kunstdoku so sein wie „Das Salz der Erde“ von Wim Wenders, der den Werken von Sebastião Salgado darin so viel Raum lässt, dass der Film letztendlich fast schon den Galeriebesuch ersetzt. Aber so stakkatoartig wie uns  Regisseurin Laura Israel in „Don’t Blink“ mit den Fotografien beschießt, entfalten diese irgendwann gar keine Wirkung mehr – und was an Franks filmischen Arbeiten besonders sein soll, kommt in den meist nur wenige Sekunden langen Ausschnitten dann auch überhaupt nicht rüber.

Fazit: Robert Frank ist ein Künstler, dessen Werke es definitiv zu entdecken lohnt. Umso bedauerlicher also, dass Laura Israel dem Zuschauer mit ihrer Highspeed-Doku kaum eine Chance dazu lässt.

Dieser Film läuft im Programm der Berlinale 2016. Eine Übersicht über alle FILMSTARTS-Kritiken von den 66. Internationalen Filmfestspielen in Berlin gibt es HIER.
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