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    Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten

    Klimawandel und Klohumor

    Von Antje Wessels
    Jede Generation hat ihren Erklärbär. Von 1981 bis 2005 führte beispielsweise Peter Lustig durch das beliebte Wissensmagazin „Löwenzahn“ und machte sich damit selbst zur Marke. Auch die Gesichter der seit 1971 veröffentlichten Lach- und Sachgeschichten aus der „Sendung mit der Maus“ oder die Moderatoren des seit 2001 vom WDR produzierten Formats „Wissen macht AH!“ genießen bei Kindern und auch vielen Erwachsenen seit jeher Starstatus. Ein solches Idol für die jungen Zuschauer ist auch der Mainzer Redakteur Tobias Krell, der in seiner gleichnamig betitelten Sendung als „Checker Tobi“ auftritt. Von September 2013 bis November 2018 checkte er in bislang 100 Sendungen die verschiedensten Themen aus. Darunter so zeitlose Dinge wie das Wetter und Dinosaurier, aber dem Zeitgeist entsprechend auch den Islam, das Judentum, passend zum Reformationstag Marin Luther oder die Türkei, der er sogar ein dreiteiliges Special widmete.

    Nun ist Checker Tobi mit seinem ersten Kinofilm „Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten“ am Start und nimmt sich darin den Ursprüngen unserer Erde an. Dafür begibt er sich auf eine abenteuerliche Schnitzeljagd rund um den Globus. Sein Enthusiasmus ist ansteckend und die Bilder sind oft atemberaubend. Doch während Kinder definitiv staunen werden, dürften sich die Erwachsenen nicht nur darüber wundern, dass hier Dokumentation und Fiktion immer wieder etwas zu nahtlos ineinander übergehen. Es ergibt sich auch ein – durchaus spannendes – Dilemma, da all diese Bilder ja überhaupt nur entstehen konnten, weil Regisseur Martin Tischner („Happy End – Jede Geschichte braucht ein Ende“) und sein Team eine Weltreise mit dem Flugzeug unternommen haben, um an die Drehorte zu gelangen. Das passt natürlich nicht so richtig zum ins Zentrum gerückten Einsatz für Umweltschutz, selbst wenn man den fertigen Beiträgen dieses Anliegen jederzeit abnimmt.

    Es geht damit los, dass Checker Tobi angeblich gerade seinen ersten Kinofilm dreht, als er im offenen Meer eine Flaschenpost findet und damit die eigentliche Geschichte des ersten Kinofilms der Wissensreihe in Gang gesetzt wird. Denn in der Flaschenpost ist ein Rätsel versteckt, das den Abenteurer auf eine spannende Reise rund um die Erde führt. Er soll in das Herz der Welt blicken, den achtbeinigen Bären wecken, anschließend im Gedächtnis der Welt lesen und schließlich den wertvollsten Schatz Indiens finden. Dadurch soll sich ihm am Ende „das Geheimnis unseres Planeten“ eröffnen. Seine erste Station ist der im Südpazifik gelegene Inselstaat Vanuatu, wo er mit einer Forscherin auf einen feuerspeienden Vulkan klettert. Weiter geht die Reise in Tasmanien. Hier taucht er vor der Küste mit Seehunden und entdeckt einen sogenannten Seedrachen, bis er schließlich auf den achtbeinigen Bären trifft, der so ganz anders aussieht, als er erwartet hatte. In der Arktis holt er gemeinsam mit Klimaforschern Eis aus vielen Hundert Metern Tiefe an die Oberfläche, bevor er zur Trockenzeit ins indische Mumbai reist, wo er erlebt, wie die Ärmsten der Armen leben müssen. Doch was ist es, was all diese Geschichten verbindet? Was ist „das Geheimnis unseres Planeten“?


    Mit kindlicher Naivität agiert Tobias Krell als seine Kunstfigur Checker Tobi in seiner TV-Serie jedes Mal konsequent auf Augenhöhe mit seiner Zielgruppe im Grundschulalter. Für ältere Zuschauer ist das natürlich rasch als Konzept entlarvt – und vielleicht ist das auch der Grund, weshalb der Kinofilm „Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten“ nun insgesamt ein wenig reifer daherkommt. Schließlich kann man die Kleinen zwar bedenkenlos allein vor den Fernseher setzen, bei einem Kinobesuch sitzt jedoch normalerweise auch noch eine erwachsene Begleitperson daneben. Und selbst wenn man als solche sehr früh durchschaut hat, was denn nun hinter dem Geheimnis unseres Planeten steckt, ist der Weg dorthin spannend und abwechslungsreich. Die in ihrem Detailreichtum atemberaubenden Bilder (Kamera: Johannes Obermaier) von feuerspeienden Vulkanen, winzigen Bärtierchen, kilometerweiten Eiswüsten und indischen Slums sind gerade aufgrund ihrer Vielfalt und Widersprüchlichkeit so faszinierend. Das Tüpfelchen auf dem i ist schließlich eine gehörige Portion Glück: Wenn Tobi vor der Küste Tasmaniens mitten in eine Delphinherde gerät oder in Indien in den Genuss des ersten Monsunregens kommt, waren die daraus entstandenen Bilder so wohl nicht planbar, sind aber letztlich umso berauschender.

    Während wir auf der Leinwand sehen, wie Tobi gemeinsam mit Experten die jeweiligen Stationen besucht, um die kryptischen Aufgaben aus der Flaschenpost zu erfüllen, liefert der Moderator und Reporter aus dem Off auch noch zusätzliche Informationen zu den einzelnen Orten. Abgerundet wird jeder Aufenthalt mit einer Animationssequenz, um etwas komplexere Sachverhalten noch einmal besonders zu veranschaulichen. Ähnlich wie „Löwenzahn“ oder „Sendung mit der Maus“ informiert und unterhält „Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten“ gleichermaßen. Um den angestrebten Spaßfaktor aber auch wirklich gewährleisten zu können, helfen die Verantwortlichen hier und da auch schon mal ein wenig nach, sodass der Film keine Dokumentation im eigentlichen Sinne ist, sondern eher ein Mischmasch aus Doku und Spielfilm.

    So lässt Tobi in Mumbai beispielsweise „aus Versehen“ sein Notizbuch in einer Rikscha liegen, worauf die Kamera auch noch explizit hinweist, und liefert sich anschließend eine wilde Verfolgungsjagd durch Indiens Straßen, nur um dabei „ganz zufällig“ auf seine fließend deutschsprechende Begleitung Devaki zu treffen. Auch eine vermeintliche Traumsequenz in Grönland wirkt in dem unaufgeregten Doku-Umfeld, in dem die zu erforschenden Orte sehr gut für sich stehen könnten, vollkommen fehl am Platz. Und weshalb es in Vanuatu und Tasmanien eine Szene gibt, in der Tobi dringend auf die Toilette muss (von derartigen „Kloszenen“ wurden laut Presseheft sogar noch mehr gedreht, die es aber letztlich nicht in den Film geschafft haben) lässt sich wohl auch nur damit erklären, dass eine Prise Fäkalhumor bei Kindern eben ganz besonders gut ankommt.

    Fazit: „Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten“ ist ein stark bebilderter Wissensfilm für Kinder im Vor- und Grundschulalter, in der der beliebte Fernsehmoderator auf unterhaltsame Weise eine Sensibilität für die Natur und ihre Geheimnisse schafft.
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    Kommentare

    • Micha Jeans
      Die drei bisherigen Kommentare hier scheinen alle von purer Ignoranz zu zeugen. Weshalb schreiben sie dann überhaupt?Ich habe den Film soeben gesehen. Tolle Bilder, egal, ob vom Vulkan, vom Bärtierchen, und besonders von der Stadt Mumbay, von Slums, Reichenvierteln, und vom modernen Indien, incl. Hochhausneubauten und Autobahnen über das Meer. Die Bilder sprechen eine Sprache, die eigentlich jeder versteht.Die Verquickung von (bis auf einen erheblichen Ausfall!) unaufgeregter Doku und kindgerechter Abenteuergeschichte fand ich, incl. Kackaszenen und Eisbärentraum, im Gegensatz zu Frau Wessels ganz und gar nicht fehl am Platz. Die Aufmerksamkeit der Zielgruppe muss eben gewonnen werden. War auch für mich als Erwachsenen im oberen mittleren Alter ganz amüsant. Mehr aber auch nicht, die Handlung insgesamt war dann doch arg dünn, vor allem, wenn es zum einen darum geht, das Rätsel aus der Flaschenpost mit weltumspannender Bedeutung zu lösen, aber eine (innere?) Stimme dem Tobi eigentlich alles verrät und dieser sich gar nicht mühen muss, außer gar nicht klimaschonend um die Welt zu jetten..Apropos Zielgruppe: Vor- und Grundschulalter finde ich, wie so oft bei Kinderfilmen im Schnitt für als zu jung angesetzt, um dem Film inhaltlich und in der Länge von 106 min. plus Werbung und Trailern vorab folgen zu können. Ich hätte jetzt 6-12 Jahre geeigneter gefunden. Unruhe im Kino war vorprogrammiert.Übelst aufgestoßen ist mir allerdings das offenbar politisch übermotivierte Drohen mit der Klimakatastrophe am Ende der Episode im grönländischem Eis, bei der völlig unsachlich Ängste geschürt werden und wie auch sonst häufig so getan wird, als ob der Meeresspiegelanstieg a) in Höhe von mehreren zig Metern sicher ist und dieses b) im Zeithorizont der Lebenserwartung der jungen Zuschauer stattfinden wird und c) davon so gut wie alle Menschen der Erde, somit auch die Zusschauer, bedroht sind.Das Mahnen an den verantwortlichen Umgang mit unserer Umwelt hätte auch dezenter und sachlicher geschehen können, zu dem ja der gesamte Film diese Botschaft klar und viel eindrücklicher transportiert.Schade, es bleibt ein übler Nachgeschmack, dass schon die Jüngsten auf Linie getrimmt werden sollen. Interessant in diesem Zusammenhang die Liste der Sponsoren und Fördermittelgeber, aber schaut selbst...
    • André McFly
      Checker Tobi ich musste da an einen Assi Youtuber denken wie Buddy Ogun oder sonstwelche Idioten, die nen Kinofilm bekommen haben. Aber scheinbar ists ja eher sowas wie Löwenzahn, mit nem blöden Titel... Von daher, wenns gut für die Kinder ist... mich spricht so ein Titel nicht an, aber ich bin auch nicht die Zielgruppe.
    • caligula
      „„Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten ja sicher..!hahaha der Titel ist n Scherz oder ? könnt auch heissen: Wie schaff ichs null Kinozuschauer zu erreichen und trotzdem bezahlt zu werden:The Gez-Modell and how we are loughing about The Bezahlers ! lol ..na dann voran Kollege!!! XD
    • Jimmy v
      Meine Nichten werden den bestimmt gucken. Die, und auch ihre Eltern, haben gemeint, das sei alles gutes Kinderfernsehen. Wenn dort Wissen vermittelt ist, umso besser.
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