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    Bo und der Weihnachtsstern
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Bo und der Weihnachtsstern
    Von Antje Wessels

    Die Weihnachtsgeschichte nimmt kaum 20 Bibelverse im Lukas-Evangelium ein, da ist es kein Wunder, wenn die knappe Überlieferung oft und gern ausgeschmückt wird. Auch im Kino ist die Geburt Jesu schon auf ganz unterschiedliche Arten geschildert worden und nun bietet uns Regisseur Timothy Reckart (er war unter anderem für die Animation von Charlie Kaufmans „Anomalisa“ zuständig) eine der bisher ungewöhnlichsten und freiesten Interpretationen des berühmten Stoffes: Er erzählt uns die Geschichte in seinem Animationsabenteuer „Bo und der Weihnachtsstern“ aus der Sicht der Tiere, im Mittelpunkt stehen bei ihm nicht etwa Maria und Josef, vielmehr ist der Protagonist und Titelheld Bo ein Esel. Mit niedlichen Vierbeinern, jeder Menge Slapstick und einem klassischen Gut-gegen-Böse-Kampf bringt der Langfilmdebütant bewährte Kinderfilmstandards zur Anwendung, was die Mindestanforderungen an abwechslungsreiche Familienunterhaltung erfüllen mag. Aber mit der Vorlage hat das bunte Treiben im Verlauf der Handlung immer weniger zu tun. Wenn hier etwa plötzlich ein blutrünstiger Schurke Jagd auf Maria und Josef macht, dann lösen sich die Macher nicht nur vom Text des Evangeliums, sondern verlieren auch dessen Substanz aus den Augen. So ist diese halbherzige Bibelstunde der etwas anderen Art letztlich eine zwiespältige Sache.

    Das Leben des kleinen Esels Bo ist hart: Rund um die Uhr muss er in einer Mühle seine Runden drehen und das Getreide zu Mehl zermahlen. Dabei wünscht er sich nichts sehnlicher als einmal bei der königlichen Parade mitzulaufen. Um diesen Traum wahrzumachen, schmiedet er einen ausgeklügelten Plan und tatsächlich gelingt es ihm, zu entkommen. Auf seiner halsbrecherischen Flucht vor dem fiesen Müller landet Bo allerdings nicht beim König, sondern im Vorgarten von Josef und Maria, die soeben Hochzeit gefeiert haben. Die schwangere Maria nimmt sich des verängstigten Esels an, versorgt seine Wunden und überredet Josef, das Tier zu behalten. Als die beiden eines Tages zur Schätzung nach Bethlehem aufbrechen, belauscht Bo zufällig einen bewaffneten Hundeführer, der es auf das ungeborene Baby des Paars abgesehen hat. Um seine neuen Freunde vor der Gefahr zu warnen, wächst er über sich hinaus: Gemeinsam mit dem eigensinnigen Schaf Ruth und seinem besten Kumpel Dave, einer weißen Taube, folgt er den zukünftigen Eltern und erlebt dabei turbulente Abenteuer.

    Wie in „Bo und der Weihnachtsstern“ einem besonders jungen Publikum die Weihnachtsgeschichte nähergebracht werden soll, zeigt sich bereits in der allerersten Szene: Eine Wüstenspringmaus wird Zeugin, wie sich Gott Maria offenbart und ihr verkündet, dass sie seinen Sohn austragen soll, aber das Wundersame des Geschehens wird heruntergespielt. Statt auf ehrfurchtgebietende Überhöhung mit gebieterischer Donnerstimme setzen die Filmemacher auf emotionale Zugänglichkeit, das ganz besondere Paar Maria und Josef wird immer wieder von einer vollkommen normalen Seite gezeigt. Die Konzentration auf die menschlichen und religionsübergreifenden Aspekte der Weihnachtserzählung hätte ein guter Ansatz sein können, aber hier erinnert streckenweise kaum noch etwas an die biblische Vorlage und ihre Ideen, zumal hier nicht die Zwei-, sondern die Vierbeiner im Mittelpunkt stehen. An der Seite von Esel Bo geht es nach Bethlehem und Drehbuchautor Carlos Kotkin („Rio 2 – Dschungelfieber“) dichtet der ohnehin aufregenden Geschichte unter anderem einen überraschend furchteinflößenden Bösewicht an, der mit zwei zähnefletschenden Hunden und einem scharfen Säbel alles unternimmt, um die Geburt des zukünftigen Königs zu verhindern.

    Mit der Weihnachtsgeschichte hat die Handlung schließlich nur noch so wenig zu tun, dass die wenigen eingeschobenen biblischen Elemente für spürbare Unruhe unter den bei der der Hamburger Pressevorführdieung anwesenden Kindern sorgten. Sie schienen förmlich darauf zu warten, dass das lustige Tierabenteuer weitergeht. Und als solches hat der tonal unausgewogene „Bo und der Weihnachtsstern“ auch tatsächlich am meisten zu bieten. Vor allem das erste Zusammentreffen zwischen Bo und dem immer wieder ganz plötzlich auftauchenden Schaf sowie die Szenen mit den drei Kamelen der Heiligen drei Könige sind sehr witzig. Die Auftritte der sehr gegensätzlichen Höckertiere werden nicht bloß mit einem ironischen Hip-Hop-Beat untermalt, das Trio hat auch immer einen kessen Spruch auf den Lippen. Auch die Animation der Kamele gehört zu den Highlights des Films, überhaupt ist es die Gestaltung der tierischen Figuren, die in diesem ordentlich animierten und synchronisierten Film für die visuellen Glanzpunkte sorgt.

    Fazit: „Bo und der Weihnachtsstern“ ist ein oft lustiges Animationsabenteuer mit niedlichen Tieren, der halbherzige Umgang mit der biblischen Vorlage und der sehr schwankende Erzählton sorgen allerdings für Irritation.

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