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Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?
Von
Im Presseheft wird die Tragikomödie „Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?“ als „herzerwärmender Mix aus ‚Little Miss Sunshine‘ und ‚Die fabelhafte Welt der Amelie‘“ angekündigt. Dieser Vergleich ist angesichts des Films allerdings nur sehr schwer nachvollziehbar. Zwar geht es auch in Kerstin Poltes Spielfilmdebüt im Großen und Ganzen um einen aus dem Ruder laufenden Roadtrip, in dessen Mittelpunkt wie in dem oscargekrönten US-Indie-Hit „Little Miss Sunshine“ die Wiederzusammenführung einer zerstrittenen Familie steht. Außerdem gibt es auch hier einige hübsche inszenatorische Finessen, die von Ferne an „Die fabelhafte Welt der Amelie“ erinnern. Aber gerade von der Leichtigkeit und Verspieltheit von Jean-Pierre Jeunets Paris-Märchen ist Poltes tragikomisches Drama meilenweit entfernt. „Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?“ erscheint nämlich arg gewollt, zuweilen gar verkrampft. Er wirkt so, als habe man tatsächlich die besagten Filme und ähnliche Vorbilder im Kopf gehabt und dabei das Erzählen ganz vergessen. So fehlt dem Werk jede Anmutung von Lebensnähe, hier gibt es scheinbar beliebig zusammengestellte Kalenderspruch-Weisheiten statt echt klingender Dialoge – das Kalkül ist immer spürbar, das können auch aufregende Kamerafahrten nicht verdecken. Und am Ende ist dies ein Film, in dem es zwar um die Liebe gehen soll, aber von Emotionen so gut wie nichts zu spüren ist.

In der Familie der kleinen Jo (Annalee Ranft) geht es seit einiger Zeit drunter und drüber. Ihre Mutter Alex (Meret Becker) steckt in einer viel zu frühen Midlife-Krise, ihr geliebter Kater stürzt sich aus dem Fenster und ihre Großeltern Charlotte (Corinna Harfouch) und Paul (Karl Kranzkowski) reden kaum noch miteinander. An Jos Geburtstag eskaliert die Situation: Eigentlich will die Oma einen Kurzurlaub mit der Familie unternehmen, doch als sich Alex dagegen auflehnt, lässt Charlotte kurzerhand alles stehen und begibt sich mit Enkelin Jo im Gepäck auf eine lange Fahrt an die Nordseeküste. Während die beiden wenig später in der ungewöhnlichen „Pension Hörster“ einkehren und Bekanntschaft mit dem noch viel ungewöhnlicheren Wirt (Bruno Cathomas) machen, begeben sich Alex und ihr Vater mithilfe der sympathischen Truckerin Marion (Sabine Timotheo) ebenfalls auf den Weg in Richtung Küste…

„Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?“ beginnt mit dem Off-Kommentar des als Person erst deutlich später im Film auftauchenden Hörster. Was genau es mit seiner Figur auf sich hat, wollen wir aus Spoilergründen an dieser Stelle nicht verraten. Dennoch ist das Problem mit seinem Charakter symptomatisch für all das, was in Poltes Film schiefläuft: Die Regisseurin und Drehbuchautorin vernachlässigt die Stärken ihrer Geschichte. Mehrmals im Laufe der knapp 100 Minuten greift sie Handlungsfäden auf, die für sich genommen spannend sind, nur um sie wenig später wieder fallen zu lassen. Dazu gehört eben auch die Figur Hörster, die der Familiengeschichte eine unerwartete Nuance gibt, aber nur in sehr wenigen Szenen überhaupt eine Rolle spielt. Darüber hinaus bleiben viele Zusammenhänge einfach unklar: Weshalb sind in Jos Familie ausnahmslos alle unzufrieden? Auch die diversen neuen Liaisons und One-Night-Stands – etwa zwischen Alex und der Truckerin Marion oder zwischen Charlotte und Hörster – werden jeweils in einer einzigen Szene abgehandelt und haben keinerlei Auswirkungen auf die restliche Handlung oder das folgende Verhalten der Figuren. „Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?“ ist ein erzählerischer Flickenteppich aus teilweise recht nett konzipierten Einzelszenen, die sich jedoch niemals zu einem großen Ganzen fügen.

Sowohl die zwischendurch eingestreuten bedeutungsschwangeren Off-Kommentare, als auch die symbolisch aufgeladene Bildsprache – hier führen Türen schon mal buchstäblich ins Nichts oder die Kamera dreht sich demonstrativ um Menschen in leeren Räumen - verstärken zudem den Eindruck des Verkopften. Umso auffälliger sind dann die seltenen intensiven Szenen, in denen wir den Figuren tatsächlich näherkommen – wie die zwischen Alex und ihrem One-Night-Stand Marion. Die Schauspieler geben sich zudem alle Mühe, ihre gekünstelten Charaktere greifbar zu machen, dabei sind Corinna Harfouch („Fack ju Göhte 3“) und Karl Kranzkowski („Grossstadtklein“) am ehesten erfolgreich. Meist können aber auch sie sich - ganz wie der Rest des Ensembles – nicht von der verkrampften Attitüde des Films freimachen und scheitern immer wieder an den sehr konstruierten Dialogen.

Fazit: „Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?“ kommt so verkopft und gewollt symbolisch daher, dass das eigentliche Erzählen weitgehend auf der Strecke bleibt.
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