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    Der geheime Roman des Monsieur Pick
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Der geheime Roman des Monsieur Pick

    Ein Kritiker spielt Detektiv

    Von Michael Meyns
    Bei der jüngst zu Ende gegangenen Frankfurter Buchmesse präsentierten 7450 Aussteller aus 104 Ländern neue Bücher. Angesichts dieser Zahlen kann man sich ausmalen, wie viele Romane um die Gunst der Leser buhlen, wie wichtig angesichts dieser Konkurrenz ein werbefreundliches Alleinstellungsmerkmal ist, das immer häufiger nicht mehr im Roman selbst gesucht wird, sondern im „Roman um den Roman“. So formuliert es Jean-Michel Rouche, der Literaturkritiker, der im Mittelpunkt der amüsanten Krimi-Komödie „Der geheime Roman des Monsieur Pick“ steht. In dieser geht es um die Frage nach dem wahren Autor eines überraschenden Bestsellers, was Rémi Bezançon („Ein freudiges Ereignis“) als pointiert, ironische Detektivgeschichte inszeniert, wobei er frei mit Genres, Mythen und Erzählungen spielt.

    Während ihr Freund Frédéric (Bastien Bouillon) bislang vergeblich auf seinen Durchbruch als Autor hofft, sucht die junge Verlagsangestellte Daphné (Alice Isaaz) immer nach neuen, verheißungsvollen Romanen. Ausgerechnet in einer „Bibliothek der abgelehnten Bücher“, die sich versteckt in ihrem Heimatdorf in der Bretagne befindet, entdeckt sie unverhofft ein Meisterwerk. Geschrieben wurde „Die letzten Stunden einer großen Liebe“ angeblich vom Pizzabäcker des Dorfes, dem schon verstorbenen Monsieur Pick. Bald ist der Roman ein Riesenerfolg, doch der Literaturkritiker Jean-Michel Rouche (Fabrice Luchini) hat seine Zweifel an der Autorenschaft Picks. Daher fängt er an, wie ein Detektiv zu ermitteln - sehr zum Unwillen von Joséphine Pick (Camille Cottin), der Tochter des Verstorbenen. Die versucht bald sehr engagiert zu verhindern, dass Wahrheit und Fiktion unterschieden werden.

    Rouche ermittelt...


    Angesichts eines Übermaßes an Filmen, Spielen, Büchern und anderer Medien, die auf immer mehr analogen und digitalen Plattformen um die begrenzte Aufmerksamkeit des Publikums buhlen, verwundert es nicht, dass dem Drumherum verstärkt Aufmerksamkeit gegeben wird. Bei immer mehr Filmen verheißt zum Beispiel ein „basierend auf wahren Begebenheiten“ besondere Authentizität, aber vor allem sorgt auch eine spannende, aus der Norm fallende Hintergrundgeschichte des Künstlers für Aufmerksamkeit – besonders, wenn diese vielleicht sogar noch spannender als das Werk selbst ist.

    Diese Muster der Kulturindustrie nimmt Rémi Bezançon in seinem Film aufs Korn. Als Vorlage dient ihm dabei ein Roman von David Foenkinos. Der 45 Jahre alte Pariser Schriftsteller ist besonders in seiner Heimat ein Bestseller-Autor, dessen Romane auch schon einige Male verfilmt wurden („Nathalie küsst“, „Zu Ende ist alles erst am Schluss“). Er kennt sich also in den Strukturen der Verlagsindustrie aus, dürfte selbst zahllose Empfänge und Lesereisen durchgestanden und gespannt und in Sorge auf das Urteil der Kritiker gewartet haben.

    Von wegen Kritiker-Hass


    Wer nun aber eine bitterböse Abrechnung erwartet, wird getäuscht. So ist schon das Porträt des Kritikers Jean-Michel Rouche durchaus wohlwollend. Hier ist nichts von dem Hass zu spüren, der einst etwa Martin Walser zu seinem „Tod eines Kritikers“ verleitete. Stattdessen wird Rouche in Roman wie nun auch in der Adaption als zwar streitbarer, aber im Kern doch sympathischer Mensch gezeichnet. Dazu trägt aber sich auch bei, dass die Hauptfigur hier die meiste Zeit gar nicht in einer Kritikerrolle erscheint.

    Denn schnell wird der Protagonist zum Hobby-Detektiv, stürzt sich immer mehr in seine Spurensuche, die ihn zwischen Paris und der Bretagne pendeln und im Archiv des ehrwürdigen Verlagshauses Gallimard oder dem Keller der Familie Pick nach Hinweisen stöbern lässt. So wirkt „Der geheime Roman des Monsieur Pick“ fast wie ein klassischer Whodunit, bei dem Rouche – von seiner blühenden, literarischen Fantasie geleitet – auch so ziemlich jeden verdächtigt, der wahre Autor des Romans zu sein. Dass die Auflösung dann ein klein wenig enttäuschend daherkommt, kann man verzeihen, denn bis es so weit ist, inszeniert Rémi Bezançon eine amüsante Krimi-Komödie, die pointiert und gewitzt vom Literaturzirkus erzählt.

    Fazit: Dank der spielfreudigen Darsteller und einem stets leichten, aber nie oberflächlichen Tonfall erweist sich „Der geheime Roman des Monsieur Pick“ als amüsantes Spiel um Wahrheit und Fiktion.

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