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    Yakari - Der Kinofilm
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Yakari - Der Kinofilm

    Der Kinderzimmer-Hype kommt auf die große Leinwand

    Von Christoph Petersen
    Es hat sicher nicht nur mit dem 50-jährigen Jubiläum zu tun, dass der kleine Indianerjunge, dessen erstes Abenteuer im Dezember 1969 in einer Schweizer Schulzeitschrift abgedruckt wurde, ausgerechnet jetzt seinen ersten eigenen Kinofilm bekommt. Vielmehr tobt bereits seit einigen Jahren ein regelrechtes Yakari-Revival in den deutschen (und französischen) Kinderzimmern, das vor allem von der inzwischen 130 Episoden umfassenden „Yakari“-Zeichentrickserie im KIKA und auf Netflix immer weiter befeuert wird.

    Trotz der vielen treuen Anhänger, die der Sioux-Sprössling und sein bester Freund Kleiner Donner bereits haben, dürften nun noch einige neue, darunter auch schon etwas ältere Fans dazukommen: Schließlich erzählt Regisseur Xavier Giacometti in „Yakari - Der Kinofilm“ die Origin Story, wie es überhaupt dazu kam, dass der Titelheld mit Tieren sprechen kann – der perfekte Einstieg auch für (Noch-)Nicht-Kenner. Zudem protzt das Leinwandabenteuern mit ebenso wunderschön gestalteten wie abwechslungsreichen Naturpanoramen, in denen sich auch die erwachsenen Begleiter gerne verlieren werden.

    Im Kinofilm wird erzählt, wie Yakari und Kleiner Donner zu besten Freunden wurden.


    Der größte Traum von Yakari (Stimme: Mia Diekow) ist es, einmal auf Kleiner Donner (Marc Seidenberg) zu reiten. Doch selbst den erfahrensten Jägern des Sioux-Stammes gelingt es einfach nicht, das wilde Pony zu fangen. Erst als sich Kleiner Donner ein Bein unter einem Felsen einklemmt, kommt Yakari ihm näher – und befreit das Wildpferd unter Einsatz seines eigenen Lebens. Dafür erhält er von Großer Adler (Hans Sigl), seinem Totemtier, die Fähigkeit, fortan mit allen Tieren des Waldes und der Prärie sprechen zu können.

    Kleiner Donner bleibt hingegen weiter skeptisch – er will seine Freiheit behalten und sich nicht von einem Menschen zähmen lassen. Als Yakari einen Wasserfall hinunterfällt und bewusstlos davontreibt, reitet Kleiner Donner dennoch sofort los, um seinem Befreier zu helfen. Es ist ein weiter und beschwerlicher Weg zurück ins Indianerdorf – und die Zeit drängt, denn ein nahender schwerer Sturm zwingt den Stamm dazu, seine Zelte abzubauen und weiterzuziehen...

    Die Natur als weiterer Hauptdarsteller


    Xavier Giacometti hat auch schon bei der Zeichentrickserie Regie geführt. Trotzdem wissen er und sein Co-Regisseur Toby Genkel („Ooops! 2 - Land in Sicht“) sehr genau, dass man bei einem Kinofilm ein paar Schippen mehr drauflegen muss – und genau das haben sie und ihr internationales Team bei der französisch-deutschen Co-Produktion auch getan: Natürlich sind die Figuren sehr viel detailreicher animiert als in der TV-Version, aber das wahre Prunkstück bleiben die Landschaftshintergründe: Von der staubigen Prärie über saftige Wälder und reißende Flüsse bis hin zu verschneiten Berggipfeln sieht das alles zumindest aus wie handgemalt.

    Das muss in Zukunft weiter der Weg sein, um sich als europäische Produktion mit der Hollywood-Konkurrenz zu messen: Statt sich auf einen CGI-Wettkampf einzulassen, bei dem am Ende oft doch nur die finanziellen Möglichkeiten entscheiden, begeistert „Yakari - Der Kinofilm“ mit einem ganz eigenen Look, der nicht nur absolut hochwertig aussieht, sondern dazu auch noch perfekt zu den Themen der Geschichte passt.

    Der Comedy-Star des Films: der faule Biber Lindenbaum!


    Schließlich hatte „Yakari“ schon immer einen erstaunlich progressiven Blick auf den angemessenen Umgang mit der Natur und ihren Bewohnern: So ist die Szene, in der Yakari dem eingeklemmten Kleiner Donner hilft, zumindest im ersten Moment noch ein totales Klischee – aber sie endet eben nicht wie erwartet damit, dass das wilde Pferd aus Dankbarkeit sofort der beste Freund von Yakari wird. Im Gegenteil staucht Kleiner Donner den Indianerjungen sogar wütend zusammen, weil Yakari – ohne vorher um Erlaubnis zu fragen – einfach auf seinen Rücken gestiegen ist. Yakari muss erst lernen, dass Kleiner Donner nie „sein Pferd“, sondern – wenn überhaupt – „sein Freund“ sein wird.

    Das Verhältnis vom Menschen zur Natur ist in „Yakari – Der Kinofilm“ also angenehm komplex. Dasselbe lässt sich von der erzählten Geschichte allerdings leider nicht behaupten: Yakari geht in der Wildnis verloren und muss mit Hilfe seiner tierischen Freunde wieder nach Hause finden. Das klingt jetzt nicht so wahnsinnig aufregend – weshalb es auch gleich mehrere Stellen gibt, in denen die Spannung dadurch erzeugt wird, dass die kleinen Zuschauer einige Szenen oder gar Minuten lang im Dunkeln darüber belassen werden, ob Yakari womöglich etwas (sehr) Schlimmes zugestoßen ist. Sonderlich clever ist das nicht – und es macht den Film zumindest für die allerjüngsten Fans wenig geeignet.

    Ein Biber stiehlt die Show


    „Yakari - Der Kinofilm“ erzählt vom Beginn der Freundschaft zwischen dem Titelhelden und Kleiner Donner. Für viele der in den Comics und der TV-Serie liebgewonnenen Nebenfiguren bleibt deshalb nur wenig Zeit. Das gilt leider auch für die Biber und vor allem den faulen Lindenbaum (Diana Amft), der die Kunst des Müßiggangs inmitten seiner immer fleißigen Artgenossen perfektioniert zu haben scheint.

    Trotz seiner wenigen Szenen staubt der Biberjunge die meisten Lacher des Films ab. Allein schon, um noch mehr von dem Faulenzer-Biber zu sehen, hätten wir gegen ein „Yakari 2“ absolut nichts einzuwenden...

    Fazit: „Yakari – Der Kinofilm“ ist spannend und lustig, hervorragend animiert und im Umgang mit der Natur erfreulich komplex. Nur für den wenig kreativen Plot gibt es leichte Abzüge in der B-Note.

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