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    Die Drei !!!
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Die Drei !!!

    Leg dich bloß nicht mit Mädchen an!!!

    Von Karin Jirsak-Biemann
    1-2-3-Power!!!“ So lautet das kraftvolle Motto der drei jungen Detektivinnen, die sich hier mit ihrem ersten Kinoabenteuer auf die große Leinwand wagen. Seit 2006 erscheinen ihre Abenteuer als Bücher im Kosmos-Verlag, der auch „Die drei ???“ verlegt. Schon 80 Fälle haben die drei Mädchen bislang gelöst, mit vier Millionen verkauften Bänden sind „Die drei !!!“ die erfolgreichste Mädchenkrimireihe in Deutschland. Fürs Kino haben die Drehbuchautorinnen Doris Laske und Sina Flammang allerdings auf keinen der bekannten Fälle zurückgegriffen, sondern sich eine ganz neue Herausforderung ausgedacht.

    Das Konzept ist dabei im Wesentlichen dasselbe, nach dem auch „Die drei ???“ funktionieren: Ein pfiffiges Ermittlertrio löst kindgerechte Fälle mit einem Touch von Mystery, wobei immer wieder auch die unterschiedlichen Charaktereigenschaften der jungen Detektive zum Einsatz kommen. Die liebenswerte Kauzigkeit von Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews ist bei den drei !!! allerdings höchstens in Spurenelementen enthalten. Mit der brünetten Kim Jülich („der Bücherwurm“), Rotschopf Franzi Winkler („die Sportliche“) und der blonden Marie Grevenbroich („die Modebegeisterte“) ermitteln in der „Mädchenversion“ ziemlich schematisch gezeichnete Hauptfiguren, denen nun auch der Film von Regisseurin Viviane Andereggen keine spannenden Nuancen hinzufügt.

    Trotz Droh-Graffiti an der Wand: So leicht lassen sich die drei !!! nicht vertreiben.


    Kim (Lilli Lacher), Franzi (Alexandra Petzschmann) und Marie (Paula Renzler) verbringen die Sommerferien in einem alten Theater, das seit einem Brand leer steht. Um Spenden für die Renovierung zu sammeln, wollen die Detektivinnen bei einer Aufführung von „Peter Pan“ mitmachen. Aber in dem verfallenen Gemäuer scheint irgendwas nicht mit rechten Dingen zuzugehen: Während der Proben ertönt ein unheimliches Heulen, dann wird die Garderobe verwüstet, an die Wand hat jemand „Verschwindet aus Nimmerland“ geschmiert. Treibt hier etwa ein Phantom sein Unwesen? Oder steckt hinter den beunruhigenden Vorfällen womöglich doch ein Widersacher aus Fleisch und Blut? Die drei !!! nehmen die Ermittlungen auf …

    Der erste Kinofall der drei Nachwuchsdetektivinnen besticht nicht gerade durch Einfallsreichtum, gestaltet sich aber dank der vielen temporeichen Actionsequenzen dennoch recht kurzweilig. Die beste Szene des Films ereignet sich dabei schon in den ersten Minuten: Bei einer turbulenten Verfolgungsjagd per Skateboard, Segway und Taxi stellen Kim, Franzi und Marie einen Dieb, der sich die Spendenkasse unter den Nagel gerissen hat. „Leg dich bloß nicht mit Mädchen an“, raten die drei !!! dem nach einer fiesen Kollision mit der Taxitür am Boden liegenden Übeltäter, nachdem sie ihn mit vereinten Kräften zur Strecke gebracht haben. Brachiale Girlpower hoch drei, der auch der örtliche Kommissar Peters (Hinnerk Schönemann) nichts entgegenzusetzen hat – außer der gestammelten Ermahnung, die Verbrecherjagd doch bitteschön der Polizei zu überlassen. Was die drei Mädels natürlich keineswegs beherzigen.

    Figuren aus dem (Mode-)Katalog


    Neben der Action sorgt der erste Kinofilm von Viviane Andereggen auch mit toll ausgeleuchteten Settings für Sommerferienlaune. Vor allem im verwunschenen Theater kommt mit Efeuranken, Staub und Taubennestern wohlig knisternde Gruselatmosphäre auf. Weichgezeichnete Sehnsuchtsorte, wie der idyllische Pferdehof von Franzis Familie, wo sich das Hauptquartier der drei !!! befindet, und Maries gläsernes Poolhaus, vollgestopft mit schönen Kleidern, lassen dagegen vermeintliche Mädchenträume hochleben. Auch die drei Hauptfiguren wirken eher wie aus dem Katalog für coole Role Models und nicht gerade wie aus dem echten Leben gegriffen: So makellos hübsch, begabt und bei den Jungs beliebt, wie sie sind, fehlt Kim, Franzi und Marie der hohe Sympathiefaktor, für den die Fans etwa den pummeligen und altklugen Justus Jonas der drei ??? lieben. Dieses Problem ergibt sich natürlich schon aus der Buchvorlage, im Film holen die drei Jungdarstellerinnen mit viel Spielfreude und physischem Einsatz aber immerhin das Bestmögliche aus den schlichten Schablonen heraus – auch wenn es ihnen die oft drögen und unnatürlichen Dialoge nicht immer einfach machen.

    Die Ermittlungsarbeit der drei !!! fällt dagegen weniger spannend aus: Bei der Lösung des Falls ist es oft der Zufall, der sie auf die Spur des Täters bringt, und nur selten ihr detektivisches Geschick. Zunächst nehmen die Mädchen – fast wie ihre erwachsenen „Tatort“-Vorbilder – Fingerabdrücke, sichern Beweise und stellen anhand von Motiven eine Liste von Verdächtigen auf, die sich dann nach und nach als unschuldig erweisen. Lange Zeit tappen die jungen Detektivinnen im Dunkeln, während zumindest der erwachsene Zuschauer die Nachtigall schon lange trapsen hört. Smarte Ideen und der raffinierte Einsatz individueller Fähigkeiten sind hingegen rar gesät. Wenn etwa die modeverrückte Marie eine Haarnadel zückt, um ein Schloss zu knacken, und diese schon 100 Mal gesehene Idee dann auch noch als genialer Geistesblitz verkauft wird, sehnt man sich schon sehr nach den originellen Einfällen zurück, die Justus, Peter und Bob verdientermaßen zum Kult gemacht haben.

    Sorgt für Gruselstimmung: Sylvester Groth als Klaus Schmitt.


    Schwammig konstruierte Randkonfliktchen mit Gleichaltrigen, etwa Kims „Beziehungsstress“ mit ihrem Freund Michi (Ruben Storck) oder der Ärger zwischen Marie und ihrer ihr ironischerweise sehr ähnlich sehenden Kontrahentin Verena (Felice Ahrens), lösen sich am Ende ohne Zutun, Höhepunkt oder Erkenntnismoment einfach in Wohlgefallen auf. Da fragt man sich dann schon, warum diese Elemente überhaupt eingebaut wurden. In dem ansonsten wenig spannenden Figurentableau sind es vor allem die Erwachsenen, die wohltuend witzige Akzente setzen. Allen voran Jürgen Vogel, der als eitler Theaterpädagoge mit Peter-Pan-Komplex gerade gegen Ende herrlich aufdreht. Auch Armin Rohde hat als Akkordeon malträtierender Wirt in der schummrigen Kaschemme „Zum singenden Hummer“ einen (leider kurzen) guten Moment, während Sylvester Groth als vom Leben gezeichneter Düsterling mit zwielichtiger Theatervergangenheit immerhin für ein bisschen geheimnisvolle Stimmung sorgt.

    Fazit: Das erste Kinoabenteuer der drei Detektivinnen will eine zeitgemäße Girlpower-Version der drei ??? sein, kommt aber aufgrund klischeehafter Figuren und wenig origineller Ermittlungsarbeit so interessant daher wie das rosa Überraschungsei für Mädchen. Rasante Action und tolle Kulissen sorgen immerhin für nette Schauwerte.

     

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