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    Safecrackers
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Safecrackers
    Von Ulrich Behrens
    Der erste Film der neuen Produktionsgesellschaft von Steven Soderbergh und George Clooney „Section 8“ ist ein sehr freies Remake eines Klassikers: Mario Moricelli inszenierte 1958 die Gangsterkomödie „I Soliti Ignoti“ („Diebe haben’s schwer“) mit Vittorio Gassman, Claudia Cardinale und Renato Salvatori. Wer diesen Film kennt, wird von „Welcome to Collinwood“ nur mäßig begeistert sein, obwohl dieses Remake noch besser ist als Louis Malles Adaption des Stoffes aus dem Jahr 1984 „Crackers“ (mit Donald Sutherland, Jack Warden und Sean Penn).

    Ort der Handlung ist der herunter gekommene Stadtteil Collinwood in Cleveland. Autodieb Cosimo (Luis Guzmán) muss gerade mal wieder eine Haftstrafe absitzen, als ihm ein alter Zellenkumpel, der lebenslänglich sitzen muss, von einem „Bellini“ erzählt – einem todsicheren Ding. Um diesen „Bellini“ – bei dem angeblich 300.000 Dollar mindestens winken – zu realisieren, braucht Cosimo – den die meisten im Stadtteil für den übelsten und dämlichsten Idioten halten – einen „Mullinski“, das heißt, jemanden, der für ihn die Strafe absitzt, zu der er sicher verurteilt wird, sodass er das Ding selbst drehen kann. Das alles vermittelt der Knacki seiner Freundin Rosalind (Patricia Clarkson), die vom kriminellen Leben ihres Freundes die Schnauze gestrichen voll hat. Trotzdem hofft sie, dass Cosimo sie endlich heiraten wird, wenn sie ihm bei seinem „letzten großen Coup“ unterstützt. Doch das mit dem Ersatzgefangenen geht gründlich in die Hose. Ergo organisiert Rosalind fünf Möchtegern-Gangster, die den „Bellini“ über die Bühne bringen sollen: Toto (Michael Jeter), den Partner Cosimos, Riley (William H .Macy), dessen Frau im Knast sitzt und der allein auf beider Baby aufpassen muss, Leon (Isaiah Washington), den Aufreißer Basil (Andrew Davoli) und den Preisboxer Pero (Sam Rockwell).

    Voller Optimismus gehen die Herren ans Werk, nicht ohne sich die fachmännische Unterstützung von Safeknacker Jerzy (George Clooney) einzuholen. Doch ihr Optimismus stößt an die Grenzen ihrer eigenen Unfähigkeit. Die leerstehende Wohnung, die an den Raum mit Safe grenzt, den die Gang ausrauben will, wird plötzlich von zwei alten Damen samt Dienstmädchen Carmela (Jennifer Esposito) bezogen. Pero, der Kontakt zu Carmela aufnehmen soll, um an den Schlüssel für die Wohnung zu gelangen, verliebt sich in die schöne Frau. Cosimo flieht in der Uniform eines ohnmächtig gewordenen Polizisten aus dem Knast und macht Ärger. Ein eifriger Polizist riecht Lunte. Basil verliebt sich in Leons Schwester Michelle (Gabrielle Union). Als es dann endlich so weit ist, um in die Wohnung einzudringen, wirft Basil das Handtuch, um sich eine anständige Arbeit zu suchen und mit Michelle eine Familie zu gründen. Der Rest der Gang macht weiter – aber was dann passiert, ist nicht gerade von Erfolg gekrönt ...

    Die Russos liefern mit diesem Film eine zeitlose Komödie – mit alten Autos, der (Titel-)Musik von Paolo Conte und Kostümen eher aus den 70er Jahren. Allerdings wirkt der Film in der ersten Hälfte allzu bemüht, zäh ziehen sich die Vorbereitungen für den Coup in die Länge. Allzu oft muss man Luis Guzmán wütend schimpfen hören „Deine Mutter ist eine Hure.“ Der Humor ist nicht immer „echt“, sondern oft mit der Brechstange erzeugt. Die Charaktere sind – bis auf Michael Jeters Toto und William H. Macys Riley – schwach entwickelt und die Handlung schleppt sich etwas dahin. Warum George Clooney unbedingt in den Plot eingebaut werden musste, ist nicht nachvollziehbar (es sei denn als Zugeständnis an die gemeinsame Produktionsfirma mit Soderbergh). Die soziale Atmosphäre, in der die Figuren handeln, ist zwar größtenteils schön fotografiert, aber wenig überzeugend aus den Personen erschließbar, die manchmal wie Marionetten eines wenig glaubwürdigen Bühnenstücks agieren.

    Erst als die verbleibenden vier Gangster beginnen, in die Wohnung neben dem Raum mit dem Safe einzudringen, kommt Leben in das Spiel, und eine gute Portion Humor – zu spät, finde ich, wenn man das Original von 1958 zum Vergleich heranzieht, und viel zu kurz. „Welcome to Collinwood“ fehlt als Ganzes gesehen die Einheitlichkeit des Dramatischen, wirkt ein bisschen wie Flickwerk, als ob die Regisseure nervös mit dem Stoff hantiert hätten, um auf keinen Fall etwas Schlechteres zu produzieren als das Original von 1958. Diese Spannung und Nervosität ist dem Film leider deutlich anzumerken, so dass er in einen langen, ja allzu langatmigen ersten und einen leider zu kurzen positiven letzten Teil zerfällt, der dann noch mit einem abrupten Schluss vorschnell endet. Von den Schauspielern überzeugen eigentlich nur William H. Macy als Riley, der ständig mit dem Baby herumläuft – das Wichtigste in seinem Leben – und Michael Jeter als Toto, der zunehmend weniger Stoff am Leib trägt und sich sehr humorvoll und wacker bis zum Schluss durchschlägt. Luis Guzmán war mir in seiner Rolle als Cosimo zu überkandidelt, Jennifer Esposito gefällt überwiegend, Patricia Clarkson vermag der Figur der Rosalind nicht viel abgewinnen, Davoli, Washington und Rockwell spielen mäßig bis durchschnittlich.

    Vielleicht kann der Film, der nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut ist, jene mehr überzeugen, die das phantastische italienische Original – eine Parodie auf „Rififi“ (1955), die Mutter aller Raubüberfall-Filme – nicht kennen. Für mich steht „Welcome to Collinwood“ jedenfalls nur in der zweiten Reihe.
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