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Ice Age
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,5
hervorragend
Ice Age
Von Carsten Baumgardt
Der gute alte Zeichentrickfilm war gestern. Heute sind Animationsfilme an diese Stelle getreten. Das haben die großen Studios endlich erkannt und versuchen, sich jeweils in die beste Marktposition zu bringen. Spielbergs DreamWorks brachte „Shrek“ an den Start, Disney (bzw. die Zauberer der Pixar-Schmiede), die zuvor schon mit „Toy Story“ und „Das große Krabbeln“ erfolgreich waren, konterten aktuell mit „Die Monster AG“. Jetzt kommt die 20th Century Fox mit „Ice Age“ und etabliert sich auf Anhieb in der Phalanx der Spitzenproduktionen des Genres. Das prähistorische Road- und Buddy-Movie sprüht nur so vor Dialogwitz, ist technisch ausgereift und ohne Mängel.

Kleine Ursache, große Wirkung. Mühsam versucht das quirlige Rattenhörnchen Scrat, eine Eichel in den hartgefrorenen, eisigen Boden zu rammen. Viele Tiere sind bereits auf der Flucht, die nächste Eiszeit steht unmittelbar bevor. Scrat gibt nicht auf, löst durch seine Buddelei aber aus Versehen eine riesige Lawine aus, alles bricht zusammen. Nur mit Mühe kann er sich retten, gerät dann in eine große Herde, die sich in wärmere Gefilde absetzen will. Nur das Mammut Manfred ist stur. Zum Glück für das Faultier Sid, dem Manny wider Willen das Leben rettet. Der rotzfreche Sid will sich gar nicht von seinem griesgrämigen „Beschützer“ trennen. Ein wenig Aufschub bekommt er, als ihnen das hilflose Menschenbaby Roshan in die Hände fällt. Um es nicht gleich einem Rudel gieriger Säbelzahntiger auszuliefern, wollen Sid und Manny das Kind den Menschen persönlich zurückbringen. Allerdings nicht ohne den listigen Diego aus der Tigergruppe, der sich als Fährtenleser anbietet...

Die weltweiten Umsätze auf dem Zeichentricksektor sind schon seit langem rückläufig. Disney musste diese bittere Erkenntnis verarbeiten, reagierte aber frühzeitig und fährt seine großen Kassenhits jetzt halt im Genre des Animationsfilms ein. Dieser ist im Grunde auch nur eine technisch weiterentwickelte Variante des klassischen Zeichentricks. Nachdem die 20th Century Fox, die auf dem Trickfilm-Markt nie richtig Fuß fassen konnte, mit dem ambitionierten, aber in der Publikumsgunst gnadenlos durchgefallenen "Titan A.E." schon wieder den Zug verpasst zu haben schien, gelingt dem traditionsreichen Studio mit „Ice Age“ doch noch der ganz große Wurf. Spezialist Paul Wedge, der mit seinem animierten Kurzfilm „Bunny“ den Oscar gewann, und sein neugegründetes Blue Sky Studio wurden für die Realisierung von „Ice Age“ angeheuert. Eine gute Wahl. Sein launiges Buddy-Movie, Wedge selbst bezeichnet es als „Drei prähistorische Tiere und ein Baby“, hat alles, was ein unterhaltsamer Familienfilm braucht.

Das Autorenteam Berg, Wilson und Ackerman schrieb den skurrilen Figuren - die glücklicherweise nicht singen müssen - ein furioses Gagfeuerwerk auf die CGI-animierten Leiber. Sogar eine Art Charakterzeichnung, aus dem viel Potenzial für den Dialogwitz gewonnen wird, ist vorhanden. Die Geschichte selbst, eine Mischung aus Action, Humor, Abenteuer und Herz, verläuft im Rahmen des Genrestandards - der Weg ist hier eindeutig das Ziel. Der Running Gag des Films ist das Rattenhörnchen Scrat, das immer mal wieder auftaucht und unbeabsichtigt für Unruhe sorgt. Konsequenterweise ist dem Sympathieträger auch der nette Schlussgag vorbehalten.

Technisch ist „Ice Age“ - wie nicht anders zu erwarten war - auf der Höhe der Zeit. Natürlich ist ein Animationsfilm kein Doku-Drama. Und so erlaubten sich die Schöpfer einige kreative Freiheiten. Faultiere sind von Natur aus langsam und träge. Nicht so Sid. „Wir gestatten ihm jede Menge Flexibilität“, erklärt Regisseur Wedge, „damit er sich in alle Richtungen drehen und wenden kann. Dazu redet er schnell und ist - falls nötig - wie richtige Faultiere auch sehr flink.“ Neben dem so genannten Ray Tracing, eine spezielle Beleuchtungs-Software, die das Umgebungslicht bis ins kleinste Detail nachahmt und so für pralles und organisches Aussehen der Figuren sorgt, kamen noch weitere Technologien zum Einsatz. Ein neuartiges Pixelsystem vermittelt einen realistischen Eindruck von Dreidimensionalität. Aber auch per Computer eingescannte 3D-Tonmodelle wurden für „Ice Age“ verwendet. Das führt dazu, dass der Film einen eigenen Look erhält und optisch wenig zu wünschen übrig bleibt. Da ist es auch verzeihlich, dass die Menschen wieder mal enttäuschend animiert sind - übrigens ein generelles Problem des Genres. Aber im Grunde ist die Technik nur die Staffage für die witzige, zeitweise Slapstick-artige Story, die sich durch die geballte Technik nicht in den Hintergrund drängen lässt.

Dass zum Ende hin doch noch ein wenig auf die Tränendrüse gedrückt wird, ist nicht ganz konsequent, denn lange kam „Ice Age“ ohne viel Herzschmerz aus. Aber zum Glück hat Publikumsliebling Scrat das letzte Wort.
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