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Catch Me if You Can - Mein Leben auf der Flucht
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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,5
hervorragend
Catch Me if You Can - Mein Leben auf der Flucht
Von Carsten Baumgardt
Fünf Jahre sind seit dem gigantischen Erfolg (2,2 Milliarden Dollar weltweites Einspiel) von „Titanic“ mittlerweile ins Land gezogen. In der Zeit spielte Leonardo DiCaprio in lediglich zwei mäßig erfolgreichen Filmen („Celebrity“, "The Beach") mit. Nun war die Frage bei seinem großen Comebackversuch mit zwei Top-Produktionen, ob er noch genug Starpower besitzt, um seine Karriere nicht in der Bedeutungslosigkeit versinken zu lassen. Mit „Gangs Of New York“ konnte DiCaprio darauf keine eindeutige Antwort geben, in Steven Spielbergs hoch unterhaltsamem Gaunerstück überzeugt Leo jedoch in allen Belangen. Der Lohn war eine verdiente Golden-Globe-Nominierung, die er eigentlich für Martin Scorseses Crime-Epos "Gangs Of New York" eingeplant hatte.

Amerika in den 60er Jahren: Der junge Frank Abagnale Jr. (Leonardo DiCaprio) wächst zwar in einfachen Verhältnissen auf, hat aber eine intakte Familie um sich. Erst als sein Vater Frank Sr. (Christopher Walken) in eine wirtschaftliche Krise rutscht und von seiner Frau Paula (Nathalie Baye) verlassen wird, endet das Idyll. Völlig überrascht von der Trennung muss Frank Jr. auf der Stelle wählen, bei wem er leben möchte. Er trifft eine eigene Entscheidung, lässt alles hinter sich und läuft weg. Frank schlägt sich allein durch, allerdings scheitern seine Versuche, getürkte Schecks einzutauschen. Dann kommt ihm der Zufall zur Hilfe als er vor seinen Augen mitbekommt, wieviel Respekt einem doch in der richtigen Kleidung entgegen gebracht wird. Folglich ergaunert sich Frank eine Pan-Am-Uniform, fälscht Ausweise und eignet sich clever ein nötiges Grundwissen an - und schon ist er Co-Pilot der größten Airline Amerikas. Und das obwohl er noch nicht einmal die High School beendet hat. Mit gefälschten Gehaltsschecks („Pan Am: The most trusted name in the skies“) reist er in Luxus durch die Welt.

Mit 17 Jahren hat sich Frank die stattliche Summe von 1,3 Millionen Dollar ergaunert. Das ruft das FBI auf den Plan. Der humorlose Agent Hanratty (Tom Hanks) heftet sich verbissen an die Fersen des jungen Meisterbetrügers. Als Frank den FBI-Mann, der ihn in Los Angeles stellt, mit einer raffinierten, aber gewagten Finte reinlegt, wird das Verhältnis von Jäger und Gejagten persönlich. Die Tarnung als Pilot wird dem Hochstapler zu heiß, später gibt er sich erfolgreich als Arzt und Rechtsanwalt aus, aber Hanrattys Schlinge zieht sich immer fester zu, treibt den charmanten Betrüger in die Enge...

Lose basierend auf den Memoiren des Trickbetrügers Frank Abagnale, der es in den Sixties als jüngster Verbrecher auf die berüchtigte „most wanted“-Liste des FBI schaffte, übernahm Meister-Regisseur Steven Spielberg, der kurz nach dem düsteren Sci-Fi-Thriller "Minority Report" eigentlich pausieren wollte, notgedrungen die Zügel für dieses Star-Vehikel. Der vorgesehene Gore Verbinski ("The Ring", The Mexican“) stieg kurzfristig aus, eine Verpflichtung der heiß gehandelten Lasse Hallström („Gottes Werk und Teufels Beitrag“), Milos Forman („Larry Flynt“) und Cameron Crowe ("Vanilla Sky") zerschlug sich. Deshalb fand sich Spielberg plötzlich selbst auf dem Regiestuhl wieder, obwohl er eigentlich nur als Produzent auftreten wollte. Leonardo DiCaprio blieb weiter erste Wahl, Co-Star James Gandolfini („The Mexican“) wurde wegen Terminproblemen mit seiner Serie „The Sopranos“ von Spielberg-Spezie Tom Hanks ("Road To Perdition") ersetzt. Das ganze Durcheinander hat „Catch Me If You Can“ aber in keiner Weise geschadet. Nach der betont schweren Kost der vergangenen Jahre ("A.I. - Künstliche Intelligenz", „Der Soldat James Ryan“) tobt sich Spielberg mit spürbarem Vergnügen an verdaubarer Ware aus. Er inszeniert das federleichte, aber dennoch dramatische Kriminalstück mit solch sicherer Hand, dass die stattlichen 140 Minuten zu den kurzweiligsten der letzten Zeit werden.

Leonardo DiCaprio, der als Bandenführer in "Gangs Of New York" schwer mit der Präsenz von Daniel Day-Lewis zu kämpfen hat, ist in „Catch Me If You Can“ die Idealbesetzung. Er verkörpert exakt die Mischung aus Frechheit, Cleverness und Charme, die von der Rolle des dreisten Hochstaplers verlangt wird. Obwohl Frank Abagnale offensichtlich ein Krimineller ist, zieht DiCaprio die Zuschauer mühelos auf seine Seite und wird zum uneingeschränkten Sympathieträger. Einen kongenialen Gegenpart findet der „Titanic“-Star in Hollywoods einziger Hitkonstante. Tom Hanks, der mit „Catch Me If You Can“ seinen 13. Film über die 100-Millionen-Dollar-Einspiel-Schallmauer hievte, reicht eine souveräne Vorstellung, um seine Aufgabe zu erfüllen. Das Katz- und Mausspiel, das sich zwischen den beiden Hauptfiguren entwickelt, ist intelligent, äußerst kurzweilig und clever. Paradox, aber berührend, dass ausgerechnet Hanks’ Figur des FBI-Agenten Hanratty am meisten Sympathie für den ewig gejagten Einzelgänger DiCaprio/Abagnale empfindet. Neben den Protagonisten sind auch die weiteren Rollen exzellent besetzt. Vor allem Christopher Walken überzeugt als stolzer Loser, der lieber auf Ehrlichkeit baut, auch, wenn es ihn finanziell ruiniert.

Spielbergs Brillanz beweist sich einmal mehr beim strukturellen Aufbau der Geschichte. Er verpasst dem Film spielend, schier locker leicht, eine ausgefeilte Dramaturgie, die Szenen aus der Gegenwart mit Rückblenden aus verschiedenen Zeitebenen kombiniert und gleichzeitig die Handlung vorantreibt. Gegen Ende hin wendet er seine nur scheinbar eindeutige Ausgangssituation geschickt und mischt die Karten völlig neu.

"Catch Me If You Can" ist großes Hollywood-Starkino reinster Prägung. Durch das homogene Zusammenwirken der versammelten Starpower tritt genau das ein, was viele vorher bereits befürchtet hatten. Während Scorseses schwermütiges 100-Millionen-Dollar-Epos "Gangs Of New York" an der Kinokasse hinter den Erwartungen zurück bleibt, ist der hochgradig unterhaltende, aber im Grunde anspruchsfreie "Catch Me If YOu Can" für DiCaprio der Blockbuster geworden, der "Gangs Of New York" sein sollte. Das ist aber auch egal. Denn mit diesem Film hat der 28-Jährige seinen Superstar-Status dank einer superben Leistung untermauert - am Ende wird der Film in den USA um die 165 Millionen Dollar einspielen. Das wissen auch die ganz Großen in Hollywood. DiCaprios nächste Projekte sprechen für sich: „Alexander der Große“ (von Baz Luhrmann), „The Good Shepherd" (von Robert DeNiro) und „The Aviator“ (von Martin Scorsese).
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