Jason Bourne
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4 - Sehr gut
In Zeiten, in denen auf großspurige Aufmachung und erstklassige Schauwerte mehr Wert gelegt wird als auf eine gut strukturierte wie interessante Handlung, ist man froh, wenn man einen derart starken Thriller wie John Schlesingers Marathon-Mann zu sehen bekommt. Denn ungeachtet kleinerer Schwächen besticht der Film schlicht und ergreifend durch seine enorm düstere Athmosphäre.
Babe Levy, ein new-yorker Geschichtsstudent, sitzt gerade an seiner Doktorarbeit über die McCarty-''Kommunistenjäger''-Ära, als er durch seinen älteren Bruder Doc ungeahnt in verschiedene Ereignisse verstrickt wird, die sich alle um den mysteriösen KZ-Art ''der weiße Engel'' drehen, der andscheinend aus seinem Versteck hervor getreten ist und nun seine dunklen Machenschaften mit allen Mitteln zu vertruschen sucht...
Die mehr oder weniger dem Zufall geschuldete inhaltliche Verknüpfung von Doc auf Babe – dass dieser nämlich lediglich in die Geschehnisse hineingezogen wird, ist zwar nicht gerade ein origineller Schachzug des Drehbuch. Aber dank Dustin Hoffmans sympathischer Darstellung, des körperlich wie geistig trainierten Studenten, dem der Tod seines Vaters zu schaffen macht, bügelt diese Falte im Hemd des Plots wieder aus. Denn Hoffman, der seit ''Die Reifeprüfung'' mit seinen authentischen, vielschichtigen Darstellungen zurecht die volle Aufmerksamkeit der Kritiker genießt, spielt hier ein ums andere mal grandios. Obwohl er nicht direkt an der Gescihchte beteiligt ist, entwickelt er eine beeindruckende Energie, um den kriminellen Geschehnissen auf die Spur zu kommen, sein eigenes Leben zu retten und den Tod seines Bruders zu rächen. Er wandelt sich damit vom introvertierten, unsicheren Mann hin zum selbstbewussten und aktiven Gegenspieler für seine Gegener. Eine Wandlung, die zwar nicht den gesamten Charakter ändert, die aber durch ihre geringe Ausprägung und der damit einhergehenden Glaubwürdigkeit zu gefallen weiß.
Allerdings ist Schlesingers Film bei weitem kein Charakterfilm. Er ist in aller erster Linie ein waschechter Thriller, der zu Beginn durch seine hintergründige Suspense begeistert – die Nazis haben unseren Studenten schon lange im Visier während dieser noch seinem geregelten Tagesablauf vorgeht – und dann im Mittelteil mit packender Action fesselt. Nicht nur Babes Gefangennahme durch die Nazis, der er sich unter Einsatz all seiner Kraft nicht erwehren kann, sondern auch dessen Folter bleiben als albtraumhafte Szenen in Erinnerung. Die völlige Auslieferung des Protagonisten, die beinahe – aber eben nur beinahe – an Gewissheit grenzt, packt den Zuschauer unweigerlich, da ihm zugleich die unendliche Bosheit des krankhaft sadistischen Nazis Szell vor Augen geführt wird, wozu insbesondere die brutale Folterszene äußerst effektvoll beiträgt. Viel mehr begeistert allerdings die Fluchtsequenz, bei dem es Babe mit seiner hervorragenden Kondition gelingt, seinen Verfolgern knapp zu entkommen. Eine Szene, in welcher die von Conrad Hall ausgezeichnet eingefangene urbane Hölle, das Moloch New York, die verstörende Musik sowie die nervenzerrend spannende Anlegung zusammenwirken und auf diese Weise ein Gefühl der Hilflosikgeit und Hoffnungslosigkeit erzeugen. Stark!
Wie bereits eben erwähnt, gefällt der Film durch seine düstere Athmosphäre, die neben den oft prekären Lagen für die Hauptcharaktere vor allen Dingen aus der enorm stimmungsvollen Inszenierung resultiert. Man erinnere sich nur an die starken Linien bei dem skurill erleuchteten Wasserfall, die antik anmutenden Säulen beim Opernhaus oder die karge Landschaft des Landhauses. Motive, die in ihrer Summe der Eindrücke und Farben sehr bedrückend auf den Zuschauer wirken.
Perfektioniert wird der Film durch die teuflische Darstellung von Laurence Olivier, der seinen Charakter zwischen Sadismus, Obsession, altersbedingter Gebrechlichkeit und psychologischem Scharfsinn anlegt und sich damit zur erinnerungswürdigsten Figur des Films erhebt.
FAZIT: ''Der Marathon-Mann'' ist einfach das, was ein guter Thriller sein muss: richtig spannend. Und damit wäre alles geklärt. Starke Darsteller, eine gute (wenn auch verwirrende und nicht immer schlüssige) Geschichte und eine in der Tat hervorragende Inszenierung schaffen hier einen starken Film. Empfehlenswert.
Hinzugefügt am 19.12.2010 um 10:16 Uhr
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