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    The Game - Das Geschenk seines Lebens
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,5
    hervorragend
    The Game - Das Geschenk seines Lebens
    Von Stefan Ludwig

    Nach dem Sensationserfolg „Sieben" waren die Erwartungen an den nächsten Film von David Fincher sehr hoch gesteckt. Wenn schon nicht ein Übertreffen, dann doch wenigstens gleichbleibende Qualität ist in so einem Fall meist der Wunsch. In dem Thriller „The Game“ dreht sich alles um ein mysteriöses Spiel, bei dem niemand so recht weiß oder sagen will, worum es eigentlich geht. Genau wie „Sieben" ist dieses packende Psychospiel hochspannend anzusehen und bis zur letzten Minute muss der Zuschauer um die Hauptfigur und dessen Schicksal bannen. Die nahezu einmalige Qualität von „Sieben" wurde dabei leider nicht völlig erreicht, dennoch ist Fincher ein weiterer hervorragender Film geglückt – dank einer grandiosen Performance von Michael Douglas, einem gut funktionierenden Soundtrack und erneut einer genialen Drehbuchidee.

    Nicolas Van Orten (Michael Douglas) ist ein steinreicher Investement-Banker, der offenbar sämtliche positiven Charakterzüge abgelegt hat und für die Gefühle seiner Mitmenschen nur wenig über hat. Zu seinem 48. Geburtstag erhält er von seinem Bruder Conrad (Sean Penn) ein merkwürdiges Geschenk: Es handelt sich um ein Spiel der ominösen Firma „Consumer Recreation Service“ (kurz CRS). Der Kunde selbst ist in diesem Spiel die Hauptperson, nicht man selbst fährt in die Ferien, die Ferien kommen zu einem, so einer der CRS-Mitarbeiter. Zahlreiche Tests lässt Nicolas über sich ergehen, obwohl er nicht weiß, was es mit diesem „Spiel“ überhaupt auf sich hat – doch die Neugier hat ihn gepackt. Am darauf folgenden Tag bekommt er einen Anruf, sein Antrag an CRS sei abgelehnt worden, doch schnell wird klar, dass das Spiel bereits begonnen hat...

    Die Geschichte wird zunehmend immer verwirrender, der Zuschauer ist ständig auf der Suche, was das Spiel ist oder ob es sich überhaupt um ein Spiel handelt. Die merkwürdigsten Dinge geschehen plötzlich im Leben von Nicholas, der schließlich um sein Leben rennen muss. Immer weniger Menschen kann er vertrauen, alles spitzt sich mehr und mehr zu. Das Ende kommt letztlich absolut überraschend und wird einige abschrecken, die sich vielleicht mehr Konsequenz gewünscht hätten. Auch wenn es einige Logikfragen gibt, so ist der Vorwurf, die Lösung sein unglaubwürdig, nur zum Teil berechtigt. Sie mag vielleicht unrealistisch sein, aber ganz und gar nicht unmöglich. Vielmehr ist es letztlich wohl das beste Ende, dass diesem Film passieren konnte. Die andere Möglichkeit wäre nämlich eigentlich die langweiligere – mehr soll aber noch nicht verraten werden.

    Die Leistung von Fincher in Sachen Regiearbeit ist nicht nur ohne Mängel, sondern erneut auf hohem Niveau. Wie auch bei „Sieben“ zeigt sich Howard Shore („Herr der Ringe“-Trilogie) für den Soundtrack verantwortlich, der den Film wie von ihm gewohnt mehr als nur begleitet. Das Drehbuch gönnt dem Zuschauer kaum eine Verschnaufpause, sondern wartet mit zahlreichen Storyabzweigungen und beeindruckenden Überraschungen auf. So gelingt es, die Spannung den gesamten Film über aufrecht zu erhalten. Der Kritikpunkt, beim zweiten Mal anschauen würde der Film bedeutend weniger gefallen, ist zum einen eine Folge des Genres bzw. der Grundidee der Story und zum anderen nur bedingt gültig: Nur wer keine Freude dabei hat, beim erneuten Ansehen etwa neue Details zu entdecken und sich die Qualität der Regiearbeit genauer vor Augen zu führen, dem wird wohlmöglich langweilig werden.

    Michael Douglas („Eine Nacht bei McCool’s", „Traffic") brilliert in seiner schon fast Standard-Rolle des unsympathischen Mannes, der nur für seine Geschäfte zu leben scheint. Es gelingt ihm, die anfängliche Gleichgültigkeit gegenüber dem „Spiel“ in rapide ansteigende Panik umzuwandeln, die allerdings immer mal wieder ironisch gebrochen wird - so muss er selbst manchmal über die Einfälle von CRS schmunzeln. Sean Penn („Mystic River", „21 Gramm") als sein Bruder in einer Nebenrolle zeigt ebenfalls, welch enormes Talent er besitzt. In seinen wenigen Szenen bietet er höchste Schauspielkunst und füllt seine Rolle damit mehr als aus. Dabei ist es nur dem Zufall zu verdanken, dass Oscarpreisträger Penn überhaupt an „The Game“ mitwirkt. Eigentlich war Jodie Foster für eine weibliche Version der Rolle vorgesehen, musste aber kurzfristig absagen. Deborah Unger („Payback“) darf als mögliche Vertrauensperson an der Seite von Douglas genauso eine gute Figur abgeben, der Zuschauer weiß auch bei ihr lange nicht genau, ob ihr zu trauen ist oder nicht.

    Im Kino war „The Game“ zwar erfolgreicher als Finchers Kultfilm „Fight Club", konnte allerdings in den USA und Deutschland nur rund die Hälfte der Besucherzahlen von „Sieben“ erreichen. Dennoch ist er mittlerweile als Klassiker anzusehen, denn mit seinen sehenswerten Darstellerleistungen, seinem schönen Soundtrack, dem interessanten und spannenden Aufbau der Story und einer Fincher-typischen Regieleistung sind bei ihm alle Zugaben auf hohem Niveau vorhanden. An die Klasse von „Sieben" (1995) kann er zwar nicht vollends heranreichen und die Erwartungen an gleichbleibende Qualität wurden im Jahre 1997 auch nicht erfüllt, dennoch ist „The Game“ in seinem Genre ein maßgebendes Werk, wenn auch kein unübertreffbares. Wer diesen Film noch nicht gesehen hat, sollte sich in jedem Fall schleunigst zur Videothek aufmachen. Denn gerade beim ersten Mal ansehen macht er ernorm viel Spaß und ist dabei derart packend, dass selbst das Drücken der Pause-Taste für den Toilettengang einigen schwerfallen wird.

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