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    Der Teufelshauptmann
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Der Teufelshauptmann
    Von Björn Becher
    „Der Teufelshauptmann“ von John Ford ist nicht nur eine von zahlreichen Arbeiten des großen Regisseurs mit seinem Lieblingsdarsteller John Wayne, sondern auch der Teil seiner Kavallerie-Trilogie (neben „Bis zum letzten Mann“ und „Rio Grande“). Weniger durch seinen Plot überzeugend, besticht Fords Film mit seiner melancholischen Stimmung, dem exzellenten Schauspiel von John Wayne und vor allem der atemberaubenden Fotografie mit den wahrscheinlich besten Bildern in Technicolor, die bis dato ein Western produziert hatte.

    Die Geschichte ist im Jahr 1876 angesiedelt. General Cluster ist gerade gefallen, die Lage im Westen spitzt sich zu, gibt es doch unverkennbare Anzeichen für einen großen Indianeraufstand. Der alte Haudegen Captain Nathan Cutting Brittles (John Wayne) müsste sich darum eigentlich nicht mehr so viele Sorgen machen. Er steht nur noch wenige Tage vor der Pension, was ihn mit Trauer erfüllt. Denn die Kavallerie war, vor allem nach dem Tod seiner Familie, sein ganzes Leben. Eine letzte Patrouille soll er noch anführen, seine Abschiedsvorstellung. Doch die beginnt mit einem Ärgernis. Er muss zwei Frauen mitnehmen: Abby Allshard (Mildred Natwick), die Frau seines Vorgesetzten (George O´Brien), und dessen Nichte Olivia (Joanne Dru). Sie sollen von der Patrouille bis zu einer Postkutsche eskortiert werden, die sie raus aus der unruhigen Gegend bringt. Doch Frauen in der Armee bringen Ärger und in diesem Fall kommt der in Form eines gelben Bandes daher. Ein solches hat Olivia im Haar und dies ist ein Zeichen für einen Liebhaber in der Kavallerie. Problematisch ist dabei, dass gleich zwei Soldaten, Lt. Flint Cohill (John Agar) und 2nd Lt. Ross Penell (Harry Carey Jr.), davon ausgehen, dass sie mit dem gelben Band gemeint sind und Olivia beide nur zu gerne in diesem Glauben lässt.

    Diese immerhin im Original („She Wore A Yellow Ribbon“) titelgebende Dreiecksgeschichte ist der große Schwachpunkt von Fords Western. Sie ist immer nur phasenweise bestimmend, dabei aber viel zu selten richtig interessant. Das liegt zum einen daran, dass sie halt auch für lange Sequenzen gar keine Rolle mehr spielt, nur um dann im unpassendsten Moment wieder aus dem Hut gezaubert zu werden, zum Anderen, dass der Ausgang des Entschlusses für einen Mann, den Olivia erst am Ende fällt, eigentlich recht klar ist. Denn beide Verehrer werden sehr unterschiedlich charakterisiert, was dem Konflikt natürlich Zündstoff gibt und in gewissem Maße auch eine gute Entscheidung war. Leider geht dieser Unterschied über verschiedene Herkunft und weitere geplante Karriere hinaus und nur einer von beiden wird als besonders tapfer und sympathisch dargestellt. Wen wird sie da wohl nehmen? So ist dieser Storystrang fast überflüssig, auch wenn man eins nicht unerwähnt lassen sollte. Joanne Dru ist in ihrer Rolle natürlich ein absoluter Gewinn für den Film und einige humoristische Einlagen bringt das Szenario ebenfalls mit sich.

    So verwundert es nicht, dass ein anderer Storystrang im Mittelpunkt steht, nämlich der mit dem Hauptdarsteller. Ford nutzt „Der Teufelshauptmann“ für einen melancholischen Abgesang auf die gute alte Zeit. Das nahende Ende der Karriere des Protagonisten tritt mit dem Ende des Wilden Westens ein. Die Büffelherden sind fast völlig verschwunden, die Indianer raffen sich zwar gerade noch einmal auf, doch es ist (fast) das letzte Mal, dann sind auch sie verschwunden. Und auf beiden Seiten der Fronten müssen die alten Männer abtreten und jungen, zu stürmischen Nachfolgern Platz machen. Der Westen ist nicht mehr das, was er mal war, aber eins ist ihm geblieben: Seine wunderschöne Landschaft. Der Kameramann Winton C. Hoch sorgt dafür, dass diese der eigentliche Hauptdarsteller ist. In Western spielen Panoramaaufnahmen der Landschaft oft eine besonders wichtige Rolle, doch trotzdem sind sie selten so prägend wie hier. Hoch nahm sich Ölgemälde des Künstlers Frederick Remington zum Vorbild, so dass in seinen Bildern die Farbe rot dominiert, welche sich durch die Landschaft zieht. Dazu kommt Fords Liebe für die Horizontale und so kann man theoretisch an diversen Stellen des Films die Pausetaste drücken und bekommt ein wundervolles Wildwestgemälde.

    Daneben gibt es natürlich noch die legendäre Geschichte über die Meinungsverschiedenheit zwischen Hoch und Ford bezüglich des Drehens einer Szene bei tobendem Gewitter. Ford wollte diese Gewitterszene unbedingt im Film haben, Hoch wies auf mangelhafte Lichtverhältnisse hin und prophezeite seinem Regisseur, man werde nichts auf dem Film sehen. Ford setzte sich durch, Hoch drehte eine der eindrucksvollsten Szenen, kurze Zeit später bekam er dafür seinen zweiten von insgesamt drei Oscars.

    Hauptdarsteller ist natürlich trotzdem nicht die Landschaft, sondern John Wayne. Der „Duke“, wie ihn seine Freude nur nannten, war hier zwar erst Anfang 40, spielt aber trotzdem im höchstem Maße überzeugend einen Pensionär. Die Haare grau gefärbt, einen Schnurrbart wachsen lassen und etwas Schminke ins Gesicht, dazu das glaubwürdige Schauspiel mit etwas undynamischeren Bewegungen als sonst und man nimmt Wayne die Rolle ohne Probleme ab. Das zeichnet auch einen großen Darsteller aus.

    „Der Teufelshauptmann“ ist daher trotz des eher mauen, sekundären Plot ein sehenswerter Western. Man kann sich in seinen Bildern verlieren und gepaart mit dem herben Humor, für den vor allem Victor McLaglan, John-Wayne-Sidekick in einer Handvoll von Ford-Filmen, zuständig ist, bekommt man gute Unterhaltung geboten.
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