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L.A. Story
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,5
hervorragend
L.A. Story
Von René Malgo
Steve Martin = Klamauk = u. a. Im Dutzend billiger = Blödsinn. So einfach ist diese Gleichung aber nicht. Denn Steve Martin ist - wie so viele Komiker auch - genial, im wahrsten Sinne des Wortes und übt sich dann und wann als Philosoph. Mit seinem Drehbuch zu „L.A. Story“ belegt er, dass er nicht nur das Metier des Klamauks wie kaum ein anderer beherrscht. Denn in seiner zynischen Betrachtung von L.A. kommen satirischer und hintersinniger Wortwitz nicht zu kurz … und ein paar andere, äußerst überraschende Details. Auf Grund so mancher Schundkomödie, für die er sich nie zu schade ist, übersieht das Publikum gelegentlich gut und gerne, wozu der begnadete Komiker alles fähig ist. „L.A. Story“ ist ein beeindruckender Beweis seiner Fähigkeiten.

Der „abgefahrene“ Wetterprophet, sich selbst gerne Meteorologe nennend, Harris K. Telemacher (Steve Martin) durchlebt gerade eine Midlife Crisis. Die Beziehung mit seiner Freundin macht nicht unbedingt glücklich, sein Beruf gibt ihm dieses Gefühl auch nicht. Da taucht während eines Mittagsessens in einem Restaurant die Engländerin Sara McDowel (Victoria Tennant) auf. Es ist für ihn Liebe auf den ersten Blick. Danach soll sich sein Leben ändern. Während einer Autobahnfahrt gibt sein Wagen den Geist auf und hält vor einer Anzeigetafel. Und diese fängt plötzlich mittels ihrer Leuchtbuchstaben an, mit ihm zu sprechen. „L.A. will dir helfen“, sagt es. Nach einer kryptischen Begegnung beginnt sich Telemachers Leben grundlegend zu ändern…

Wer so viele geniale Ideen in einer Story verpackt, verzeiht gerne, dass die Geschichte nicht zu sehr in die Tiefe geht, erstaunlich viel Edelkitsch geboten wird und eine zappelige Sarah Jessica Parker in einer gewöhnungsbedürftigen Rolle dem nicht sehr leidensfähigen Betrachter schön auf den Geist gehen kann. Eine sprechende Anzeigetafel an der Autobahn ist nur der Anfang, oder auch lediglich die Spitze dieses gewitzten Eisberges. „L.A. Story“ erinnert an die New Yorker Geschichten des großen Meisters und Stadtneurotikers Woody Allen, heißt es. Zynisch rechnet Steve Martin mit dem Lebensgefühl von L.A. ab und verbeugt sich zugleich in einer huldigenden Hommage vor ihr. Erstaunlich, bemerkenswert, es passt. Das eine schließt das andere nicht aus. „L.A. Story“ ist Hymne und Satire zugleich. Eine einmalige Geschichte über Los Angeles, wie sie fast nicht besser erfunden werden könnte.

Der Humor wandelt zwischen dem Steve Martin eigenen albernen Klamauk und scharfsinnigem Wortwitz. Mit bissigen Kommentaren begleitet er aus dem Off das Geschehen. Gekonnt wird die Waage zwischen so genannter erwachsener Komik und brachialem Unsinn gehalten - der Film schießt nie über sein Ziel hinweg. Darüber hinaus entpuppt sich die Geschichte aber als überraschend romantisches Märchen, in dem die Gefühle ganz groß geschrieben werden. Bezaubernd und anrührend wird die Love Story zwischen Harris und Sara in Szene gesetzt. Regisseur Mick Jackson zeigt ausgesprochen schöne Bilder von L.A., die ästhetische Kameraführung von Altmeister Andrew Dunn (Gosford Park, „The Bodyguard“) tut ihr übriges dazu. Der Soundtrack des Peter Rodgers Melnick, begleitet von der anmutigen Stimme Enyas, macht das märchenhafte Ambiente perfekt.

Perfekt ist auch Steve Martins Schauspiel. Er beherrscht die Leinwand und bietet nicht nur eine sehr komische, sondern auch eine besonders bewegende Performance. Dagegen verblassen die anderen Darsteller ein wenig, auch wenn keiner wirklich Schlechtes leistet. Die Chemie zwischen ihm und seiner damaligen Frau Victoria Tennant stimmt auf jeden Fall. Nebst dem festen Stamm an Nebendarstellern, unter ihnen die etwas nervige Sarah Jessica Parker und der bemühte Richard E. Grant bietet „L.A. Story“ eine beachtliche Reihe an Gaststarauftritten. Mit Rick Moranis, Woody Harrelson oder Kevin Pollak sind das auch Darsteller, die sich im Komödienfach zuhause fühlen.

„L.A. Story“ vermag es zu begeistern und ist ein waschechtes Feel-Good-Movie. Keine wirklich tiefgründige, aber eine sehr treffliche Satire auf L.A. und ein wunderschönes Märchen. Erwähnenswert sind auch die Querverweise zu Shakespeare und so manche philosophische Weisheit. Dabei nimmt sich das Werk aber nie zu wichtig, droht also nicht zwischen allen Stühlen zu fallen oder am Massengeschmack bzw. Nischengeschmack vorbei zu brettern. In allem hält der Film auffallend gut die Balance. Sehenswert.
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