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    James Bond 007 - Der Mann mit dem goldenen Colt
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    James Bond 007 - Der Mann mit dem goldenen Colt
    Von Lars-Christian Daniels
    Er tötet, ohne mit der Wimper zu zucken, und besitzt eine Schwäche für ausgefallene Waffen. Er ist ein Meister seines Fachs und schießt nie daneben. Guten Wein und teuren Champagner erkennt er mit verbundenen Augen. Und er hat eine Vorliebe für rassige Schönheiten – am liebsten spärlich bekleidet. Sein Name: Scaramanga! Francisco Scaramanga! In seinem neunten Leinwandabenteuer hat James Bond endlich einen Gegenspieler gefunden, mit dem ihn mehr verbindet als nur das Betthäschen, das er ihm früher oder später ausspannen darf. Dass „Der Mann mit dem goldenen Colt", der vierte 007-Film unter der Regie von Guy Hamilton, trotz dieser vielversprechenden Ausgangslage zu den schwächeren der Reihe zählt, liegt in erster Linie am unzureichend ausgearbeiteten Drehbuch von Richard Maibaum und Tom Mankiewicz, die mit einer reizlosen Rahmenhandlung um einen wertvollen Solex-Generator das viel interessantere Katz-und-Maus-Spiel der beiden professionellen Killer immer wieder unnötig ausbremsen.

    Als dem britischen Geheimdienst eine goldene Pistolenkugel mit einer eingravierten „007" in die Hände fällt, schwant M (Bernard Lee) Böses: Der ebenso reiche wie skrupellose Auftragsmörder Francisco Scaramanga (Christopher Lee), besser bekannt als „Der Mann mit dem goldenen Colt", hat es offenbar auf James Bond (Roger Moore) abgesehen. 007 wird kurzerhand von seinem aktuellen Auftrag abgezogen und nach Macao und Hongkong geschickt, um den Schurken aufzuspüren. Vor Ort wird der Doppel-Null-Agent Zeuge, wie Scaramanga einen Wissenschaftler erschießt und dadurch in Besitz des Solex gelangt, mit dem aus Solarenergie Strom erzeugt werden kann. Bond, der in Ostasien Unterstützung von seiner attraktiven Kollegin Mary Goodnight (Britt Ekland) erhält, heftet sich an die Fersen des Killers und macht schnell Bekanntschaft mit dessen Geliebter Andrea Anders (Maud Adams) und dem kleinwüchsigen Gehilfen Schnick-Schnack (Herve Villechaize). Scaramangas Spur führt 007 zu dem asiatischen Verbrecherboss Hai Fat (Richard Loo), der in Bangkok ein schwer bewachtes Domizil bewohnt...

    Eines war bereits im Vorfeld der Dreharbeiten klar: „Der Mann mit dem goldenen Colt", der mit Ian Flemings Roman kaum mehr als den Titel und die Charaktere gemeinsam hat, würde der letzte gemeinsame 007-Film des kongenialen Produzentenduos Albert R. Broccoli und Harry Saltzman sein. Zu weit klafften die Vorstellungen in Bezug auf die Gestaltung der Bond-Filme mittlerweile auseinander, so dass die beiden US-Amerikaner zum Zeitpunkt des Drehs kein Wort mehr miteinander sprachen. Geschadet hat dies der erfolgreichen Grundrezeptur freilich wenig, denn das zweite Bond-Abenteuer mit Moore in der Hauptrolle bietet den gewohnt prickelnden 007-Cocktail: trickreiche Action, anzügliche Oneliner, exotische Traumstrände und einen charismatischen Edelschurken, der Christopher Lee die Gelegenheit bot, sich endlich von seinem „Dracula"-Image zu emanzipieren. Francisco Scaramanga wird durch seine dritte Brustwarze ebenso auffällig gebrandmarkt wie Emilio Largo durch seine Augenklappe in „Feuerball" oder Le Chiffre durch seine blutigen Tränen in „Casino Royale". Doch er teilt nicht nur seine physische Anomalität mit zahlreichen anderen Bond-Bösewichtern, auch Scaramanga lebt in seinem eigenen Paradies und gönnt sich ein luxuriöses Einsiedlerleben.

    „Ah, exzellent. Erinnert entfernt an den ‘34er Mouton." – James Bond „Dann fehlt der noch in meinem Keller." – Francisco Scaramanga

    Mit dem extravaganten Weinkenner trifft Bond aber nicht nur auf einen Kontrahenten, der seine teuren Leidenschaften teilt, sondern vor allem auf einen fast ebenbürtigen Gegenspieler und Gentleman, dessen tägliches Geschäft dem des Geheimagenten ihrer Majestät gar nicht unähnlich ist. Beide erhalten von ihren Auftraggebern den Befehl zu töten und unterscheiden sich dabei nur in der Art, wie sie es tun und warum sie es tun. Eine verlockende Grundkonstellation, die geradezu prädestiniert dafür scheint, den Kampf zweier Profikiller auf Augenhöhe zu inszenieren und im finalen Mann-gegen-Mann-Duell gipfeln zu lassen. So ist bereits die Eröffnungssequenz im Gruselkabinett ein Vorgriff auf den späteren Showdown – jedoch mit der Folge, dass der Zuschauer zum Auftakt auf das gewohnte Actionfeuerwerk verzichten muss. Auch die Titelsequenz von Maurice Binder wirkt ungewöhnlich farblos, fast bieder. Weil die obligatorische Stippvisite bei Q (Desmond Llewelyn) natürlich ebenso wenig fehlen darf wie der Flirt mit Moneypenny (Lois Maxwell) und der Besuch im Casino, schleppt sich „Der Mann mit dem goldenen Colt" relativ spannungsarm durch die erste Filmhälfte und nimmt erst bei der spaßigen Prügelei in Hai Fats Karateschule an Fahrt auf. Dass 007 dabei von zwei weiblichen Teenagern überraschend schlagkräftige Unterstützung erhält, darf als augenzwinkernde Referenz an die chinesische Kung-Fu-Welle der 70er Jahre verstanden werden. Roger Moore bietet dies ausgiebig Gelegenheit, seine selbstironische Interpretation des Doppel-Null-Agenten auf die Leinwand zu bringen, wenngleich das Spiel des Briten ein wenig reservierter ausfällt als bei seinem Debüt.

    Dass „Der Mann mit dem goldenen Colt" nie mit den besten Filmen der Reihe mithalten kann, ist abgesehen von der müden Jagd nach dem Solex auch den Nebenfiguren geschuldet, die für 007-Verhältnisse ziemlich harmlos ausfallen. Scaramangas Lakaie Schnick-Schnack wirkt nicht ansatzweise so furchteinflößend wie seine berühmten Vorgänger – man denke an Oddjob („Goldfinger") oder Baron Samedi („Leben und sterben lassen") – und verkommt spätestens im Schlussakkord endgültig zur Witzfigur. Das ebenso bildhübsche wie tollpatschige Bond-Girl Mary Goodnight ist buchstäblich zum Einschlafen, Unterweltboss Hai Fat bleibt weitestgehend profillos. Für köstliche Szenen sorgt hingegen der zweite Auftritt von Sheriff J.W. Pepper (Clifton James), der dank seiner sympathischen Rolle in „Leben und Sterben lassen" ein weiteres Mal mitmischen darf und James Bonds legendären Schraubensprung über den Fluss auf dem Beifahrersitz eines roten Sportflitzers miterlebt. Das ändert aber wenig daran, dass „Der Mann mit dem goldenen Colt" beim Blick auf die Gesamtreihe eher als Atempause vor dem überragenden Nachfolger „Der Spion, der mich liebte" nachwirkt und dem Zuschauer außer einem charismatischen Bösewicht und der berühmten Miniaturwaffe wenig in Erinnerung bleibt.
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