0 follower |
Seine 1 Kritik ansehen
|
4 - Sehr gut
Der verstorbene britische Journalist Joe Strombel möchte aus dem Jenseits den attraktiven Aristokraten Peter Lyman des Mordes überführen.
Die junge Studentin Sondra Pransky soll ihm auf Erden als Instrument dazu dienen.
Gemeinsam mit dem Magier Sid begibt sich Sondra auf eine turbulente Jagd und schafft es zudem, sich Hals über Kopf in ihren charmanten Hauptverdächtigen zu verlieben.
Woody Allens 37. Film ist eine Zeitgeist Komödie und nach dem meisterhaften "Match Point" sein zweiter Film, der in London spielt und gedreht wurde.
Eins vorab: Gemessen an der brillanten Qualität von "Match Point" und Allens großen Komödien aus den 70er Jahren, ist "Scoop" zweifellos das trivialste und albernste Werk des Regisseurs.
Woody Allen selbst sagte, daß er einfach nur eine Möglichkeit gesucht hatte, gemeinsam mit seiner neuen Muse Scarlett Johansson vor der Kamera auftreten zu können.
Und genau das ist "Scoop" letztendlich auch. Ein auf Allen und Johansson zugeschnittener Spaß, in dem vor allem Scarlett Johansson keine allzu gute Figur macht.
Ihr Gespür für Komik ist anscheinend nicht ganz so ausgereift wie für das Drama. Bemüht und hektisch interpretiert sie ihren Charakter ohne die erforderliche Leichtigkeit. Ihr Bemühen witzig zu sein, ist bisweilen so verkrampft und unterkühlt, daß die einen Zuschauer sie vielleicht durchaus süß finden werden, andere Zuschauer wiederum einfach nur nervig.
Woody Allen selbst als Magier Sid ist tadellos wie eh und je. Schafft es aber leider nicht, seiner altbekannten Interpretation neue Nuancen abzugewinnen.
Das unbestrittene Highlight des Filmes ist schließlich ganz klar Hugh Jackman in der Rolle des vermeintlichen Frauenmörders. Souverän füllt er seine Rolle mit einer gehörigen Portion englischen Charmes aus, latenter Ironie und facettenreichem Minenspiel. Seine Akzentuierung ist dezent und elegant, seine Präsenz ausdrucksstark, würdevoll und allen voran wahnsinnig sexy. Ihm gelingt es mühelos, die übrige Besetzung zeitweise deutlich an die Wand zu spielen.
Und was macht "Scoop" dann noch zu einem sehenswerten Film?
Nun, daß Scarlett und Woody Freude an ihrem gemeinsamen Auftritt haben, ist jederzeit sichtbar und spürbar. Und genau das hat seinen ganz besonderen Charme.
Die Mixtur aus Krimi und Komödie mit Screwball Anleihen ist in ihrer einfachen Aufarbeitung leicht verdaulich, sehr temporeich und in naiver Art und Weise amüsant.
Lustig sind auch Woody Allens satirische Seitenhiebe auf die Londoner High Society. Viel köstliche Energie bezieht das Zusammentreffen der zurückhaltenden Aristokraten mit den unbeholfenen und direkten Amerikanern.
Und an Wortwitz mangelt es "Scoop" mit Sicherheit auch nicht.
Woody Allens Handschrift schlägt sich ferner in der ganz speziellen musikalischen Untermalung nieder. Und in der edlen Visualisierung durch Allens Kameramann Remi Adefarasin, der einen sicheren Blick beweist und London damit zu einem weiteren, ansehnlichen Darsteller des Filmes macht.
"Scoop" ist leichte Kost für einen trüben Herbst-Kino-Abend. Nicht sonderlich originell und intelligent, aber liebenswert, romantisch und auf jeden Fall absolut unterhaltsam.
Hinzugefügt am 20.11.2006 um 12:44 Uhr
Verstoß melden