Inside Man
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Kritik der FILMSTARTS.de-Redaktion Inside Man

3,5


Von Carsten Baumgardt

Spike Lee dreht einen konventionellen, mit Superstars besetzten Bankräuber-Thriller. Wer nun ungläubig den Kopf schüttelt, hat recht. Nein, Lee, einer der politischsten Filmemacher Amerikas, ist nicht milde geworden. Auch sein packendes Crime-Drama „Inside Man“ ist zwischen den Zeilen ein politisches Statement, auf das der Vorsteher des Black Cinema jedoch besser verzichtet hätte, weil es seinem Plot öfter mal im Wege steht.

Dalton Russell (Clive Owen) plant den perfekten Bankraub. Warum? „Weil ich es kann“, ist seine wenig bescheidene Antwort. Er stürmt mit seinem Team als Maler getarnt und vermummt eine New Yorker Bank und nimmt Dutzende von Geiseln, die anschließend ebenfalls in Overalls verpackt und verhüllt werden. So sind Täter und Opfer für die schnell anrückende Polizei draußen vor der Tür nicht zu unterscheiden. Das Kommando hat Detective Keith Frazier (Denzel Washington), der als Vermittler mit den Geiselnehmern verhandeln soll. Der Direktor der Bank (Christopher Plummer) ist in heller Aufruhr. Er fürchtet nicht um sein Geld, sondern hat vielmehr Angst, dass ein dunkles Geheimnis, das in einem der Bankschließfächer schlummert, aufgedeckt wird. Er heuert die undurchsichtige Madaline White (Jodie Foster) an, um direkt mit den Geiselnehmern an der Polizei vorbei zu verhandeln.

Spike Lee (25 Stunden, „Do The Right Thing“, „Malcolm X“) braucht dringend mal wieder einen Kinohit. Das ist kein Geheimnis. Und so ließ er sich für „Inside Man“ anheuern. Der Geisel-Thriller unterhält bestens, zeigt alles, was das Genre beliebt macht. Lees Hang (oder böse: Wahn), selbst einen Mainstreamfilm noch mit politischen Statements zu knebeln, bremst die unorthodoxe Dramaturgie des Films jedoch an einigen Stellen unnötig aus. Dabei hat „Inside Man“ einige faszinierende Plot-Wendungen zu bieten, die zwar nicht alle so intelligent sind, wie beabsichtigt, aber gutes Niveau und so manche Finesse garantieren.

Apropos Niveau. Da wäre zum Beispiel Clive Owen (Hautnah, Sin City). Nach seinen beiden schwachen Filmen Entgleist und Der rosarote Panther (Cameo) ist der charismatische Brite das unbestrittene Top-Argument, sich diesen Film anzusehen. Mit kalkulierter, aber unnachahmlicher Coolness gibt er seinen intelligenten Bankräuber-Fuchs, die alle an der Nase herumführt. Dazu legt ihm das Drehbuch-Debüt-Doppel Russell Gewirtz und Adam Erbacher einige äußerst kernige Oneliner in den Mund. Mit seiner Ausstrahlung nimmt Owen den Kampf um den Sympathieträger des Films auf, was sich als zusätzlicher Spannungspunkt im Storykonstrukt erweist. Mit wem fiebert der Zuschauer mit? Mit dem smarten Verbrecher oder dem nicht ganz sauberen Cop? Owen spielt am Rande der Karikatur, aber deshalb ist seine Leistung umso großartiger, weil er stets die Kurve zu launigem Eventschauspiel bekommt. Denn sein Gegenüber Denzel Washington (Training Day, Mann unter Feuer, Out Of Time) ist zwar der good guy, jedoch nicht frei von Makeln. Aber gerade in der Figur des Vermittlers Frazier liegt ein kleiner Schwachpunkt von „Inside Man“. Dieser Detective entwickelt sich zum richtigen Spaßvogel, der mit allen Beteiligten Witze reißt, als spreche er vor versteckter Kamera für eine Reality-Comedy-Show vor. Während dessen kämpfen in der Bank Dutzende von Menschen verzweifelt um ihr Leben. Das passt charakterlich nicht ganz und raubt dem Film ein wenig Intensität, auch wenn Frazier im entscheidenden Moment wieder zur Ernsthaftigkeit zurückfindet. Und so kann Ausnahmeschauspieler Denzel Washington in seiner vierten Zusammenarbeit mit Spike Lee nicht viel mehr machen, als seine Präsenz dagegen zu setzen.

Jodie Foster (Contact, Panic Room) wird zwar als undurchsichtige Person in das Szenario eingeführt, doch der Zuschauer durchschaut ihre Funktion sehr bald. Für die zweifache Oscarpreisträgerin gilt dasselbe wie für Washington: Sie macht das Beste aus ihrer limitierten Rolle. Der eiskalte Profi ist ihr jedenfalls locker abzunehmen. Der Rest der prominenten Nebendarsteller wie Willem Dafoe (Spider-Man, Leben und Sterben in L.A.), Christopher Plummer (Insider, The New World) oder Chiwetel Ejiofor (Melinda und Melinda, Vier Brüder) agiert im besten Sinne funktionell. Glanzlichter schrieben ihnen die Drehbuchautoren nicht auf den Leib.

Soviel zum nicht immer genutzten Potenzial. Aufregend ist „Inside Man“ aber trotzdem. Lee inszeniert sein Stück als traditionelles, Genre-typisches Katz- und Mausspiel, das ein gesundes Maß an Spannung aufbietet. Der Storytwist um Clive Owens Charakter im dritten Akt ist dazu noch exzellent geglückt, die Optik von Kameramann Matthew Libatique (Never Die Alone, Gothika, Pi) tadellos bestechend. Das Wechselspiel mit verschiedenen Zeiten - Zeugenaussagen der Befreiten werden in die laufende Geiselnahme geschnitten - erhöht die Spannung effektiv und stellt die finale Frage, wie die Beteiligten aus der Situation herauskommen. Der Nebenplot um den Bankdirektor ist dagegen zu durchschaubar – jedenfalls mit einem Spike Lee auf den Regiestuhl. Der linke Filmemacher stänkert hier recht unverhohlen gegen sein Hassobjekt Präsident George W. Bush, denn die dunkle Vergangenheit des Top-Bankers deckt sich mit der von Bushs Großvater Prescott Bush, der Anteilseigner und Vorstandsmitglied von Brown Brothers Harriman, einem der damals bedeutendsten privaten Bankhäuser Amerikas, war. Das Unternehmen profitierte von der lukrativen Zusammenarbeit mit den Nazis während des Zweiten Weltkriegs.

Auch mit weiteren politischen Gesinnungen hält Lee nicht hinter dem Berg. Immer wieder pflegt er seine Statements zum Thema Rassismus in die Handlung ein, was diese aber hemmt. In einem Hochspannungsreißer wirkt dieser Ballast ablenkend. Die kleinen Ungereimtheiten hindern „Inside Man“ daran, als Genrehighlight in die Geschichte einzugehen, auch wenn sonst alle Zutaten für einen Top-Thriller vorhanden sind. Der Film ist mehr Kammerspiel als Actioner, doch die dramatischen Trümpfe der Story werden nicht immer bis zum Letzten ausgereizt. Das machte F. Gary Gray in seinem nervenaufreibend-spannenden Geisel-Thriller Verhandlungssache noch besser. Am Ende des Tages bleibt trotzdem ein sehenswerter Mainstreamfilm, der weder enttäuscht, noch die ganz hohen Erwartungen komplett erfüllen kann.

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