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The Ladykillers
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
The Ladykillers
Von Melize Colucci
Lange ist es her, seitdem Tom Hanks in einer reinrassigen Komödie zu sehen war. Aber die Coen-Brüder haben es geschafft, den zweifachen Oscarpreisträger von einem Remake der schwarzen Komödie „Ladykillers“ aus dem Jahr 1955 zu überzeugen.

Von 1955 zur heutigen Zeit, von der grauen Kühle Englands zu den musikalischen Südstaaten der USA. So treffen wir auf Goldthwait Higginson Dorr (Tom Hanks), ein exzentrischer, selbsternannter vermeintlicher Professor. Und trotzdem ein Meister des Verbrechens. Dorr (Tom Hanks) nähert sich der älteren Lady Munson (Irma P. Hall) an und zieht in ein freies Zimmer als Untermieter bei ihr ein. Was er wirklich möchte, ist Geld, und mit vier weiteren Experten plant er den Raub des Jahrhunderts: Ein Tunnel soll von Mrs. Munsons Keller bis zum Tresorraum des New Orleans Riverboat Casinos führen. Damit die alte Lady bloß nichts mitbekommt, tarnt sich die Verbrecherbande als Kirchenmusiker und legt mit ihrem Plan los. Das Problem: Die fünf Experten sind nicht gerade die besten Freunde und auch mangelt es ihnen an intellektueller Fähigkeit, um die Arbeit sauber und gewissenhaft durchzuführen. Das allergrößte Problem: Sie haben Munson unterschätzt und nun müssen sie sich auch noch um die alte Kirchenwitwe kümmern. Es wird ja schließlich nicht so schwer sein, eine alte Frau los zu werden...

Mit ihrem Meisterwerk „Fargo“ gewannen die Coen-Brüder Ethan und Joel einen Oscar für ihr intelligentes Drehbuch, das schwarzen Humor mit Spannung mischte. „Ladykillers“ ist ein weiteres Beispiel für ihren Sinn für „Verbrechen-geht-in-die-Hosen“-Filme, den sie auch in „Ein (un)möglicher Härtefall“, „The Big Lebowski“ und auch in „The Man Who Wasn’t There“ gezeigt haben. Mit gespitzten Dialoge und kuriosen Szenen führen die beiden ihre Schauspieler und dadurch entstehen typische trocken-komische Situationen. Das „Ladykillers“-Original diente bereits als Inspirationsquelle für viele Drehbuchschreiber. In ihrem Debütfilm „Blood Simple“ liehen sie sich eine Zeile aus dem Klassiker mit Alec Guinness, das auch in der Neuverfilmung zu hören ist: „Who looks stupid now?“ – ein wohl passenderer Satz kann man sich für ein solches Thema kaum vorstellen.

Die talentierten Brüder Ethan und Joel Coen treffen den Kern des Originals von 1955, spielen mit den Details und fügen den typischen Coen-Style ein. Es war ihre Idee, Tom Hanks als den snobistischen in Versen und Zitaten sprechenden Dorr zu besetzen. „Sein Timing ist perfekt. Es ist witziger denn je“, so die Coen-Brüder. Auch der ewige „Forrest Gump“ wollte nach mehreren Dramen eine andere Rolle übernehmen und weitere Facetten seines Talents unter Beweis stellen. Er selbst beschrieb die Zusammenarbeit mit den Coens als einen Lottogewinn. Sein Dorr trägt ein Teufelsbärtchen, eine Stirnlocke, ein weißes Taschentuch aus edlem Material und er hat immer ein falsches Lächeln im Gesicht, das gemischt mit seinem Wortschatz und Vorliebe für lange komplette, korrekte Sätze Respekt einflößend ist. Das erklärt auch, warum Mrs. Munson sich sofort von ihm einwickeln lässt und zuerst nichts von seiner wirklichen Absicht ahnt. Sein logisches Denken und seine Selbstkontrolle machen Dorr zum Kopf der Bande, auch wenn Hanks manchmal recht irritierend wirkt.

Zu den anderen Verbrechern der Quintetts gehören Marlon Wayans („Scary Movie 1 + 2“) als Informant Gawain MacSam, der im Casino Arbeit findet, um mehr über den Tatort herauszufinden. Gawain repräsentiert all das, was Mrs. Munson am meisten hasst: junge laute „Hiphoppeti“-Musik-Fans, die anstatt Edgar Alan Poe zu zitieren, mehr Schimpfwörter benutzen, als von der Witwe geduldet wird. Er ist für mehrere offensichtliche Gags verantwortlich und mit Wayans ist die Rolle perfekt besetzt. J. K. Simmons („Spider-Man 1 + 2“) ist Garth Pancake, der Komparse, den Gawain nicht ausstehen kann. Er ist der sympathischste unter den fünf Männern, wahrscheinlich weil er als einziger menschliche Seiten zeigt. Als Mann für alle Fälle bringt er seine Sprengstoff-Kenntnisse ein. Pancake und Gawain sorgen für die ersten Diskussionen in der Gruppe, die sich bald über alle Mitglieder ausbreiten wird. Dann ist da noch der mysteriöse General, gespielt von Tzi Ma, ein vietnamesischer Kettenraucher. Ja, auch Raucher mag Mrs. Munson nicht leiden, aber der General findet schnell eine Lösung, seine Zigaretten zu verstecken. Tzi Ma schweigt durch die längste Zeit des Films, aber seine Rolle braucht auch nicht viele Worte, sein Gesichtsausdruck reicht völlig aus. Der letzte unter den Männern, die auf Dorrs Zeitungsinserat geantwortet haben, ist Lump (Ryan Hurst) der hirnlose, grobe Footballspieler, verantwortlich für die körperliche Arbeit. Man hat im Film das Gefühl, er wisse gar nicht, um was es überhaupt geht, da Lump friedlicher ist, als die anderen, aber das kann sich alles im Laufe der Story ändern.

Diese fünf Verbrecher aus verschiedenen Welten treffen sich also täglich in Mrs. Munsons Keller um, wie sie behaupten, Musik zu üben. Irma P. Hall war sich nicht sicher, ob sie die Rolle der harten Nuss Munson bekommen würde, aber sie galt von Anfang an als Coens’ erste Wahl. Hall interpretiert die alte Kirchenlady sehr natürlich, als würde sie tatsächlich täglich mit dem Portrait ihres Ehemanns über dem Kamin sprechen. Da Hall es nicht gewohnt war, härtere Szenen zu drehen, wusste sie nicht, dass sie bei dem Faustschlag nicht wirklich zuschlagen sollte und so wurde Wayans von der alten Dame real ausgeknockt. Die Produktionswerte des Films sind makellos, von dem Drehort in Mississippi über die Arbeit mit den Tieren bis hin zu den Kleidern der Hauptfiguren und den Details der Musikinstrumente. Obwohl die fünf Ladykillers als barocke Musiker posieren, besteht der Score hauptsächlich aus Gospelsongs typisch für die Region, in der der Film spielt. Die Songs sorgen für eine lockere Stimmung und, wie immer bei Coen-Filmen, passen sie hervorragend zu der laufenden Szene. Obwohl die Besetzung der Rollen scheinbar perfekt ist, fehlt leider etwas die passende Chemie zwischen den Figuren und den Schauspielern, um den Film weiter nach vorn zu bringen. Wiederholungen der Handlung und der Charakterisierung der Figuren sind sinnlos und ziehen „Ladykillers“ unnötig in die Länge. Als einem der Film allmählich langweilig vorkommt, dreht die Story und damit wird „Ladykillers“ auch wieder interessanter. Das Ende ist Coen-typisch und sorgt für Lacher im Kinosaal. Den letzten Witz allerdings werden die meisten nicht erkennen, und so sei vorweg gesagt, dass die Bob Jones University eine rassistische Institution ist. „Ladykillers“ macht trotz einiger Fehler Spaß. Wer trockenen Humor mag, und sich nicht von Dorrs Übertreibungen irritieren lässt, sollte sich auf diese Komödie der anderen Art einlassen.
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