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    Bridget Jones - Am Rande des Wahnsinns
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Bridget Jones - Am Rande des Wahnsinns
    Von Carsten Baumgardt

    Vor drei Jahren stürmte eine gewisse Bridget Jones in die Lichtspielhäuser rund den Erdball. Weltweit spielte die Verfilmung nach Helen Fieldings Kultroman 280 Millionen Dollar ein. Und da die Autorin mit „The Edge Of Reason“ ebenfalls nicht von der fettnäpfchentretenden Titelheldin lassen konnte, ist ein zweiter Kinoauftritt nur logisch. Unter der Regie von Beeban Kidron besteht die umwerfende Renée Zellweger in „Bridget Jones – Am Rande des Wahnsinns“ weitere haarsträubende Abenteuer. Nur ihre Perspektive hat sich diesmal geändert. Der Film ist allerdings weniger eine originelle, konzeptionelle Fortführung, sondern fast schon ein Remake, da Teil eins in seiner Struktur nahezu exakt übernommen wird - „Bridget Reloaded“ quasi. Das Fehlen an Originalität macht der Charme und Witz des Films jedoch wieder wett.

    „Bridget Jones – Am Rande des Wahnsinns“ knüpft direkt an die Geschehnisse von „Schokolade zum Frühstück“ an. Bridget (Renée Zellweger) ist mehr als glücklich verliebt in den Anwalt Mark Darcy (Colin Firth), nein, sie betet ihn förmlich an und geht dem stocksteifen Snob damit dezent auf die Nerven. Beruflich hetzt sie ihr Chefredakteur Tom (James Callis) bei der TV-Show „Sit up, Britain“ von einer Peinlichkeit in die nächste. Beim Skydiving landet sie zielsicher in einem Haufen Schweinemist. Ihre Beziehung zu Darcy ist so perfekt, dass Bridget gerade deswegen misstrauisch wird. Marks neue Arbeitskollegin Rebecca (Jacinda Barrett) himmelt ihn ebenso an wie Bridget. Sie kommen sich näher als es ihr lieb ist...

    „The question is, what happens after you walk off into the sunset?“ Dieser Frage widmet sich Regisseurin Beeban Kidron („Die Herbstzeitlosen“, „To Wong Foo“) in „Bridget Jones - Am Rande des Wahnsinns“. Was passiert, nachdem die frustrierte Londoner Singlefrau ihr perfektes Glück gefunden hat? Richtig, sie zerstört es eigenhändig, indem sie ihren Fettnäpfchenmarathon in gewohnter Manier fortsetzt. Bridget hat sich nicht geändert. Sie ist immer noch übergewichtig, qualmt, säuft und redet, wie ihr der schnodderige Schnabel gewachsen ist. Sie ist hemmungslos taktlos und ehrlich, was sie wieder in große Schwierigkeiten bringt, ihr andererseits aber auch das Herz von Mark Darcy („That’s my boyfriend. He’s a human rights lawyer, you know“) bescherte. Ihre Eifersucht auf Rebecca („Saw him just an hour ago, going into his house with little Rebecca Gillies. Only 22, legs up to there, and Daddy owns half of Scotland“) bringt sie in die Situation, alles zu verlieren.

    Erneut schlüpft Oscarpreisträgerin Renée Zellweger („Unterwegs nach Cold Mountain“, „Chicago“, „Jerry Maguire“) in die Rolle der Titelheldin. Die zierliche Texanerin musste sich wieder mühsam den britischen Akzept antrainieren und sich rund 15 Kilogramm auf die normalerweise schmalen Hüften futtern, um der Romanfigur gerecht zu werden. Anders als in „Schokolade zum Frühstück“ ist Zellweger nun durchgehend als echter Wonneproppen mit rosa Wangen zu bewundern. Mut zur Verunstaltung war also schon gefordert, da die australische Newcomerin Jacinda Barrett („Einheit 49“, „Der menschliche Makel“) ihr in Sachen Schönheit klar das Wasser abgräbt. Dafür walzt Zellweger mit ihrem umwerfend-offenen Charme alles andere nieder. Das Zusammenspiel der üblichen Verdächtigen aus Teil eins ist auch das große Plus von „Am Rande des Wahnsinns“. Colin Firth spielt immer noch so herrlich snobistisch und edel gleichermaßen als hätte er beim Studium in Eton eine Gurke in den Allerwertesten implantiert bekommen. Hugh Grant ist weiter gegen den Strich besetzt. Zwar ist er charmant wie eh und je, gibt dabei aber wieder mehr den Frauenheld Marke „Arschloch“ und karikiert damit sein Image als schüchterner Nice Guy.

    Ein Teil-Schwachpunkt von „Bridget Jones – Am Rande des Wahnsinns“ ist das Drehbuch aus der Feder von Andrew Davies und Richard Curtis (Regie: „Tatsächlich Liebe“), die schon das Original schrieben. Zwar sprüht auch die Fortsetzung vor witzigen Dialogpointen und Situationskomik, aber in der Storyführung kopieren die beiden einfach den Vorgänger. Die Konstruktion ist exakt gleich, die Twists sind ähnlich angelegt und lieb gewonnene Rituale werden einfach übernommen oder bestenfalls variiert. In Sachen Handlung geben Davies und Curtis dem Affen diesmal noch mehr Zucker. Bridgets Gefängnisabenteuer in Thailand hat fast schon comichafte Züge, ebenso wie ihr Auftritt als Kamikaze-Skifahrerin in den Alpen. Dabei kommen die Österreicher nicht wirklich intelligent weg. Dafür ist Zellwegers Versuch, Deutsch zu sprechen zumindest im englischen Original urkomisch, wenn auch albern. Der komplette bissige Humor ist over the top angelegt – mehr noch als in Teil eins.

    Doch im Kern ist „Am Rande des Wahnsinns“ eine romantische Komödie, auch wenn der Film teilweise noch als Parodie dessen durchgehen kann. Die hemmungslose Selbstironie weicht zum Glück niemals. Die Balance zwischen diesen Elementen stimmt. Im Vergleich zum Buch nahmen sich die Autoren einige Freiheiten heraus. Die episodenhafte Struktur haben sie übernommen, wenn auch nicht in der Ausprägung des Romans, aber bei der Handlung sind dennoch einige größere Änderungen vorgenommen worden, die zum Beispiel die Rolle von Bridgets Rivalin Rebecca betreffen. Dies genauer zu erläutern, würde allerdings eine Filmpointe verderben. Da Hugh Grants Charakter Daniel Cleaver im Buch nur am Rande vorkommt, musste das Autorenduo improvisieren, um dem Star Grant, auf den keiner verzichten wollte, im Film mehr Raum zu geben. So wurde kurzerhand ein Subplot eingefügt, der im Buch nicht zu finden ist, Grant aber einiges an Leinwandpräsenz einräumt. Dagegen müssen Jim Broadbent und Gemma Jones als Bridgets Eltern diesmal kürzer treten.

    „Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück“ sprach Millionen von Singlefrauen aus dem Herzen und Renée Zellweger stieg zur Ikone empor. Da keiner genug von Bridget bekommen konnte, ist die Fortsetzung nur konsequent. Die Zuschauer erhalten, was sie sehen wollen. Exotischere Schauplätze, mehr Tempo, mehr Bridget, mehr Mark Darcy..., aber eben weniger Originalität. Das lässt sich sicherlich bemängeln, aber wer knapp zwei Stunden gut unterhalten werden will und sich davon nicht abschrecken lässt, wird mit „Bridget Jones – Am Rande des Wahnsinns“ eine gute Wahl treffen.

    Link-Tipp: Renee Zellweger im Filmstarts-Interview

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