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White Chicks
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,5
enttäuschend
White Chicks
Von Jürgen Armbruster
Produzent Rick Alvarez hat sich über „White Chicks“ folgendermaßen geäußert: „Keenen Ivory Wayans ist meiner Ansicht nach einer der großartigsten Komödien-Regisseure aller Zeiten. Dazu kommen noch Shawn und Marlon, die fantastische Darsteller sind. Wenn man diese drei zusammentut, ist das eigentlich ein Selbstläufer.“ Klingt enthusiastisch, doch nachdem das so umschriebene Werk begutachtet wurde, hat man unweigerlich ein ziemlich schräges Bild von Herrn Alvarez im Kopf. Das Bild eines Mannes aus Holz mit langer Nase, der obendrein noch auf einer Kanonenkugel reitet. Denn der Wahrheitsgehalt dieser Aussage tendiert gegen Null.

Die beiden FBI-Agenten Kevin (Shawn Wayans) und Marcus Copeland (Marlon Wayans) sind die Schande ihres ganzen Bezirks. In der ersten Szene versuchen sie undercover einen Drogendealer, der sich als Eismann ausgibt, hoch zu nehmen. Um nicht vorzeitig aufzufliegen, verkleiden sie sich als lateinamerikanische Verkäufer. Als endlich der Eismann auftaucht, kommt es zu einem – gelinde ausgedrückt - äußerst seltsamen Wortwechsel, in dem der Ex-Sommerhit „Macarena“ aber so richtig seine Schnauze für die einfallslose Geschichte herhalten muss. Einige schräge Slapstickeinlagen und einen wahnwitzigen Schusswechsel später stellt sich heraus, dass der Eismann wirklich ein Eismann war und Kevin und Marcus voll ins Fettnäpfchen - pardon, ich meine natürlich den Eisbecher - getreten sind.

Doch damit kommt die eigentliche Geschichte hinter „White Chicks“ erst so richtig ins Rollen. Die beiden Versager bekommen den lausigsten Job zugewiesen, den das FBI aktuell auf dem Tagesprogramm stehen hat. Sie sollen die Kindermädchen für die beiden verzogenen Millionärstöchter Brittney und Tiffany Wilson (Maitland Ward und Anne Dudek) spielen, da bei ihrem Daddy eine Kidnapping-Drohung eingegangen ist. Nun bricht das Chaos auf der Leinwand erst so richtig aus. Aufgrund eines kuriosen Verkehrsunfalls haben die beiden Wilson-Schwestern „schwerste“ Verletzungen davon getragen. Die eine hat einen Kratzer auf der Nase, der anderen ist die chirurgisch gerade erst verschönerte Lippe aufgerissen. Was für ein Desaster! Dermaßen entstellt weigern sich die Möchtegern-Beautys auch nur einen Schritt vor die Hotelzimmertür zu setzten. Doch dies ist eigentlich dringend erforderlich. Schließlich sollen sie als Köder für die Festsetzung der Kidnapper dienen. Was tun? Wenn Brittney und Tiffany nicht rechtzeitig auftauchen, sind Kevin und Marcus endgültig ihren Job los. Des Rätsels Lösung liegt auf der Hand: Die beiden lassen sich Ganzköperprothesen anfertigen, legen eine fünf Zentimenter dicke Make-Up-Schicht auf und werden so zu den „perfekten“ (Ironie ist doch etwas herrliches) Doubles für Brittney und Tiffany.

„White Chicks“ ist in erster Linie zunächst einmal ein richtiges Familientreffen des Wayans-Clans. Regie führte Keenen Ivory Wayans. Hilfe beim Drehbuch erhielt dieser von Bruder Shawn, der obendrein eine der beiden Hauptrollen übernahm und dabei vom dritten Bruder Marlon unterstützt wird. Diese Konstellation gab es bereits zwei Mal. Nämlich bei den ersten beiden Episoden der „Scary Movie“-Reihe. Während Teil eins Anno 2000 noch auf eine schräge Art und Weise erfrischend wirkte, war Teil zwei einer der schlechtesten und peinlichsten Filme des Folgejahres. Und genau an dieses Niveau knüpfen die Wayans mit „White Chicks“ auch an. Was dem Zuschauer hier über weite Teile geboten wird, ist Unterhaltung aus dem Bodensatz der Komödiantenfachs - gleichermaßen einfallslos wie vorhersehbar. Natürlich werden die Wayans in ihrer Frauenkostümierung von der männlichen Bevölkerung (gemeint ist hier in erster Linie ein schwarzer Muskelprotz mit einem Fetisch für weiße Mädels) so richtig dreckig angegraben. Natürlich darf der Zuschauer minutenlang beobachten, wie sich einer der beiden in viel zu enge Frauenoutfits quetscht. Und selbstverständlich darf auch die obligatorische Discotanzszene nicht fehlen (nur so grandios komisch wie in „Starsky & Hutch“ ist diese hier nicht ansatzweise). Was soll man da noch sagen? Herr, schmeiß Hirn!

Als reale Vorlage für die Wilson-Schwestern dienten den Wayans ganz offensichtlich die Millionenerbinnen Paris Hilton und Linol-Tochter Nicole Richie. Die Ähnlichkeiten sind zu frappierend, als dass diese ungewollt sein könnten. Blond, overdressed, zickig und dumm. Sogar der handtaschengroße Kleinkläffer ist weder geklaut, noch bei den Großeltern vergessen worden, sondern mit an Bord.

Ein wichtiger Punkt bei „White Chicks“ ist die Kostümierung der beiden Hauptdarsteller. Hierfür wurde eigens Oscarpreisträger Greg Cannom engagiert. Diesem gelang bereits in „Mrs. Doubtfire“ die zumindest optisch recht glaubwürdige Umwandlung von Robin Williams zur alternden, aber rüstigen Dame. Doch irgendwie beschleicht einen der Eindruck, dass Cannom binnen kürzester Zeit alles verlernt hat, das er einst so meisterhaft beherrschte. Angeblich war es das größte Problem dafür zu sorgen, dass Shawn und Marlon Wayans nach ihrer Umwandlung nicht so aussehen wie Drag Queens. Nun denn, dies ist Greg Cannom auch tatsächlich gelungen. Wie Drag Queens schauen die Brüder in der Tat nicht aus. Nur wie Frauen auch nicht wirklich. Und wie Männer erst recht nicht. Hand aufs Herz: Eigentlich kann die Maske von „White Chicks“ nicht den Ansprüchen eines Cannoms genügen.

Dass wir uns hier nicht falsch verstehen: Es gibt durchaus eine gewisse Zielgruppe für Filme wie „White Chicks“. Die Frage, die jeder wohl selbst für sich beantworten muss, ist folgende: Finde ich die oben beschriebenen Szenen lustig oder kann ich darüber allenfalls den Kopf schütteln? Wer zur ersten Gruppe gehört, ist bei „White Chicks“ sicherlich richtig aufgehoben. Doch für den Großteil der Kinogängerschaft hat dieser Film nicht mehr als eine Hand voll Schmunzler und vielleicht einen richtigen Lacher zu bieten. Zu wenig, für eine abendfüllende Komödie im Leinwandformat. Sorry, liebe Wayans-Brüder, das war wohl nix! Setzen, sechs...
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Kommentare

  • Peiffer A.
    nhkjlköoihzkf
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