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Bee Movie - Das Honigkomplott
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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
Bee Movie - Das Honigkomplott
Von Björn Helbig
Wenn Komiker und Multimillionär Jerry Seinfeld als Produzent und Drehbuchautor zusammen mit DreamWorks, das Studio dem wir Shrek verdanken, einen Animationsfilm über Bienen dreht, dann sind die Erwartungen natürlich hoch. Doch man sollte sich weder von den großen Namen und der ganz heftig gerührten Werbetrommel noch von dem bisherigen Erfolg an den US-Kinokassen täuschen lassen – „Bee Movie - Das Honigkomplott“ erreicht nicht die Qualität anderer DreamWorks-Filme wie Ab durch die Hecke oder Madagaskar und schon gar nicht die des Meisterwerks Ratatouille vom Konkurrenzstudio Pixar.

Nachdem die junge Biene Berry B. Benson (Stimme: Jerry Seinfeld) ihre Ausbildung abgeschlossen hat, haben er und seine Freunde die Qual der Wahl. Welcher Job bei der Honigfabrik Honex ist wohl der richtige? Keine leichte Entscheidung. Denn die Bienen werden den einmal gewählten Beruf bis an ihr Lebensende ausführen. Während sich Berrys Freunde nichts Schöneres vorstellen können, als ihr Leben lang zu malochen, steht Berry der Sinn eher nach Abenteuer. Gegen den Widerstand seiner Eltern trifft er die Entscheidung, sich den Bienen im Außendienst anzuschließen. Ein gefährlicher Job, den niemand dem schmächtigen Berry zutraut. Auf seinem ersten Ausflug geht dann auch gleich so einiges schief. Er wird von den anderen Bienen getrennt und rettet sich vor einem Regenschauer in die Wohnung der jungen Blumenverkäuferin Vanessa (Renée Zellweger). Eigentlich ist die Freundschaft mit einem Menschen ein Tabu in der Bienenwelt, doch Biene und Floristin sind sich so sympathisch, dass sie beide einfach keine Wahl haben und von da an unzertrennlich sind. Die Romanze wird allerdings von einer Entdeckung Berrys überschattet. Die Menschen essen den Honig, für den Bienen so hart arbeiten müssen. Das darf nicht sein! Berry beschließt den Aufstand zu proben.

Die Beteiligung von Jerome „Jerry“ Seinfeld an „Bee Movie“ ist an sich ein gutes Zeichen. Der 1954 in Brooklyn, New York, geborene Komiker, der vor allem durch die sehr erfolgreiche Sitcom „Seinfeld“ berühmt wurde, dessen Co-Autor und Mit-Produzent er war, hat schon mehrmals gezeigt, dass er ein Händchen für spritzige Dialoge und Situationskomik hat. Nach einer kleinen Rolle in der Sitcom „Benson“ (aha, daher also Berry B.’s Name) kam er mit „Seinfeld“ groß raus, und auch noch Jahre nach Serienende bescherten ihm Werbeeinnahmen sehr hohe Honorare. 2006 war Jerry Seinfeld auf Platz 28 der Forbes Celebrity-100-Liste. Eigentlich müsste Seinfeld aus diesem Grund nur noch Projekte annehmen, die ihn wirklich überzeugen. Aber irgendwas ist bei „Bee Movie“ wohl schief gegangen.

Schon inhaltlich wirkt der Film unausgegoren. Grob besteht er aus vier Teilen. Teil eins stellt die Bienenwelt vor. Man erfährt, wie der Arbeitsalltag einer Biene aussieht, wie das mit der Berufswahl funktioniert und wie sie alle mit lustigen kleinen Autos durch den Bienenstock fahren. In Teil zwei lernt der Zuschauer New York durch Berrys Augen kennen. Man nimmt zur Kenntnis, dass Bienen auf Tennisbällen kleben bleiben und nicht mit Menschen sprechen sollen, dass es aber gar nicht so schlimm ist, falls sie es doch tun. Teil drei widmet sich Berrys Kampf gegen die Honigindustrie und Teil vier erzählt, wie Berry die Welt vor einer Umweltkatastrophe rettet. So richtig zusammen passen die vier Teile nicht, jede Wendung wirkt eher zufällig als geplant.

It's so unfunny it almost stings. (Claudia Puig in der USA Today über „Bee Movie”)

Schlimmer noch als die strukturellen Probleme macht sich allerdings der Humor bemerkbar. Über die Masse an Gags kann man sich eigentlich nicht beklagen, über die Qualität der Witze aber schon. Es ist zwar nicht ganz so schlimm wie Claudia Puig in der USA Today polemisiert, aber schlimm genug. Dass Bienen gestreifte Pullover tragen oder dass ihre Antennen Funkgeräte sind, sind ebensolche Schmalwitze wie die Tatsache, dass die Bienen mit Nachnamen Hummel oder Flayman heißen. Und wenn dann doch mal ein Witz gelingt, wird dieser gleich danach wieder von drei schlechten paralysiert. Am ehesten überzeugt „Bee Movie“ in Sachen Humor noch, wenn dieser sich an Erwachsene richtet wie bei zahlreiche Filmzitaten (Die Reifeprüfung u.a.), Anspielungen auf die „Larry King Show“ oder Sting- und Ray-Liotta-Parodien. In diesem Zusammenhang macht sich aber auch das Zielgruppenproblem des Films bemerkbar. Während es Pixar immer wieder schafft, seine Animationsfilme auf Erwachsene und Kinder gleichermaßen auszurichten, hat man bei DreamWorks’ „Bee Movie“ das Gefühl, als würde hier weder die eine noch die andere Gruppe richtig angesprochen. Für Erwachsene ist der Film recht reizlos – bis auf den Spaß, die zahlreichen Referenzen zu erspähen, für Kinder dürften die meisten der Anspielungen und ein großer Teil des Wortwitzes nicht verständlich sein.

Insbesondere, was die Zielgruppe Kind angeht, ist „Bee Movie“ in seiner Machart wenig nachzuvollziehen. Dass viele Witze am jugendlichen Publikum vorbei geschrieben sind, ist das eine, dass sich der Film in pädagogischer Hinsicht aber nahezu in allen Belangen als mangelhaft erweist, ist einfach ärgerlich. War es wirklich nötig, die Tiere in Disney-Manier zu vermenschlichen und die biologischen Hintergründe derart verzerrt wiederzugeben? Damit ist weder der Unterhaltung noch dem Bildungscharakter von Jungendfilmen gedient. Sollen Kinder aus dem Film lernen, dass Bienen, die ihren Stachel verlieren, nicht sterben, wenn man ihnen anstelle dessen einen Cocktailpiekser in den Hintern steckt? (Mal ganz abgesehen davon, dass nur weibliche Bienen einen Stachel haben) – Weil es der eine oder andere vielleicht doch unverantwortlich fand, solch falsch informierenden Schmarrn auf das kindliche Publikum loszulassen, entschloss man sich, in allen Kinos des Cineplex-Verbunds einen Vorfilm der BEEgroup der Universität Würzburg zu zeigen. Dort soll dem jungen Zuschauer die Bienenwelt aus der naturwissenschaftlichen Perspektive näher gebracht werden. Leider erschöpft sich der Lehrfilm in der Aussage, dass Bienenvölker hoch spezialisiert sind. Und das ist nun gerade der Aspekt, der im Film am besten rüber kommt.

Zu der unausgegorenen Story, den zahlreichen, aber unterdurchschnittlichen Gags und Zielgruppenproblemen, gesellt sich noch die Animation, die leider auch nicht immer überzeugen kann. Zwar sammelt „Bee Movie“ hier noch die meisten Punkte – z.B. dann, als Berry zum ersten Mal den Stock verlässt und man New York in toller Räumlichkeit aus der Sicht einer Biene kennen lernt – aber der Abwechslungsreichtum bei den Figuren (Bienen und Menschen) sowie deren Mimik lassen zu wünschen übrig.

Fazit: Die hohe Gagdichte des Films wird leider durch die geringe Qualität der Witze unterlaufen. Vom gelungenen Spagat zwischen Kinder- und Erwachsenen-Unterhaltung der Pixar-Filme ist DreamWorks „Bee Movie“ genauso weit entfernt wie von deren technischer Brillanz.
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