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    Alibi - Ihr kleines schmutziges Geheimnis ist bei uns sicher!
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Alibi - Ihr kleines schmutziges Geheimnis ist bei uns sicher!
    Von Christoph Petersen

    Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Jr. haben schon 1960 mit ihrem Las-Vegas-Klassiker „Frankie und seine Spießgesellen“ das Comedy-Potential von Heist-Geschichten erkannt. Auch in Steven Soderberghs Star-gespicktem Remake Ocean´s Eleven und dessen Fortsetzung Ocean´s Twelve geht es neben all den spannenden Bruch-Sequenzen vor allem lustig zu. Nun hat sich auch das Regie-Gespann Kurt Mattila und Matt Checkowski, das sich bereits für die „Pre-Cog“-Visionen in Steven Spielbergs Minority Report verantwortlich zeichnete, für sein Kinodebüt einen beeindruckenden Cast zusammengesucht und eine mit Twists voll gestopfte Gauner-Saga in Szene gesetzt. Dabei sind sie aber mit ihrer schwarzhumorigen Trickbetrüger-Comedy „Alibi“, die schon seit fast zwei Jahren in den Schubladen des Verleihers verstaubt, über jedes Ziel hinausgeschossen – so ist der Film weder hip, spannend oder lustig, sondern steril, überfrachtet und langweilig.

    Einer von vier Männern betrügt seine Frau und eine von zehn Frauen betrügt ihren Mann! Diese Statistik spricht von einer ziemlich zynischen Sicht auf unsere Gesellschaft, lässt sich aber auch als moderner Business-Plan interpretieren – geht man nämlich davon aus, dass noch viel mehr Menschen ihren Partner hintergehen würden, wenn sie keinerlei Konsequenzen zu fürchten hätten, könnte man mit dem Ausarbeiten von perfekten Seitensprüngen einen Haufen Geld verdienen. Das hat sich auch Trickbetrüger Ray Elliot (Steve Coogan, In 80 Tagen um die Welt, Coffee And Cigarettes) gedacht, als er seine Consulting-Agentur für das wasserdichte Seitensprung-Alibi gegründet hat. Mit ihren professionellen Vertuschungen hat Elliots Firma sich mittlerweile zahlreichliches Klientel gesichert, da kommt die neue Mitarbeiterin Lola Davies (Rebecca Romijn, Godsend, The Punisher), der ihr bisheriger Job als Steuerberaterin einfach zu langweilig wurde, gerade recht.

    Elliots Devise niemals ein Alibi für ein Verbrechen zu liefern, fängt aber gehörig an zu wanken, als ein Klient (James Marsden, Wie ein einziger Tag) aus Versehen bei Sado-Maso-Experimenten seine Geliebte (Jaime King, Sin City 2) erwürgt. Von da an ist die ganze Welt hinter dem armen Ray her. Der Freund des Opfers (John Leguizamo, Land Of The Dead, Moulin Rouge), der Vater des Täters (James Brolin, Catch Me If You Can, Traffic) und ein mormonischer Profi-Killer (Sam Elliot, Rufmord) wollen ihn töten, während die frustrierte Ehefrau Adelle (Selma Blair, The Fog, A Dirty Shame) etwas ganz anderes von ihm will. Zusammen mit Lola versucht Ray, seine Feinde gegeneinander auszuspielen…

    „Alibi“ hat drei große Probleme: Die uninteressante Charakterisierung der Figuren, den unausgegorenen Inszenierungsstil und die überfrachtete Story – es bleibt also nicht viel übrig, das nicht daneben gegangen ist. Mit ihren geschliffenen Dialogen und ihrem supercoolen Auftreten sollten Ray und Lola eigentlich in der Tradition von George Clooney und Brad Pitt in „Ocean´s Eleven“ stehen, weil die hippe Charakterzeichnung aber nicht einmal an die Tiefe eines „Axe“-Werbespots herankommt, hat der Zuschauer nicht die geringste Chance, emotionalen Zugang zu den beiden zu finden – so wirken die Protagonisten nicht cool, sondern bestenfalls steril. Dieser Effekt wird durch die schiere Masse an Figuren noch verstärkt – wo Steven Soderbergh jeder noch so kleinen Rolle ihren ganz eigenen Charme verpassen konnte, ist das Regie-Duo von „Alibi“ schon nach der ersten Handvoll total überfordert und lässt die restlichen nur noch unmotiviert ihre Texte aufsagen.

    Die Werbe-Abstammung der Regisseure lässt sich bei „Alibi“ an jeder einzelnen Einstellung ablesen – das ist zwar zunächst recht schön anzusehen, geht einem dann aber doch ziemlich schnell auf die Nerven und funktioniert filmisch gesehen nie. Da die beiden scheinbar nicht weiter als die typischen dreißig Sekunden eines Werbe-Spots vorausplanen können, hat jede neue Sequenz einen eigenen Stil, der jegliche Stringenz vermissen lässt. So werden Zeitlupen, nicht durch das Geschehen gerechtfertigte, abgehobene Schnittfolgen und merkwürdige, die bisherige Story zusammenfassende Rückblenden in den unpassensten Momenten eingestreut.

    Trickbetrüger-Filme wie The Score oder The Italian Job funktionieren in der Regel folgendermaßen: Ein Story-Twist wirft ein neues Licht auf eine der Figuren, deshalb muss der Zuschauer seine eigenen Ideen zum Ablauf des Überfalls ummodellieren und dann wird dieses wackelige Gedanken-Gerüst durch die nächste Wendung wieder umgestoßen. Bei „Alibi“ gibt es aber kaum eine Szene, in der die Geschichte nicht in eine neue Richtung gelenkt wird – so hat der Zuschauer zwischen den einzelnen Twists einfach keine Zeit, sich selbst Gedanken zu machen und wird vom Film komplett ausgeschlossen: Das Ergebnis ist quälende Langeweile. Der Showdown, bei dem alle Charaktere in einem Hotel aufeinander treffen, kommt auf den ersten Blick recht intelligent und ausgeklügelt daher, strotzt auf den zweiten aber nur so vor nervigen Logiklöchern – zum Beispiel wird eine Leiche, wenn man ihr in die Brust schießt, nicht wie verrückt anfangen zu bluten. So ist der Film nicht wirklich lustig, nicht richtig spannend und auch nicht böse genug, trotz einigen wenigen gelungenen Momenten reicht es für neunzig Minuten hinten und vorne nicht – selbst für eine DVD-Veröffentlichung wäre „Alibi“ noch unterdurchschnittlich.

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