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    End Game - Tödliche Abrechnung
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    End Game - Tödliche Abrechnung
    Von Christoph Petersen
    In der Filmgeschichte wurde wohl niemand auch nur annähernd so oft Ziel eines Anschlags wie der US-Präsident. Spätestens seit der Ermordung von John F. Kennedy und all der Verschwörungstheorien, die sich Dank zahlreicher Unstimmigkeiten in den folgenden Jahren um den Vorfall zu ranken begannen, sind möglichst absurde Politkomplotte ein gern beackertes Thema im Hollywood-Kino – mit Wolfgang Petersens In The Line Of Fire und Oliver Stones JFK stammen sogar zwei der besten Filme der 90er-Jahre aus diesem Genre. Zuletzt versuchte sich Clark Johnson mit The Sentinel an diesem Sujet, legte dabei aber mehr Wert auf seine von Michael Douglas, Kim Basinger und Kiefer Sutherland verkörperten Protagonisten, die Verschwörungstheorie im Hintergrund wurde eher vernachlässigt. Andy Chengs Regiedebüt „End Game“, ein überraschend stark besetzter Direct-To-DVD-Thriller, setzt hingegen voll auf möglichst krude Wendungen und Shakespearesche Verwicklungen. So kann er gegen seinen Kinokonkurrenten The Sentinel schlussendlich sogar einen knappen Punktsieg davontragen.

    Alex Thomas (Cuba Gooding Jr.) hat als Special Agent des Secret Service nur eine Aufgabe – das Leben des mächtigsten Mannes der Welt zu beschützen. Trotzdem wird der Präsident (Jack Scalia) unter seiner Aufsicht in aller Öffentlichkeit erschossen. Thomas fällt in ein tiefes Loch, hat fortan mit ihn zerfressendem Selbstzweifel und Unmengen an Alkohol zu kämpfen. Da findet Reporterin Kate Crawford (Angie Harmon) heraus, dass der Anschlag anscheinend gar nicht wie vermutet von einem irren Einzeltäter, sondern von einer perfekt ausgerüsteten Organisation vorbereitet wurde. Nun ist sie in großer Gefahr, alle Zeugen, mit denen sie spricht, kommen kurz darauf ums Leben. Ihre einzige Chance ist der abgehalfterte, verkaterte Thomas. Gemeinsam führen sie die Ermittlungen gegen alle Widerstände fort und stoßen dabei auf eine Verschwörung, bei der selbst solche hohen Tiere wie General Montgomery (Burt Reynolds), Secret-Service-Boss Vaughn Stevens (James Woods) und die First Lady (Anne Archer) höchstpersönlich auf der Liste möglicher Verdächtiger stehen…

    Bei The Sentinel wurde es sich noch einfach gemacht und mit irgendeiner, recht beliebig dargestellten osteuropäischen Organisation ein altes US-Feindbild wieder ausgegraben. „End Game“ geht genau den entgegengesetzten Weg, hier wird kaum eine amerikanische Behörde ausgelassen. Obwohl es seit dem 11. September eher verpönt ist, gegen die inländischen Agencys zu wettern, kriegen in „End Game“ vom CIA (mit ehemaligen Auftragskillern vertreten) über den Secret Service bis hin zum Präsidenten selbst alle ihr Fett weg. Hier wird nach Belieben rumgesponnen, dass es für den paranoid-veranlagten Zuschauer eine wahre Freude ist und selbst „24“ in Sachen Twistreichtum nicht so einfach davonziehen könnte – logische Löcher ohne Ende muss man dafür aber in Kauf nehmen können, Pedanten seien also ausdrücklich gewarnt: „End Game“ versucht nicht einmal, alle losen Enden wieder zusammen zu bekommen.

    Für eine reine DVD-Produktion ist der Klang des Casts von „End Game“ allein schon kaum hoch genug einzuschätzen. Und dazu kommt noch, dass die Darsteller auch noch allesamt zumindest überzeugende Leistungen abliefern. Cuba Gooding Jr. (Boat Trip, Rat Race) wird vom Drehbuch zwar mit einer überflüssigen und dazu auch noch wenig glaubwürdigen Trinkereskapade gepiesackt, gibt den aufrechten Agenten aber ansonsten mit genügend Charme. Angie Harmon (Dick und Jane) knüpft als umtriebige Journalistin nahtlos an ihre Rolle als Staatsanwältin in der Erfolgsserie „Law And Order“ an und überzeugt vor allem dann, wenn sie mit ihrem unheimlich süßen „überraschten Gesichtsaudruck“ punkten darf. James Woods (Casino, Nixon) und Burt Reynolds (Spiel ohne Regeln, Ein Duke kommt selten allein) wuchten ihre „Harte Männer“-Charaktere allein mit ihrer unglaublich herben Leinwandpräsenz. Und Anne Archer (Short Cuts, Der Herr des Hauses) stellt sich als etwas zu abgeklärte First Lady schnell als das heimliche Schauspiel-Highlight des Films heraus.

    Neben den wunderbar absurden Theorien und der überzeugenden Besetzung fallen die meist gelungenen Actionsequenzen, die mit einem überraschend hohen Production-Value auftrumpfen, kaum noch ins Gewicht. Natürlich ist „End Game“, der es sich an mancher Stelle doch zu einfach macht und Charakterzeichnung insgesamt ziemlich klein schreibt, im Endeffekt kein großer Film geworden – bis hin zu JFK und In The Line Of Fire ist es noch ein ganz, ganz weiter und steiniger Weg. Aber zumindest der viel zu zurückhaltenden The Sentinel wird überboten, weil „End Game“ schlussendlich doch um einiges mutiger und damit auch spaßiger daherkommt. Und wenn auch die Auflösung an sich wenig überrascht, trifft die knallharte Konsequenz, in der sie hier dargeboten wird, doch voll ins Schwarze.
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