3.5 - Gut
„Wir haben keine Kontrolle über das, was das Leben mit uns macht. Die Dinge geschehen, ehe man um sie weiß, und sobald sie geschehen sind, zwingen sie einen andere Dinge zu tun. Bis man am Ende jemand geworden ist, der man nie sein wollte.“
In den letzen Jahren geriet das Subgenre des mehr oder weniger rasanten inszenierten Politthrillers immer mehr in Mode. Durch die erzeugte düstere Grundstimmung, der Visualisierung der Post 9/11 Ära, ihrer dazugehörigen Paranoia und dem Einzug des globalen Schreckensszenarios wurden mal mehr, mal weniger die Betrachter ins Geschehen auf die Leinwände dieser Welt miteinbezogen. Prominenteste Beispiele dafür sind "Das Bourne Ultimatum“ von Paul Greengrass, "Der Mann der niemals lebte“ von Ridley Scott, "Die Dolmetscherin“ von Regielegende Sidney Pollack, "Blood Diamond“ von Edward Zwick und "Hotel Ruanda“ von Terry George.
"The International“ von Tom Tykwer reicht sich ohne große Mühe in diese illustre Riege gelungener Filme ein.
Denn Tykwers Schaffen ist zwar nicht ganz frei von Schwächen, aber eine durchaus gelungene Reminiszenz an altmodische Verschwörungs- und Politthriller, ohne freilich deren altbackene Inszenierungsarten zu übernehmen.
Durch den authentischen Look und die zeitgemäße Atmosphäre, welche in "The International“ geschaffen werden, sticht tatsächlich so etwas wie handwerkliche Begabung hervor. Und formal einfach und richtig inszenieren kann Tom Tykwer auch. Das ist etwas, was nicht jeder Newcomer oder sich etablierend wollende in Hollywood dieser Tage vorweisen kann. Und nebenbei greift das Script brisante und aktuelle Themen der Weltwirtschafts- und Finanzkrise auf, die zu einem genießbaren Plot verschmolzen bzw. zu einer in weiten Teilen glaubwürdigen Mixtur aus Wirtschaftskrimi, Spionagethriller und Verschwörungsparanoia vereint werden.
Im Zuge der Banken- und Finanzkrise, die dieses Jahrzehnt bereits dominiert hat, erscheinen die Banken und deren unerkannte Hintermänner als Drahtzieher, Auftragsmörder, skrupellose Geschäftemacher und als heimliche Denker und Lenker des wirtschaftlichen wie politischen Tagesgeschehens zwar etwas konstruiert, aber auf Grund reeller vorherrschender Tatsachenberichte und tatsächlich geschehener, ungeklärter Mordfälle, an denen sich Tykwers „The International“ per Inszenierung anlehnt, dennoch glaubwürdig. Einziger Wermutstropfen: hin und wieder werden klischeehafte Dialoge serviert, die den authentischen Eindruck zwar untermauern sollen, aber ein ganz klein wenig unfreiwillig komisch anmuten und daher den Filmgenuss trüben. Salinger: „ Das ist der Unterschied zwischen Wahrheit und Fiktion, die Fiktion muss einen Sinn ergeben.“ Platter hätte man das, was man ausdrücken möchte und was der Betrachter selbstverständlich begreift, nicht formulieren können.
Ein weiteres Beispiel:
Wilhelm Wexler: „Gerechtigkeit, das ist nicht möglich. Ihre Gerechtigkeit ist eine Illusion.“ Diese Form der Dialoge hätten in jedem Post 9/11 B-Movie Thriller Verwendung finden können. Etwas mehr Mühe hätten sich die Scriptwriter schon geben können, nachdem sie schon aufwendige und beachtenswerte Recherchearbeit für ihr beklemmendes 9/11 Szenario betrieben haben. Zumindest ist es nachvollziehbar, das die Banken im Zuge der weltweiten Finanzkrise in jedem globalem Geschäftsfeld die Finger im Spiel haben, auch in illegalen Geschäftsfeldern, wenn Geschäfte mit undurchsichtigen Gruppen getätigt werden, die an Al Quaida und Co. nur allzu frappierend angelehnt sind. Aber wenigstens wird so eine Spur von Brisanz geboten.
Schauspielerisch wird leicht überdurchschnittliches geboten: Clive Owen darf einen selbstgerechten Helden der ungewohnten Art abgeben, welcher um jeden Preis der Gegnerschaft das Handwerk legen möchte, persönlich dabei aber an der globalen Dimension der Wirtschaftskriminalität und am eigenem schwarz weißen Weltbild von Moral, Unmoral und Korruption scheitern wird. Naomi Watts bleibt etwas farblos und blass, sie ist die meiste Zeit dazu verdammt, einfach nur an der Seite von Clive Owen mitzuhetzen. Ihre Rolle ist etwas unterentwickelt, als wirkliche toughe Ermittlerin taugt sie wenig, denn sie ist hin und wieder nur Satzgeberin. Dagegen darf Armin Mueller Stahl durchblitzen lassen, was für ein beachtlicher Schauspieler er ist, er legt Lässigkeit, Verschlagenheit, Undurchsichtigkeit und Charisma an den Tag.
Optisch ist „The International“ hervorragend inszeniert worden. Tom Tykwer versteht es unter zu Hilfenahme des entsprechenden Personals wirklich, eine kalte und abweisende Welt entstehen zu lassen, die unserer realen Welt sehr nahe kommt. Die Menschen, die ihr Tagwerk verrichten, wirken bedauernswert, wenn man sich die riesigen Glasgebäude von Unternehmen bzw. Banken der Weltwirtschaft und deren seelenloses Innenleben anschaut. mehr auf http://blockbusterandmore.blog.de
Hinzugefügt am 10.06.2011 um 13:00 Uhr
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