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Seine 1 Kritik ansehen
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3.5 - Gut
, die man keinesfalls unkommentiert stehen lassen kann, ist der Gegenstand der nebenstehenden Kritik. Weder trieft in diesem Film mehr Pathos als z.B. in "Schindlers Liste" (dessen Klasse "Katyn" zwar trotzdem nicht erreicht, aber das hat andere Gründe: siehe unten) noch ist die christliche Symbolik penetranter als z.B. in "The Departed". Der Rezensent muss wohl andere Gründe haben, "Katyn" nicht zu mögen; vielleicht ist er Atheist, dann ist natürlich das mehrmalige Auftreten eines Rosenkranzes zu viel des Guten. Reichlich vermessen erscheint jedenfalls der Anspruch des Kritikers die polnische Volksfrömmigkeit besser beurteilen zu können als der 83-jährige Andrzej Wajda. Dass unter rund 12.000 ermordeten Offizieren ein Dutzend im Angesicht des Todes das Vaterunser auf den Lippen hat, bedeutet rein rechnerisch ja erst mal nur, dass ein Promille der 1940 massakrierten Polen fromme Katholiken waren. Das erscheint doch jetzt so erst mal nicht sonderlich übertrieben: Papst Johannes Paul II. selig kann sich etwaige Luftsprünge für Siege der polnischen Nationalmannschaft aufheben. Und selbst wenn die vielen Gebete jemandem zu viel des Guten sind, weil er selbst nie vor seinem Henker stand, sagt dies noch lange nichts über die Qualität dieses Streifens aus.
Sicher bedient sich Wajda in mancher Szene symbolischer Überhöhungen: Neben den christlichen Symbolen sticht auch die gewollte Analogie Agnieszka - Antigone ins Auge, die Wajda inszeniert, indem er die für einen würdigen Grabstein für ihren ermordeten Bruder kämpfende Agniezska im Theater mit einer Antigone-Darstellerin ins Gespräch kommen lässt. Doch seit wann sind klug gewählte literarische Verweise oder Symbole in Filmen ein künstlerisches Manko? Wie gesagt, Scorsese. An Wajdas Bildsprache ist auch sonst nichts auszusetzen: Er findet durchgehend düstere und kalte Bilde für das, was düster und kalt war.
"Katyn" schwächelt ganz woanders: Es fehlt eine vernünftige Exposition. Die Brücke, auf der die fliehenden Polen von Nazis und Sowjets in die Zange genommen werden und so gewissermaßen die Wahl zwischen Teufel und Satan haben, ist zwar ein weiteres sprechendes Bild und eignet sich von daher gut für die Eröffnungssequenz, doch bis ungefähr zur zwanzigsten Filmminute dreht sich alles um die Familie des jungen Offiziers Andrzej und seiner Frau Anna. Wie Kai aus der Kiste kommt dann ein weiterer Erzählstrang dazu, nämlich der um Agnieszka und ihre Mutter, die Witwe eines im Wald von Katyn getöteten Generals - und die Figuren sind gar nie eingeführt worden. Noch unmotivierter erscheint, etwa in der Mitte des Films, die kurze Liebesgeschichte um einen Neffen von Anna (vorher ebenfalls nie zu sehen), der im Untergrund gegen das kommunistische Regime in Polen kämpft. Dafür versandet der Konflikt zwischen Anna und ihrer Mutter, deren Mann in Sachsenhausen starb; letztere ist plötzlich von der Bildfläche verschwunden. Solche Brüche in der Dramaturgie gehen zu Lasten der Stringenz und Stimmigkeit des Gesamtkunstwerks, das aber dennoch einen interessanten Weg findet, um über die kriegerischen Ereignisse hinaus noch die Geschichte einer Lüge zu illustrieren. Denn die wenigen Hinterbliebenen, auf die sich Wajda konzentriert, reagieren unterschiedlich auf die Installation der Legende von den Deutschen als den Tätern von Katyn im kommunistischen Polen. Dass die Deutschen im Übrigen hier nicht als Unschuldslämmer gezeichnet werden, weil sie ausnahmsweise mal an einem Blutrausch nicht beteiligt waren, versteht sich von selbst und da Deutsche (ebenso wie die Russen) hier im Wesentlichen nur als politische oder militärische Entscheidungsträger eine Rolle spielen, bleibt naturgemäß auch wenig Raum für eine Ausdifferenzierung ihrer Charaktere.
"Das Massaker von Katyn" ist mithin zwar kein Meisterwerk, verdient aber dennoch das Prädikat unbedingt empfehlenswert. Schon allein deshalb, weil so monströse Lügen, wie sie um den Massenmord von Katyn gesponnen wurden, nie genügend Gegner haben können, Gegner, deren Gegnerschaft auf dem verlässlichen Wissen um die Wahrheit fußt. Um diese Wahrheit hat sich Andrzej Wajda, dessen Vater in Katyn ermordet wurde, auf eindrucksvolle und bewegende Weise verdient gemacht. Einen solchen Film mit 3 Sternen zu bewerten, weil einem ein paar religiös gefärbte Handlungskomponenten nicht passen, zeugt von geistiger Kleingärtnerei.
Hinzugefügt am 19.09.2009 um 19:22 Uhr
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