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4 - Sehr gut
Vorneweg: Ja, der Film hat seine Längen und ja, der Film setzt ein gewisses Interesse am Thema Schule / lehrerberuf voraus, ansonsten wird man ihm nicht viel abgewinnen können.
Dann allerdings ist er ein Glanzstück: So treffend und gleichzeitig so unaufgeregt dürfte Schule bislang selten portraitiert worden sein. Der Film ist aus meiner Sicht bis in die kleinsten Details scharf beobachtet (z.B. wenn auf der Lehrerkonferenz genauso lange über die Kaffeemaschine wie über angemessene Sanktionen für Schüler gesprochen wird).
Hoch anzurechnen ist dem Film, dass er a) weder Lehrer noch Schüler entweder als Volltrottel noch als Übermenschen darstellt, sondern durch vielmehr als Akteure in einem bestimmten System (nämlich: Schule) in ihren z.T. widersprüchlichen Rollenanforderungen Gefangene dargestellt werden. Hoch anzurechnen ist dem Film, das für keine SeitePartei ergriffen wird, wie sich der Film insgesamt jeder Wertung enthält und es dem Zuseher überlässt, das Gesehene für sich einzuordnen. Wer daran kein Interesse hat, sitzt allerdings klar im falschen Film.
Dabei ist der Film weit mehr als eine Mileustudie französischer Ghettoschulen: Bei jeder der teils zugegebenermaßen enervierenden Dialoge aus dem Unterricht konnte ich mir jederzeit vorstelllen, die von den Kids gestellten Fragen in ähnlicher Form in jeder beliebigen Klasse einer Schule in Deutschland oder Österreich zu hören.
Entwaffend in ihrer pädagogischen Klugheit sind einige der Aussagen, die den Schüler(innen) in den Mund gelegt werden, wenn etwa ein Schüler auf die Frage was ihm am Besten gefallen hat, vom Lehrstoff in diesem jahr, ein völlig belangloses Detail aus dem Chemieunterricht zitiert, der Lehrer nachfragt: Und warum glaubst Du, dass das für die wichtig ist? Mit der Rückfrage: Das müssen Sie doch wissen, wozu Sie uns das eigentlich Lehren.
Filmisch ist das Ganze am Ehesten mit Filmen von Andreas Dresen (mir kam beim Anschauen unmittelbar "Die Polizistin" in den Sinn) zu vergleichen: Sehr ruhig inszeniert, langsame Entwicklung, authentische Alltagsbeobachtung, die zum nachdenken über Grundsätzliches anregt.
Hinzugefügt am 16.02.2009 um 19:46 Uhr
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