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    Cannes erklärt "Melancholia“-Regisseur Lars von Trier zur "unerwünschten Person"
    Von Maren Koetsier — 19.05.2011 um 15:05
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    Lars von Trier ist nach seinen umstrittenen Äußerungen über Adolf Hitler von der Festival-Leitung in Cannes zur "unerwünschten Person“ erklärt worden. Sein Beitrag "Melancholia" ist aber nicht aus dem Wettbewerb ausgeschlossen worden und befindet sich weiterhin im Rennen um die begehrte Goldene Palme.

    Der Regisseur Lars von Trier ("Antichrist") ist in Cannes nicht mehr erwünscht. Die Organisatoren haben den Dänen für seine Äußerungen über Adolf Hitler von dem Filmfestival ausgeschlossen und mit sofortiger Wirkung zur "Persona non grata" - zur unerwünschen Person - erklärt. Sein Science-Fiction-Drama "Melancholia" mit Kirsten Dunst, John Hurt und Kiefer Sutherland ist weiterhin im Wettbewerb um die begehrte Goldene Palme. Der Filmemacher ist bereits in der Vergangenheit durch skandalöse Äußerungen aufgefallen. Diese Zurechtweisung könnte zukünftig weitere Folgen nach sich ziehen: Ob er noch einmal nach Cannes eingeladen wird, ist fraglich.

    Am Mittwoch hatte der dänische Regisseur in einer Pressekonferenz mit folgenden Worten für Aufregung gesorgt:  "Ich denke, [Adolf Hitler] hat falsche Dinge getan, ja absolut, aber ich kann ihn mir auch vorstellen, wie er zum Ende hin in seinem Bunker sitzt. Er ist nicht unbedingt das, was man einen guten Kerl nennt. Aber ich verstehe vieles an ihm und ich sympathisiere mit ihm." Danach erklärte er noch, wenn auch scherzhaft: "Ich war wirklich ein Nazi, weil meine Familie deutsch war… was mir gefiel."

    Trier entschuldigte sich noch am selben Abend wie folgt: "Ich bin weder antisemitisch, in keiner Weise rassistisch, noch bin ich ein Nazi." Die Festivalleitung hat sich trotzdem am Donnerstag zu einem außerplanmäßigen Treffen zusammengefunden und sich beraten. Die Leitung verkündete dann in einer Erklärung, dass "das Filmfestival in Cannes Künstlern aus aller Welt eine Plattform für ihre Arbeiten bietet und damit die Freiheit der Kreation verteidigt." Die Äußerungen von Lars von Trier seien inakzeptabel, intolerant und stünden im Gegensatz zu den Idealen von Humanität und Großzügigkeit.

    Lars von Triers Aussagen bei der Pressekonferenz in unseren "Cannes Dailies" (Minute 1:15 bis 3:06):

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    Kommentare
    • GonzoFist
      Gut dann ist der Begriff der falsche. Dann nenn mir den richtigen für das was ich gerade beschrieben habe. Mir geht es ja nicht um den Begriff, sondern um den Inhalt.
    • Venom
      zu von Trier geb ich dir vollkommen recht. Es war unangebracht und total bescheuert ausgedrückt. Zum Thema Hitler: für mich liegt die Tragik halt in der Sache selbst, wie eben schon beschrieben. Das Menschen derart fehlgeleitet sein können finde ich schockierend und es betrübt mich. Bei Hitler geht das sicher nicht soweit, dass ich mit ihm Mitleid empfinde. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass wenn ich - rein hypothetisch - seine ganze Lebensgeschichte bis ins kleinste Detail nachvollziehen könnte, dann würde ich sicherlich einiges entdecken was mich Mitleid empfinden lassen würde. Und natürlich ist dies ein Axiom, aber die Debatte wollen wir nicht noch führen glaub ich. :)
    • GonzoFist
      Ich glaube das Problem ist, dass der Begriff "Mitleid" nicht differenziert genug betrachtet wird. Ich zumindest meine mit Mitleid nicht die Form Empathie die ich ihm mit einem Schulterklopfen und tröstenden Worten wie "schade Adolf..vielleicht nächstes mal" entgegenbringen würde, sondern das Mitleid mit einer Person, die sich an eine kranke, sich selbst noch nicht einmal implizierende Welt- bzw Rassenideologie klammert, und sich und Millionen von Menschen, blind von Wahnsinn und Hass, in den Tod reißt.Da sage ich, dass ich Mitleid mit so einer verlorenen, geisteskranken Seele von Mensch habe.
    • Venom
      Denkst du nicht, dass das eine recht undifferenzierte Betrachtungsweise ist? Es gab mit Sicherheit einen "Mensch" Hitler, der das Produkt seiner Erfahrungen war. So wie alle Täter. Und genau diese Fixierung auf ihre Feindbilder und der unbeschreibliche Hass den diese Leute aufwiesen und -weisen macht sie zu tragischen Figuren. Dabei ist es am Ende egal, ob das ein Hutu mit der Machete ist oder ein Nazi. In ihrer Verblendung sind sie alle gleich und das ist auf jeden Fall tragisch. Für die Opfer, aber eben auch für die Täter selber. Das es immer Abstufungen in Einfluss, Vorgehen und daraus resultierend in Schuldfragen gibt, ist offensichtlich. Das ändert aber nichts an der Sache.
    • Ilja
      ehrlich gesagt denke ich, das du sie nicht kennst bzw. einfach nicht verstehen willst, wobei es ja generell kein großer akt ist, zu begreifen, das unter dem hakenkreuz-banner den menschen keine glückseligkeit gebracht wurde. und scheinbar verstehst du es als bruch gesellschaftlicher konventionen, einen "anderen blick" auf hitler & die seinen zu werfen, um ein "realitätsnäher(es)" bild von massenmördern, die noch in den letzten stunden aus ihrem hass keinen hehl machten oder ihre kinder vergifteten, zu zeichnen. dieses bild zu belegen bleibst du natürlich schuldig, weil du selbst nicht wissen wirst, wo man einen menschlicheren hitler auftreiben kann; du gehst im grunde nur davon aus, das es ihn gibt. denn niemand kommt böse auf die welt, was ja richtig ist und für alle menschen gilt, um im selben atemzug die barbarei als der menschlichen natur eingeschrieben zu erklären ("das ist einfach die menschliche Natur"), (aufklärung? {selbst-]erziehung? umfeld?) weil es ja auch einen bonaparte & die hexenverfolgung gab. (immerhin bleibt von dem einen noch der code civil, welchen der andere ja völlig außer kraft setzte.) aber gut, dass es irgendwo menschelnde nazis gibt, ist für dich scheinbar axiomatisch. aber vielleicht hast du ja doch exklusives material; der nette herr hitler vom obersalzberg oder so.
    • GonzoFist
      "Ich frage mich nur die ganze Zeit wie man Hitler als tragische, armselige Figur sehen kann! Das ist allein vom Ansatz her falsch, da Hitler alles andere als eine tragische Figur war und seinen Weg selbst in den Untergang geführt hat, der übrigens auch das gesamte deutsche Volk mitnehmen solle." Ja und genau deshalb ist er ja armselig und tragisch. das sind doch keineswegs positive Attribute. Mitgefühl und Mitleid sind zwei verschiedene Paar Stiefel.
    • Venom
      "Und entschuldige aber niemand kommt böse auf diese Welt und ich weigere mich, nur weil die Gesellschaft es mir vorschreibt, Hitler oder andere Nazis nicht aus anderen Perspektiven zu sehen." <-- Genau das ist der Punkt!!
    • Laure A.
      Ich kenne die Gründe und missbillige sie dennoch.
    • Ilja
      liegt vielleicht daran, das hierzulande das hakenkreuz nicht einfach als glückssymbol durchging, sondern schon von den völkischen als symbol "urarischen Weistums" (list) durchging, etwa bei den ariospohen wie v. list & v. liebenfels oder der thule-gesellschaft; rosenberg & himmler stießen später in das selbe horn. in der DAP wurde anfänglich eine nach links gedrehte swastika verwendet, die rechts gedrehte swastika hat sich später auf hitlers initiative durchgesetzt; er selbst schrieb das "im Hakenkreuz die Mission des Kampfes für den Sieg des arischen Menschen" liege. und wenn du selbst schon darauf anspielst das es in anderen kulturen eine völlig andere bedeutung hat, kannst du dir vielleicht selbst beantworten warum es hier gesetzeswidrig ist?!
    • Laure A.
      Ok, von Mitgefühl oder "sich-Informieren" über die Person Adolf Hitler und nicht nur was er der Welt antat(was schwer zu trennen ist, meinetwegen)mal abgesehen, geht es mir auf den Geist wie sensibel das Thema - ja, weltweit - angepackt wird. Dass ich mit einer Freundin während eines Besuches in London als "Nazi" beschimpft werde, ist mir unbegreiflich. Ich bin eher links orientiert und wer erhebt noch den Finger gegen die Franzosen wegen Napoleon oder der Kirche wegen der Hexenverfolgung. Es war nicht der üble Deutsche, sondern das ist einfach die menschliche Natur... Und diese zu meinem Bedauern recht junge Geschichte permanent als rotes Tuch zu degradieren, fördert eher das Unwissen. Wieso ist das Hakenkreuz noch verboten, auch wenn Swastikasymbole in anderen Kulturen tief verwurzelt sind und eine völlig andere Bedeutung haben? Und entschuldige aber niemand kommt böse auf diese Welt und ich weigere mich, nur weil die Gesellschaft es mir vorschreibt, Hitler oder andere Nazis nicht aus anderen Perspektiven zu sehen. Ist viel interessanter und auch realitätsnäher.Von Triers Aussagen waren nicht witzig und unangebracht aber vielleicht, hätte man ihn reden lassen, sachlich nachgefragt, wie es sich für adäquaten Journalismus, wäre das Ganze vermutlich kein so "toller" Skandal geworden.
    • antigandalf
      Ich frage mich nur die ganze Zeit wie man Hitler als tragische, armselige Figur sehen kann! Das ist allein vom Ansatz her falsch, da Hitler alles andere als eine tragische Figur war und seinen Weg selbst in den Untergang geführt hat, der übrigens auch das gesamte deutsche Volk mitnehmen solle. Von daher sind diese Atribute für Hitler historisch untragbar und sollten daher vermieden werden!
    • Ilja
      warum sollte man für die hitlers & goebbels eine empathische regung zeigen? die kaltblütigkeit, menschen als „unwertes leben“ zu deklarieren, sie gezielt aus der gesellschaft zu entfernen & letztendlich deren industriell organisierte vernichtung durchzuführen (durch die nürnberger rassegesetze war das ganze sogar quasi gesetzlich legalisiert), wird doch nicht dadurch konterkariert, das ein ach so mitleidiger, an parkinson (und wahrscheinlich demenz) erkrankter, schreihals in seinem bunker hockt, und, von jedem schuldbewusstsein frei, seiner sekretärin ins testament den „Haß gegen das letzten Endes verantwortliche Volk“ zu diktieren: „dem internationalen Judentum und seinen Helfern“. da spricht immer noch derselbe scheißkerl, der sechs jahre zuvor die „vernichtung der jüdischen rasse in europa“ ankündigte. die bedrängte kreatur ist nicht ein verhinderter anstreicher aus österreich – die bedrängten kreaturen sind die muselmänner, die, trotzdem befreit, den tod vor augen haben; ein siechtum zwischen leben & tot führen. bemitleidenswert ist das letzte aufgebot an alten & kindern, die von goebbels mit der aufgabe „dem Feind eine Schlacht zu liefern, wie sie einzig in der Geschichte dieses Krieges dastehen soll“ in den sicheren tod geschickt worden. „hat der lump verspielt. schade, dass wir ihn nicht lebend erwischt haben.“ schukow
    • Ilja
      sollte er tatsächlich mitleid empfinden, finde ich das moralisch schon fragwürdig. hitler & seine claqueure stellen keine mitleidigen figuren der geschichte dar; in ihrer wahnhaften und gegen jede rationalität abgedichteten welt war in den tagen des untergangs für die deutsche bevölkerung dasselbe schicksal vorgesehen, welches das massenmörderische treiben der nazis zuhauf in osteuropa hinterließ: verbrannte erde. nur durch gezieltes verweigern von speer ist der sog. nerobefehl nie konsequent umgesetzt worden. aus dem in der NS-ideologie verankerten grundsatz, im kampf zu triumphieren oder vernichtet zu werden, speist sich auch hitlers geisteshaltung, dass das deutschen volk durch die niederlage sein lebensrecht verwirkt habe & dem östlichen volk die zukunft gehöre, weil es sich im ringen beider völker durchgesetzt hat. oder in den worten goebbels, der auf die sch abzeichnende niederlage im totalen krieg, über die deutschen höhnte: „jetzt wird ihnen eben das hälschen durchgeschnitten“. magda goebbels, die angetraute des propagandaministers, opferte hitler letzten endes sogar ihre kinder: „Die Welt, die nach dem Führer und dem Nationalsozialismus kommt, ist nicht mehr wert, darin zu leben, und deshalb habe ich auch die Kinder mitgenommen, denn sie sind zu schade für das nach uns kommende Leben, und ein gnädiger Gott wird mich verstehen, wenn ich ihnen selbst die Erlösung geben werde (…)“
    • GonzoFist
      @Venom Ganz genau.
    • Venom
      Ich glaube wirklich der Mann ist einfach falsch verstanden worden. Mit Sympathien meinte er, mMn das er Mitleid mit Hitler als Opfer seiner eigenen Geschichte empfinden könne. Und mit dem Genie von Speer meinte er dessen "Leistungen" als Architekt. Ob man diese Meinungen teilen muss, das sei mal dahingestellt. Ich gebe euch allerdings recht, dass sie deplaziert waren. Ich persönlich sehe das nicht so schlimm, kann aber durchaus verstehen, wenn sich Leute darüber echauffieren.
    • DOA_DOA
      ich würde es einfach mal mit kontext versuchen. die antworten von triers kamen schließlich nicht aus heiterem himmel.
    • GonzoFist
      @Phoenix Versteh mich bitte nicht falsch, ich teile deine Verachtung gegen Hitler so wie es jeder andere vernünftige Mensch auch tut. Es soll auch nicht um Mitgefühl bezüglich seiner trauer gehen die er kurz vor seinem Ende gefühlt hat weil er seinen kranken Plan nicht verwirklichen konnte. Ich will nur sagen, dass von Trier meiner Ansicht nach eben nicht mit Hitler sympathisiert, sondern mit dieser traurigen, armseligen Figur mitfühlt.
    • antigandalf
      Hier fehlt dieser ''Gefällt mir'' Button, in dem falle würde er an Phoenix0 gehen ;)
    • antigandalf
      Ich weiß zwar nicht wie man auf die Idee kommt, dass Herr Trier sich mit Hitler großartig beschäftigt haben kann! Wie kann denn jemand, der sich angeblich mit Hitler beschäftigt hat solche Aussagen treffen? Wenn das Humor seien sollte, dann an vollkommen falscher Stelle! Humor über Hitler ist ja nicht verbotenes oder schlimmes, aber der Rahmen in dem dieser dargeboten wird ist das entscheidende, und ein Filmfestival in Cannes ist sicherlich nicht der richtige Ort dafür!
    • GonzoFist
      Man rückt sich selbst doch nicht ins rechtsextreme Lager, nur weil man Hitler Menschlichkeit zugesteht. Der Untergang führt ganz offensichtlich und absichtlich sympathische Züge der traurigen Figur Adolf Hitlers an und ich kann mich nicht erinnern, dass diesem Film jemals Nazitum oder Propaganda vorgeworfen wurde oder^^. wenn du auf das Geständnis anspielst, das Philosoph genannt hat, werden dir die Anführungszeichen wohl aufgefallen sein oder?
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