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    "Tote Mädchen lügen nicht": Deutsche Kinderärzte fordern Verbot der Netflix-Serie
    Von Markus Trutt — 07.07.2017 um 11:56
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    Mit der Suizid-Thematik und der expliziten Darstellung einer Selbstmordszene sorgte „Tote Mädchen lügen nicht“ schon für so manche Kontroverse. Nun spricht sich auch der hiesige Verband der Kinder- und Jugendärzte für ein Verbot der Serie aus.

    Netflix
    In „Tote Mädchen lügen nicht“ (Originaltitel: „13 Reasons Why“) erfahren wir, warum die Highschool-Schülerin Hannah Baker (Katherine Langford) Selbstmord begangen hat und wer Mitschuld an ihrer Entscheidung trägt. Aufgrund des sensiblen Themas und der drastischen Suiziddarstellung sind bereits einige Zuschauer und andere Besorgte gegen die Netflix-Serie Sturm gelaufen, die in ihr besonders für selbstmordgefährdete Jugendliche ein Risiko sehen. Nun schließen sich dieser Kritik auch die Mediziner des deutschen Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte an.

    So erklärte Dr. Josef Kahl, der Sprecher des Verbandes, dass man in der Serie „eine große Gefahr insbesondere für psychisch kranke und labile junge Menschen“ sehe (via BILD). Die Sorge sei groß, dass die Geschehnisse in der Serie, das junge Zielpublikum zu Nachahmertaten und somit ohnehin schon selbstmordgefährdete Teenager zum Selbstmord animieren könnten. Mit einigen schonungslosen und häufig unkommentierten Szenen missachte Netflix die bestehenden internationalen Richtlinien zur Darstellung und Behandlung von Suizid.

    Die Darsteller und Macher der Serie um Produzentin Selena Gomez sowie Streamingdienst Netflix verteidigten die Buchadaption in der Vergangenheit immer wieder gegen etwaige Vorwürfe und Proteste. Mit „Tote Mädchen lügen nicht“ wollten sie auf ein wichtiges Thema aufmerksam machen, dessen Ernst gerade durch die detaillierte Darstellung hervorgehoben werden soll. Um betroffene oder gefährdete Personen auf die Problematik aufmerksam zu machen, stellte Netflix den Folgen einen entsprechenden Warnhinweis voran, der in einigen Ländern nachträglich noch verschärft wurde. In Neuseeland dürfen junge Menschen die Folgen inzwischen sogar nur unter Aufsicht von Erwachsenen schauen.

    Ob Netflix nach den Bedenken der Ärzte hierzulande nun ebenfalls die Warnungen erweitert oder den Zugang zu den Episoden erschwert, ist noch unklar. Für die Video-On-Demand-Plattform entpuppte sich „Tote Mädchen lügen nicht“ wohl nicht zuletzt auch durch die kontroversen Diskussionen als Riesenerfolg. Derzeit wird bereits an einer zweiten Staffel gearbeitet, die 2018 veröffentlicht werden soll.



    Auch wir weisen darauf hin, dass Suizid kein Ausweg ist. Wenn deine Gedanken darum kreisen, dir das Leben zu nehmen, dann empfehlen wir dringend, dass du das Gespräch mit anderen Menschen suchst. Sprich mit deiner Familie oder deinen Freunden, einem Arzt oder Psychologen oder mit einer anderen Vertrauensperson darüber. Wenn du anonym bleiben willst, dann gibt es mehrere Angebote der TelefonSeelsorge, die nicht nur kostenfrei, sondern auch absolut vertraulich sind (und zum Beispiel auch nicht auf der Telefonrechnung auftauchen). Unter den Nummern 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 wird dir geholfen. Alternativ kann man sich auf der Webseite der TelefonSeelsorge auch einen Chattermin vereinbaren oder die Mailberatung in Anspruch nehmen. Auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention gibt es zudem eine Übersicht über weitere Beratungsstellen.
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