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    "Ash Vs. Evil Dead" abgesetzt! Mein Nachruf auf eine der besten Serien aller Zeiten
    Von Christian Fußy — 21.04.2018 um 14:33
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    Starz hat die Splatstick-Horrorcomedy-Serie „Ash Vs. Evil Dead“ nach drei Staffeln abgesetzt. Weil die Serie etwas ganz Besonderes war, möchte ich mich an dieser Stelle gebührend von ihr verabschieden.

    Starz

    Was viele bereits ahnten, ist jetzt eingetreten: US-Sender Starz wird „Ash Vs. Evil Dead“ nach der aktuellen dritten Staffel nicht mehr verlängern. Die Serie, die die Handlung der Sam-Raimi-Filme „Tanz der Teufel“, „Tanz der Teufel 2“ und „Armee der Finsternis“ fortsetzt, kämpfte bereits seit längerem mit schlechten Quoten, abgesehen von „The Missing“ handelt es sich um die zuschauerschwächste Show des Senders. Hauptdarsteller Bruce Campbell bedankte sich auf Twitter bei seinen Fans und bei Starz für die Möglichkeit, überhaupt drei Staffeln der Serie produzieren zu können und nannte seine Figur Ash Williams „die Rolle [seines] Lebens“.

    Somit wird das Finale der dritten Staffel, das bei uns ab 29. April 2018 auf Amazon Prime Video steht, auch das endgültige Serienfinale sein. Bruce Campbell erzählte bereits in Interviews, dass man schon im Vorfeld mit dieser Situation gerechnet habe und die letzte Episode wohl auch als endgültiger Abschluss der Geschichte funktionieren würde. Wie es mit dem „Evil Dead“-Franchise nun weitergeht und ob Campbell noch einmal in seine Paraderolle zurückkehren wird, ist an dieser Stelle offen. Es sieht nicht so aus, als würde sich ein anderer Sender um die Serie bemühen und auch ein vierter „Tanz der Teufel“-Film scheint derzeit ausgeschlossen (Update: Auf Twitter bestätigte Campbell inzwischen, dass er als Ash in Rente ist.)

    Da geht was ganz Besonderes zu Ende

    Auch wenn das Ende für „Ash Vs. Evil Dead“ nicht unerwartet kam, so ist es doch höchst bedauerlich. Die „Evil Dead“-Filme sind für mich noch weit vor „Star Wars“ und dem ganzen anderen Franchise-Krempel die wohl schönste und wichtigste Filmreihe überhaupt. Sam Raimi zog mit seinen Freunden Bruce Campbell und Rob Tapert aus in die Wälder von Tennessee und stellte mit seinem Low-Budget-Meisterwerk „Tanz der Teufel“ ein für alle Mal unter Beweis, dass Filmkunst keine Frage des Budgets ist, sondern in erster Linie des Durchhaltevermögens. Das verhalf dem jungen Filmemacher und seinem Star zu ultimativem Kult!

    Die Serie „Ash Vs. Evil Dead“ ist etwas Besonderes, weil die Verantwortlichen diesen Kult respektieren. Bruce Campbell und Sam Raimi wussten ganz genau, wie sie die Fans mit einer „Evil Dead“-Serie glücklich machen können – was gar nicht so einfach ist. Seit 1992 geisterte die Idee eines vierten Films in den Köpfen der Anhänger herum, jeder einzelne hatte wahrscheinlich eine andere abgefahrene Vorstellung davon, wie eine Fortsetzung der Geschichte auszusehen hat. Alle „Ash“-Jünger zufriedenzustellen schien ein Ding der Unmöglichkeit. Als die Pilotfolge der Serie dann 2015 anlief, hatte auch ich kurz vor dem Drücken des Play-Buttons auf Amazon Angst, dass mich nach Dekaden des Wartens eine herbe Enttäuschung erwartet. Was, wenn mein Traum von einer wöchentlichen Dosis Bruce-Campbell-Fratzengeballer zum Albtraum würde? Was, wenn meine geliebte Reihe denselben Weg einschlagen würde wie vor ihr „Terminator“ oder „Stirb langsam“, als fokusgruppengetestete Zombie-Version ihrer selbst, gespickt mit permanenten Verweisen auf alte Catchphrases und Humor von der Stange? Doch diese Ängste sollten der Vergangenheit angehören, kurz nachdem ich auf „Play“ gedrückt hatte.

    Was eine wilde Fahrt!

    Mutig, blutig, experimentierfreudig und mit halsbrecherischer Geschwindigkeit folgte in der ersten Staffel eine gnadenlos kreative Actionsequenz auf die nächste, immer begleitet von einem groovy 70er Jahre Soundtrack, der mit Musik von Deep Purple, Styx, Emerson, Lake & Palmer und Whitesnake nicht nur Mittel zum Zweck war, sondern auch gleichzeitig herausstellte, dass Ash seit seiner ersten Begegnung mit dem Bösen immer noch geistig in dieser Zeit feststeckt. Als Gegengewicht stießen die Newcomer Dana DeLorenzo und Ray Santiago als Sidekicks Kelly Maxwell und Pablo Bolivar zur Serie, die beiden spielten sich innerhalb kürzester Zeit in die Herzen der Fans und sind mittlerweile aus der Franchise nicht mehr wegzudenken – auch „Xena“ Lucy Lawless und in Staffel zwei Ted Raimi sowie Lee Majors erwiesen sich als echte Bereicherung. Das absolute Sahnehäubchen war für mich jedoch die Rückkehr von Cheryl-Darstellerin Ellen Sandweiss, die als Deadite-Schwester von Ash eine unglaubliche Präsenz ausstrahlte.

    Es ist einfach ein Jammer, dass eine Serie wie „Ash“, die mit den besten praktischen Effekten im TV-Bereich aufwartet und in der konstant versucht wurde, sich selbst zu übertreffen, so frühzeitig beendet wird – während woanders Cop- und Krankenhausserien endlos weitergehen, aber nichts anderes bieten als jede Folge die gleichen drei Handlungsstränge in denselben langweiligen Sets wie die Woche davor. Doch ich bin sehr froh, dass „Ash Vs. Evil Dead“ überhaupt in dieser Form existieren konnte, dass Starz der Show erlaubte, Woche für Woche so frech bis kackdreist über die vermeintlichen Grenzen des guten Geschmacks zu schlagen. Eine Version dieser Geschichte ohne meterhohe Blutfontänen, im Deckenventilator zerschredderte Kinder und entfesselten Fäkalhumor, der Adam Sandler vor Scham erröten und vor Neid erblassen lässt, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

    „Ash Vs. Evil Dead“ ist für mich bereits jetzt eine der besten Serien aller Zeiten und ich bin mir sicher, dass das Finale der Serie gerecht werden wird. Ich bin mir sicher, am Ende mit gutem Gefühl zurückblicken zu können, wie der Meister Bruce Campbell selbst, und zu sagen: Scheiße, was für eine wilde Fahrt! Schon jetzt sage ich: Danke für alles, Leute, und „Hail to the King, Baby“.

     

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