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    "Meisterdetektiv Pikachu": Deshalb ist Pokémon erfolgreicher als "Star Wars" und das MCU
    Von Benjamin Hecht — 10.05.2019 um 08:10
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    Mit „Pokémon Meisterdetektiv Pikachu“ läuft aktuell der erste Realfilm des größten übermedialen Franchises aller Zeiten in den Kinos. Wir erklären euch, wie sich der unglaubliche Erfolg der Taschenmonster erklären lässt.

    2019 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND LEGENDARY. ALL RIGHTS RESERVED.

    Es ist 1996 und die Menschen in Deutschland freuen sich – nicht nur über fetzige deutsche Hip-Hop-Tracks, sondern vor allem über den Sieg der Fußball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in England. Niemand ahnt, dass auf der anderen Seite des Planeten kürzlich ein Virus ausgebrochen ist, das innerhalb weniger Jahre die ganze Welt erobern würde: Am 27. Februar 1996 erscheinen die Pokémon-Editionen Rot und Grün in Japan. Die beiden Videospiele bilden heute das Fundament des finanziell erfolgreichsten übermedialen Franchises aller Zeiten, das sogar „Star Wars“, „Super Mario“, „Micky Maus“ und das gesamte MCU in den Schatten stellt.

    Es dauerte zwar drei Jahre, bis es die Pokémon auch nach Europa schafften, doch mit den überarbeiteten Neuauflagen der Spiele (wir kennen sie heute als Rote und Blaue Edition) machte das Pokémon-Fieber auch bei uns die Runde. Viele Faktoren trugen zur schnell wachsenden Popularität der knuffigen Wesen bei.

    Warum ist Pokémon so beliebt?

    Ein Grund für die schnell steigende Beliebtheit der Pokémon war die Hardware. Nintendos Game Boy, auf dem die Spiele liefen, war damals schon auf dem Markt etabliert und die bis dato meistverkaufte tragbare Konsole überhaupt. Bereits 1990 kam der Game Boy nach Europa. Marken wie „Tetris“, „Super Mario“, „Donkey Kong“ und „The Legend Of Zelda“ hatten dafür gesorgt, dass der mobile Spielekasten in keinem Gamer-Haushalt fehlen durfte. Nintendo nutzte die günstige Ausgangslage und streute mit den Pokémon eine Saat aus, die in den kommenden Jahrzehnten für reiche Ernte sorgen sollte.

    Dabei ging der Konzern äußert geschickt vor. In den 90er-Jahren traute die japanische Spieleindustrie den westlichen Konsumenten schlicht nicht besonders viel zu. Spiele wurden oftmals gar nicht erst in Europa oder Nordamerika veröffentlicht, weil sie zu schwer oder kompliziert für die dortigen Konsumenten schienen. Auch JRPGs (japanische Rollenspiele) fanden aus diesem Grund oft nicht den Weg in westliche Gefilde. Pokémon gehört diesem Genre zwar ebenfalls an, doch all die Grundmechaniken, die ein JRPG ausmacht, sind darin so vereinfacht, dass die Einstiegshürde minimal ist. Zwar gibt es durchaus eine gewisse strategische Komplexität, doch selbst jemand, der ohne jegliche Taktik immer nur blind auf Angriff setzt, spielt das Spiel früher oder später durch.

    Sammeln und Tauschen

    Das Durchspielen ist aber nur ein Teil des Spaßes. Viel interessanter sind die zahlreichen Pokémon, die sich in der Welt tummeln und sich fangen und trainieren lassen. So entwickeln sich zum Beispiel kleine Salamander mit der Zeit in feuerspeiende Drachen und ein unnützer Karpfen zu einer mächtigen Seeschlange. Das ist nicht nur unglaublich motivierend, sondern eignet sich auch hervorragend, um auf dem Schulhof anzugeben. Da werden seltene Pokémon schon mal zum vorpubertären Statussymbol.

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    Enton ist wie Pikachu eines der 151 Pokémon aus den ersten Videospielen.

    Doch nicht nur das: Nintendo erkannte früh das Potential der tierähnlichen Kampfmaschinen und konzipierte die Pokémon-Editionen von Anfang an mit einem starken Fokus auf gemeinsames Spielen mit anderen. Über ein spezielles Kabel ließen sich zwei Game Boys miteinander verbinden. So konnten befreundete Pokémon-Trainer nicht nur die Fertigkeiten ihrer Kreaturen im Kampf messen, sondern sie auch untereinander austauschen.

    Für Sammler war das auch nötig, denn die zwei unterschiedlichen Editionen hatten zwar dieselbe Handlung, doch manche Pokémon tauchten nur in einer der beiden Varianten auf. Wer alle der ursprünglich 151 Pokémon haben wollte, musste einen Freund haben, der einen Game Boy und die jeweils andere Edition besitzt (oder sich selbst beide Editionen und zwei Game Boys kaufen). Ein genialer Marketing-Coup und einer der Hauptgründe für die schnelle Verbreitung der Spiele.

    Mehr als nur ein Videospiel

    All das ist nur der Beginn einer einzigartigen Erfolgsgeschichte, die nun schon über zwei Jahrzehnte umspannt und deren Ende noch nicht in Sicht ist. Aktuell gilt Pokémon als das finanziell erfolgreichste medienübergreifende Franchise der Welt. Laut Wikipedia können weder das gesamte „Star Wars“-Franchise, noch das Marvel Cinematic Universe den Pokémon das Wasser reichen. Selbst das Mickey-Maus-Universum, das bereits seit 1928 existiert, muss sich geschlagen geben. Nun ist Wikipedia als Quelle natürlich mit Vorsicht zu genießen und wir haben versucht, die Informationen auf ihren Ursprung zurückzuverfolgen. Doch spätestens, wenn Berichte des japanischen Wirtschaftsministeriums auftauchen, sind wir mit unserem Latein - pardon: Japanisch - am Ende.

    Ob die geschätzten Gesamtumsätze der jeweiligen Franchises auf die Milliarden genau korrekt sind, können wir nicht versprechen. Dennoch halten wir es für sehr wahrscheinlich, dass Pokémon das erfolgreichste crossmediale Franchise überhaupt ist (zahlreiche Medien, unter anderem The Guardian, sind sich darin einig und haben die Wikipedia-Statistik als glaubwürdig eingestuft). Auch interessant: Der Hauptgrund für die enormen Einnahmen durch Pokémon sind wohl gar nicht die Videospiele – zumindest nicht direkt. Rund zwei Drittel der Gesamteinnahmen stammen offenbar von Merchandise-Produkten, wie zum Beispiel Plüschtieren. Die Pokémon sind als Kreaturen an sich einfach unglaublich beliebt.

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    Auch der Pokémon-Anime (hier ein Bild aus dem Film „Die Macht in uns“) hat viele Fans.

    Selbst wer nie eines der klassischen Videospiele gespielt hat, kommt um die knuffigen Biester eben kaum herum. Die seit 1997 laufende Anime-Serie, 21 animierte Kinofilme, und das populäre Sammelkartenspiel sind weitere Faktoren, die das Pokémon-Universum im Lauf der Zeit erweiterten und die Fanbasis vergrößerten.

    "Pokemon Go" und "Meisterdetektiv Pikachu

    Vor wenigen Jahren hätte man noch meinen können, das Thema Pokémon würde nur noch unter den Fans eine Rolle spielen und der Mainstream hätte die Kreaturen schon längst vergessen. Doch das Jahr 2016 belehrte uns eines Besseren. Mit dem Release der Mobile-App „Pokémon Go“ wurde der wohl größte Pokémon-Hype aller Zeiten heraufbeschworen. Mit ihrem Smartphone bewaffnet konnten die Nutzer in der echten Welt auf Pokémon-Jagd gehen und virtuelle Pokébälle auf die Wesen werfen, die sich nur auf dem Display zeigten, wenn die Person bestimmte Orte aufsuchte.

    Sowohl Fans jüngerer Generationen als auch Erwachsene, die die Geburtsstunde der Pokémon in den Neunzigern miterlebt hatten, begaben sich nun massenweise auf die Straßen – die einen aus kindlicher Begeisterung, die anderen aus nostalgischer Sehnsucht. Und auch Hollywood hat verstanden, dass Pokémon noch im Jahr 2019 eine mächtige Marke ist. Mit „Pokémon Meisterdetektiv Pikachu“ läuft seit dem 9. Mai 2019 der erste Pokémon-Spielfilm, der nicht vollständig animiert ist, sondern auch reale Elemente beinhaltet, in den deutschen Kinos. Pokémon betritt somit ein neues Terrain. Es wird sich zeigen, ob sich damit eine neue lukrative Sparte für das erfolgreichste crossmediale Franchise aller Zeiten öffnet…

    Anmerkung: Die Platzierung dieses Artikels ist gesponsert. Der Inhalt und die Themenwahl liegen komplett bei der Redaktion.

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