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    Die wahre Geschichte hinter "Gott, du kannst ein Arsch sein!": Pferd statt Road-Trip
    Von Björn Becher — 02.10.2020 um 17:35
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    Der aktuelle Kinofilm „Gott, du kannst ein Arsch sein!“ ist inspiriert von einer wahren Geschichte – unterscheidet sich aber deutlich von dieser. Den Road-Trip nach Paris gibt es nicht.

    Warner Bros.

    In „Gott, Du kannst ein Arsch sein!“ erfährt Steffi (Sinje Irslinger) kurz nach ihrem Realschulabschluss, dass sie Krebs und deswegen nur noch wenige Monate zu leben hat. Kurzerhand haut sie mit Ausreißer Steve (Max Hubacher) ab, um nach Paris zu kommen.

    Vorlage für den Film ist der gleichnamige Bestseller von Frank Pape. Der Seelsorger engagiert sich unter anderem in der Hospizarbeit und begleitete die echte Stefanie am Ende ihres Lebens. Pape ermunterte sie, eine Art Tagebuch zu führen, das einen Großteil des Buches ausmacht, das nun aber sehr frei verfilmt wurde, so dass es zahlreiche Unterschiede gibt.

    Zentrale Unterschiede

    Kein Road-Trip nach Paris: Stefanie nahm sich in einer To-Do-Liste viele Dinge vor, die sie noch erleben wollte – so auch eine Reise nach Paris (allerdings nicht fürs Erste Mal wie im Film). Zu der kam es aber nicht mehr – im Gegensatz zum Film. Der gesamte Road-Trip samt der Erlebnisse ist folglich fiktiv.

    Pferd als Therapie: In Wirklichkeit hatte die begeisterte Reiterin Stefanie in ihren letzten Wochen eine enge Verbindung zu ihrem Pferd – und zog deswegen auch auf den Hof von Seelsorger Pape, um in der Nähe der Stute zu sein – an deren Seite sie am Ende fast die ganze Zeit vebrachte.

    Chemotherapie statt Flucht: Steffi haut ab, als sie die Diagnose bekommt. Sie will nicht, wie von ihrer Mutter (Heike Makatsch) gefordert, sofort mit der Chemotherapie anfangen. In Wirklichkeit ging es für Stefanie sehr schnell nach der Diagnose mit der Chemo los.

    Husten statt Polizei-Gesundheitscheck: Apropos Diagnose. Im Film will Steffi bei der Polizei anfangen, beim Gesundheitscheck kommt ihre Erkrankung ans Licht. In Wirklichkeit machte ihr eine hartnäckige Erkältung zu schaffen, die sie erst für eine ganz normale Winter-Grippe hält. Als diese nicht weggeht, geht sie zum Arzt. Dazu war die echte Stefanie erst 15, Steffi ist 16 (sonst wäre ihr Saufgelage mit Jasmin Gerat wohl auch ein Problem für die FSK geworden).

    Kein Schulabschluss: Im Film macht Steffi zu Beginn ihren Schulabschluss, die echte Stefanie kehrte aufgrund ihrer Krankheit nicht mehr an die Schule zurück.

    Die verschiedenen Franks: Til Schweiger spielt in der Kino-Adaption von „Gott, du kannst ein Arsch sein!“ als Steffis Vater und Pfarrer Frank eine Mischung aus Seelsorger und Buchautor Frank Pape und dem Vater von Stefanie.

    Ein fiktiver Film mit Verweisen auf das Original

    „Gott, du kannst ein Arsch sein!“ ist so keine Verfilmung der wahren Geschichte, sondern ein fiktiver Spielfilm, der – wie es auch am Anfang steht – nur „inspiriert“ von der wahren Geschichte ist.

    So wird ein Kernthema des Buches auf die Leinwand gebannt: die Lust am Leben. Dafür wird aber viel geändert und auch die Krankheit weitestgehend ausgeklammert. „Stefanies letzte 296 Tage“ ist so der Untertitel des Buches, das einen viel größeren Zeitumfang hat als der Film, der sich innerhalb von wenigen Tagen nach der Diagnose ereignet.

    Für Buchkenner gibt es immer wieder kleine Verweise auf die Vorlage rund um den Road-Trip. Stefanies Liebe zu ihrem Pferd ist kurz zu sehen, wenn sie sich beim Aufbruch gen Paris von diesem verabschiedet. Dass Steffi unbedingt Polizistin werden will, ist ebenfalls ein Verweis auf die echte Stefanie, die in ihrem Tagebuch erzählt, wie sie einmal drei Wochen Praktikum bei der Polizei gemacht hat, was „total cool“ war und wonach für sie feststand, dass sie dort mal ihre Berufsausbildung machen will.

    Die FILMSTARTS-Kritik zu "Gott, du kannst ein Arsch sein!"

    Sogar das in der Adaption zentrale Abhauen findet sich als Motiv in der Vorlage. Wenn Stefanie im Buch den Moment der Diagnose beschreibt, erzählt sie, dass ihre Mutter „nervlich total am Ende ist“ und „jetzt alles ganz schnell gehen muss“ (wie im Film), aber sie selbst „musste hier raus und brauchte dringend Luft“. Allerdings ging sie dafür zu ihrer Stute Luna und klaute kein Auto, um zu flüchten….

    Dass die Film-Steffi mit ihrem herzensguten Langzeit-Freund Fabi Paris endlich das erste Mal erleben will, ist übrigens wohl auch nicht grundlos im Film – auch die Buch-Stefanie war zum Zeitpunkt der Diagnose über beide Ohren in ihren „Traumboy“ Justus verliebt, der auch nur Augen für sie hatte.

    „Gott, du kannst ein Arsch sein!“ läuft seit dem 1. Oktober 2020 in den Kinos. Das Buch „Gott, du kannst ein Arsch sein: Stefanies letzte 296 Tage“ gibt es unter anderem bei Amazon. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels aber gerade nur noch als Kindle eBook:

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