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    Die "Obi-Wan"-Macherin verrät uns ihren "Star Wars"-Trick: So gelingt der Spagat zwischen Fanservice und guter Story
    Benjamin Hecht
    Benjamin Hecht
    -Redakteur
    Liebt Episode I-VI, „Clone Wars“ und „The Mandalorian“. Die Sequel-Trilogie war für „Star Wars“-Fan Benjamin aber eine riesige Enttäuschung.

    Mit „Obi-Wan Kenobi“ startet schon in wenigen Tagen die neue „Star Wars“-Serie auf Disney+. Im FILMSTARTS-Interview verrät uns Regisseurin Deborah Chow ihre wichtigsten Inspirationsquellen, ob eine Staffel 2 für sie in Frage kommt und vieles mehr.

    Deborah Chow hat als Regisseurin bereits an vielen beliebten und von der Kritik gefeierten Serien mitgearbeitet. Sie führte Regie bei einzelnen Episoden von „Mr. Robot“, „Fear The Walking Dead“, „Better Call Saul“, den Marvel-Serien „Iron Fist“ und „Jessica Jones“ sowie bei zwei Folgen der „Star Wars“-Serie „The Mandalorian“. Ihr bisher größter Auftrag führte sie nun erneut in die weit, weit entfernte Galaxis: Bei der kommenden Disney+-Serie „Obi-Wan Kenobi“, die am 27. Mai startet, hat Deborah Chow alle Folgen inszeniert.

    Vor Kurzem war die „Star Wars“-Regisseurin zu Besuch in der FILMSTARTS-Redaktion und stellte sich den Fragen unseres Video-Redakteurs Sebastian. Im Interview spricht Deborah Chow über die Rückkehr von Ewan McGregor, und die neuen Bösewicht*innen und welche Filme „Obi-Wan“ beeinflusst haben. Ganz am Ende verrät sie außerdem, mit welcher einfachen, aber genialen Frage sie darauf geachtet hat, dass es ihre „Star Wars“-Serie mit dem Fanservice nicht übertreibt.

    ›› "Obi-Wan Kenobi" bald bei Disney+*

    Das Interview könnt ihr euch im Video ansehen, wo Sebastian zwischen den Fragen auch einige Zusatzinformationen einstreut. Falls ihr aber lieber lest, haben wir das reine Interview hier aber auch noch in schriftlicher Form für euch.

    Das Interview mit "Obi-Wan Kenobi"-Regisseurin Deborah Chow

    FILMSTARTS: Wie hat es sich angefühlt, diejenige zu sein, die diese ikonischen Figuren, also Obi-Wan Kenobi und Darth Vader, zurückbringt?

    Deborah Chow: Es war herausfordernd. Größtenteils weil sie so ikonisch sind und wegen des Vermächtnisses dieses Projekts. Es spielt zwischen zwei Trilogien und diese Figuren wurden von George [Lucas] erschaffen. Es gab also eine enorme Verantwortung, aber zugleich war es auch unglaublich aufregend und eine Ehre, deren Geschichten zu erzählen.

    FILMSTARTS: Ohne uns in Spoiler-Gefahr zu begeben: Was gibt's Neues bei Obi-Wan?

    Deborah Chow: Wir befinden uns zehn Jahre nach „Die Rache der Sith“. Das ist tatsächlich eine sehr interessante Zeit in seinem Leben. Die Order 66 ist noch nicht so lange her. Er glaubt, Anakin getötet zu haben und die meisten Jedi wurden getötet oder verstecken sich. Wir setzen an diesem Punkt an, wo die Welt um ihn herum sehr düster ist: Aber auch auf der persönlichen Ebene trägt er eine enorme Last in dieser Serie. Es ist interessant, mit der Figur dort zu starten, wo sie sich in einem so finsteren Zustand befindet.

    FILMSTARTS: Wie war es für Ewan McGregor? Er hat Obi-Wan in drei Filmen verkörpert. Jetzt ist er nach langer Zeit wieder zurück. Fühlte es sich natürlich für ihn an, in diese Welt zurückzukehren?

    Deborah Chow: Er machte einen sehr natürlichen Eindruck. Wir machten einen Kameratest und das erste Mal, als er im Kostüm seiner Figur ans Set kam, schlüpfte er mühelos hinein. Für mich war es sehr besonders. Ab dem Moment, als er ans Set kam, dachte ich mir: „Das ist es. Das ist die Serie.“ Er ist diese Figur in einer solch essenziellen Art und Weise. Es war einer dieser Momente, wo ein Schauspieler und eine Figur in genau der richtigen Rolle zusammenkommen.

    FILMSTARTS: Du wirst uns DEN ikonischen Kampf überhaupt zurückbringen: Anakin vs. Obi-Wan. Wie bist du da herangegangen?

    Deborah Chow: Darth Vader zurückzubringen haben wir nicht auf die leichte Schulter genommen. Man trägt da diese Verantwortung und will ihn nur zurückbringen, wenn man ihn auch wirklich braucht. Ich habe mich immer auf die Geschichte fokussiert und wenn man sich Obi-Wans Leben anschaut und all das, was in den Prequels geschehen ist und dann auch in „Eine neue Hoffnung“, dann wird klar: Anakin und Darth Vader spielen einfach eine solch zentrale Rolle in [Obi-Wans] Leben, vor allem emotional. Also fühlte es sich für uns sehr natürlich an, dass er Teil der Geschichte würde. Vieles, was wir in dieser Serie aufarbeiten, dreht sich um diese beiden.

    FILMSTARTS: Zum ersten Mal in der „Star Wars“-Geschichte erwarten uns auch Live-Action-Inquisitoren. Wie habt ihr diese in die Handlung integriert?

    Deborah Chow: Die haben in diesen Teil der Timeline sehr natürlich reingepasst. Zu dieser Zeit haben sie Jedi gejagt und sie sind Vader und Palpatine unterstellt. Es macht Sinn, sie dabei zu haben. Es war sehr aufregend, die Figuren, die Dave [Filoni] in „Rebels“ eingeführt hat, in eine Realserie zu übertragen. Es gibt da außerdem diese neue Inquisitorin namens Reva, die von Moses Ingram gespielt wird. Es war besonders reizvoll für mich, an einer jungen weiblichen Bösewichtin zu arbeiten.

    Disney+

    FILMSTARTS: Wie half dir die Stagecraft-Technologie als Regisseurin dabei, diese Serie zu inszenieren? [Anm. der Red.: Stagecraft ist eine noch recht junge Technologie, bei der die Schauspieler*innen statt vor Greenscreens vor riesigen LED-Wänden agieren, auf denen die Hintergründe bereits beim Dreh dargestellt und nicht erst im Nachhinein in der Post-Produktion eingefügt werden.]

    Deborah Chow: Ich habe das geliebt. Als wir das bei „The Mandalorian“ gemacht hatten, war das gerade noch im Entstehen. Das war eine der ersten Serien, die das angewandt hat. Doch mit jedem Jahr entwickelt sich diese Technologie weiter. Ein paar Sachen, die wir in der ersten Staffel „Mando“ noch nicht machen konnten, konnten wir jetzt machen. Es war also sehr aufregend, diese Serie mit Stagecraft zu inszenieren, denn als Regisseurin dachte ich selbst in der Entwicklungsphase viel darüber nach, wie sich das in Stagecraft übersetzen ließe. Ein faszinierender Prozess und ich glaube, für „Star Wars“ ist es das, was es uns überhaupt erst erlaubt hat, Serien zu produzieren, die ja ein geringeres Budget und eine kleinere Größenordnung haben [als Filme].

    FILMSTARTS: Was sind deine Inspirationsquellen für diese Serie? Wir haben in „The Mandalorian“ etwa viele westliche und östliche Einflüsse gesehen... Was ist es diesmal?

    Deborah Chow: Ich sehe „Star Wars“ immer als etwas, dessen DNA in Western und Samuraifilmen verwurzelt ist. Das ist immer der Prüfstein, zu dem wir zurückkehren, insbesondere [die Filme von Akira] Kurosawa. Darauf achte ich immer. Der Unterschied ist, dass „The Mandalorian“ sich für mich eher wie ein klassischer Western oder ein klassischer Samuraifilm anfühlte. Mit dieser Serie nutzte ich zwar auch diese Western- und Samuraielemente, aber ich orientierte mich eher an denen mit einer poetischeren Atmosphäre. Filme wie „The Proposition“ oder „Die Ermordung des Jesse James“, wo zwar ein Western erzählt wird, aber emotionaler, atmosphärischer, rauer.

    Bodega Films

    FILMSTARTS: Gibt es nach „The Mandalorian“ und „Obi-Wan“ noch ein anderes „Star Wars“-Projekt, das du gerne angehen würdest, oder brauchst du erstmal eine Pause und willst etwas anderes machen?

    Deborah Chow: Ich brauche auf jeden Fall erst einmal eine Pause, aber ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich denke, eine der aufregendsten Sachen am Streaming in Verbindung mit „Star Wars“ und anderen Franchises, ist, dass es das Universum öffnet. „Star Wars“ ist ein sehr gutes Franchise dafür, weil es eine sehr lange Timeline hat und wir Projekte in unterschiedlichen Zeitperioden umsetzen können, und außerdem ist es eine riesige Galaxis. Ich glaube, da gibt es sehr viele Geschichten zu erzählen, und es ist spannend zu verfolgen, wie andere ihre unterschiedlichen Perspektiven dort einbringen.

    FILMSTARTS: Wünscht du dir eine zweite Staffel oder siehst du „Obi-Wan“ nur als Mini-Serie? 

    Deborah Chow: Wir haben das wirklich nur als eine große Geschichte konzipiert, mit einem Anfang, einem Mittelteil und einem Ende. Aber natürlich kann man niemals nie sagen bei solchen Sachen. Aber es wurde wirklich nur als spezielle in sich abgeschlossene Mini-Serie konzipiert.

    "Star Wars"-Chefin bestätigt: Staffel 2 von "Obi-Wan Kenobi" ist möglich – unter folgender Bedingung

    FILMSTARTS: „Star Wars“ hat eine so große Fanbase. Wie gehst du damit um, besonders dann, wenn man jemanden wie Obi-Wan Kenobi zurückholt?

    Deborah Chow: Das kann schon intensiv werden. Die Fangemeinde ist leidenschaftlich und besonders bei einem Projekt wie diesem spürt man die Verantwortung und das Gewicht. Jeder Abteilungschef, den ich hatte, fühlte das genauso. Ich habe nie zuvor an etwas gearbeitet, wo jedes einzelne Detail so wichtig war, weil es vermutlich jemanden geben würde, der einen Screenshot macht und dir erzählt, dass du es falsch gemacht hast. Man möchte sich aber auch nicht in diesen Details und diesem Fanservice verlieren, dass sich die Serie bloß noch darum dreht. Wir haben uns aufs große Ganze fokussiert und ich und Autor Joby [Harold] haben uns regelmäßig gefragt: „Wenn wir ‚Star Wars‘ da herausnehmen würden, würde es immer noch funktionieren?“

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