UNGEBREMST
New York City 1998: Hank (Austin Butler) hält ein Auge auf die Katze von Nachbar Russ (Matt Smith), der wegen seines kranken Vaters nach Großbritannien abreisen musste. Kaum ist der Punker fort, dringen düstere Gestalten gewaltsam in seine Wohnung ein und verwickeln Hank in üble Machenschaften. Dessen Freundin Yvonne (Zoë Kravitz) sowie Detective Roman (Regina King) setzen sich für ihn ein.
Darren Aronofsky ist als Regisseur, Autor und Produzent einer der Großen der Filmbranche. Oft hat er bei Spielfilmen beachtenswerte Marken gesetzt, hier sei „Black Swan“ (2010) oder der polarisierende „Mother!“ (2017) genannt, zuletzt „The Whale“ (2022).
Ein erfahrenes Team arbeitet zusammen: Aronofsky, Kameramann Matthew Libatique und Editor Andrew Weisblum setzen nach vielen gemeinsamen Projekten auf eine Crime-Story, betitelt nach einem Fachbegriff aus dem Baseball. Kein Wunder, dass „Caught Stealing“ perfekt geschnitten, herausragend bebildert im Stil der 1990er-Filme wie aus einem Guss die Leinwand verziert, untermauert von einem flotten, umfangreichen Soundtrack. Unterm Strich sieht alles nach viel Handarbeit aus: Dreck, Gewalt (FSK 16), keine Superkräfte, keine fantastische Ebene. Darin gibt Aronofsky dem Aufbau des Hauptcharakters genügend Platz.
Wie ein Gulli erzeugt die Handlung einen Sog, dem sich das Publikum nur schwer entziehen kann, wenn Hank, einst ein Baseball-Talent, immer tiefer in die Fänge der organisierten Kriminalität gerät, was er seelisch schwer verkraftet; eine fiese Wendung verstärkt diesen Effekt. Die Action beinhaltet diverse Situationen, die den Filmtitel bestätigen, weil sie der einen oder anderen Seite knapp aus der Hand gleitend, für die Zuspitzung der Lage sorgen.
Das Schwarzhumorige von „Caught Stealing“ wird durch die Schrägheit der Nebenfiguren und deren Taten begründet. Über die Stellschrauben der zunehmenden Fesselung geschieht hier eine Niveau-Angleichung, die zwar für ordentliches Entertainment sorgt, aber ein Stück weit das gesunde Maß verfehlt, denn was im vorderen Abschnitt an Realität vorhanden ist sowie an Komik zu kurz kommt, wird später per gewollter Ausschmückung etwas verzerrt, eigens der Auftritt der jiddisch sprechenden Brüder Shmully und Lipa (Vincent D’Onofrio, Liev Schreiber) sei erwähnt. Aronofsky, selbst mit jüdischem Hintergrund, inszeniert hier voller Hingabe.
Mit „Caught Stealing“ liefert Darren Aronofsky einen imposanten Thriller mit der besonderen Portion Spaß.