„Memento Mori.“
Als Danny Boyle 2025 zum „28… Later“-Franchise zurück kehrte, waren Erwartungen von Fans definitiv groß. Er drehte 2002 einen der besten Zombie-Filme des 21. Jahrhunderts, 2007 wurde das junge Franchise dann durch „28 Weeks Later“ zu Grabe getragen. Doch 2025 wurde die blutige Filmreihe mit „28 Years Later“ zu neuem Leben erweckt. Ich persönlich fand den Film äußerst unterhaltsam an einigen Stellen, an anderen ziemlich schwach, dennoch würde ich sagen, dass „Years“ sehenswert ist! Doch der Film endete mit einem klaren Cliffhanger und dem Versprechen, dass wir eine Trilogie von Filmen bekommen werden. Jepp… Fast 20 Jahre passiert nichts mit dem Franchise und plötzlich kommen gleich zwei Filme innerhalb eines Jahres. Denn Teil 2 der „Years“-Trilogie erschien Anfang 2026 mit dem Untertitel „The Bone Temple“. Hier muss man leider die Marketingabteilung des Films rügen: Januar? Der Monat für den Müll, den Hollywood sonst nicht veröffentlichen will. Und dann dauert es nur ein halbes Jahr, bis der nächste Film kommt? Nicht, dass ich mich da wirklich beschwere, aber ich war etwas perplex und viele andere dachten sicherlich, dass dies derselbe Film vom Sommer 2025 war. Infolgedessen spielte „The Bone Temple“ deutlich weniger an den Kinokassen ein. Und das ist eine Schande, denn ich finde, dass dieser Teil ein ganzes Stück besser ist als der erste… viel besser!
Spike ist nun bei den brutalen und blondierten Jimmys, eine religiöse Killersekte, die den Satan (Old Nick) anbeten. Der kleine Spike muss sich dem blutrünstigen Wahnsinn anschließen, um zu überleben. Währenddessen schließt Dr. Kelson Freundschaft mit einem der Infizierten: Dem Alpha Samson…
Die Regie für „The Bone Temple“ übernahm Nia DaCosta, die bisher eine eher wilde Filmografie aufweisen kann. Sie drehte Dramen, den Horrorstreifen „Candyman“ von 2021 und den hart kritisierten Superhelden-Blödsinn „The Marvels“. Doch für „The Bone Temple“ arbeitete sie mit Alex Garland zusammen, der wie auch beim ersten Film das Drehbuch schrieb.
Es ist wirklich beeindruckend, wie intim und gleichzeitig lebendig dieser Film ist. Teil 1 begeisterte durch eine eine eindrucksvolle und experimentelle Optik und Präsentation, „The Bone Temple“ ist da eher etwas verhalten, aber dennoch stilistisch eindrucksvoll. Was Teil 2 jedoch deutlich besser umsetzt, ist die Story und ihre Figuren. Sowohl die vermeintlichen Antagonist*innen als auch die vermeintlichen Protagonist*innen sind allesamt sehr authentisch und trotzdem extrem unterhaltsam. Die beiden Highlights sind Ralph Fiennes, der wieder als Dr. Kelson auftritt und Jack O´Connell, der als psychopathischer Jimmy Crystal nicht selten die Show stiehlt. Beide sind wunderbare Gegensätze in der Story, der eine ein fundamentalistischer und fanatischer Mörder, der andere ein warmherziger, empathischer und intelligenter Mann der Wissenschaft.
Weiterhin erforscht „The Bone Temple“ Ideen, die für das Genre zwar nicht untypisch sind, aber selten so gut und kraftvoll umgesetzt wurden. Und das alles ist eingebettet in vollkommen absurde, aber äußerst unterhaltsame Szenen, wie der Iron Maiden-Song „The Number of the Beast“!
Und obwohl der Film einiges offen lässt für den finalen dritten Teil (der hoffentlich auch ganz schnell wieder in die Kinos kommt), ist „The Bone Temple“ ein rundes und abgeschlossenes Kapitel in dieser Trilogie mit einem tollen Finale.
Der Cast ist durchweg klasse! Selbst Schauspielgröße Fiennes wirkt nicht wie ein Star, der seinen Scheck einlöst, sondern wie eine echte Figur, die in dieser Welt lebt. Das Gleiche gilt für alle anderen und das liebe ich. Ein großes Kompliment geht auch an Chi Lewis-Parry als großer Samson, der mit seiner körperlichen Präsenz wirklich abliefert.
Der Film ist wie gesagt ebenfalls eindrucksvoll gefilmt und bietet einige blutige und verstörende Momente. Und der Score von Hildur Guðnadóttir ist kraftvoll und stimmig.
Fazit: Ich bin wirklich überrascht und das positiv. Genau das hatte ich mir vom ersten Teil erhofft, aber besser spät als nie. „The Bone Temple“ ist wirklich ein tolles und unterhaltsames Sequel mit Klasse, starken Figuren, blutigen Momenten und eindrucksvollen Bildern. Möge Teil 3 diese Qualität bewahren!