Power Ballad - Der Song meines Lebens
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FILMGENUSS
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2,5
Veröffentlicht am 9. Juli 2026
SPIEL MIR DAS LIED VOM ERFOLG
von Michael Grünwald /

Film und Musik gehen besonders bei einem Mann zusammen, der das Songwriting ins Scriptwriting immer hat einfließen lassen – und umgekehrt: John Carney. Der irische Filmemacher, der mit dem Hit Falling Slowly aus dem Film Once Oscar-Geschichte geschrieben und mit Can A Song Save Your Live? in meinen Augen einen der besten modernen Musikfilme herausgebracht hat, mit Mark Ruffalo und einer nicht nur musikalisch begnadeten Keira Knightley, betont nun in seinem neuesten Film Power Ballad – Der Song meines Lebens erneut, wie schwierig es ist, ein gutes Lied zu komponieren. Denn da müssen so einige Faktoren zusammenkommen: Harmonierende Lyrics, ein mitreißendes Tempo, ein spannender Rhythmus und vor allem aber ein einprägsamer Refrain.

Nicht jeden küsst die Muse

Songwriting kann somit nicht jeder, und oft auch kein Superstar, denn die lassen schreiben, interpretieren bewährte Klassiker neu und haben ein ganzes Label im Rücken, das alles dafür tut, um die Jahrhundertnummer, die vielleicht gar keine ist, groß rauszubringen.

Songwriting alleine reicht aber nicht. Es ist wie mit einem guten Skript – dafür einen Verlag zu finden, mag eine Lebensaufgabe bleiben. So ähnlich geht’s Paul Rudd als verkanntes oder unerkanntes Genie, das mit seiner Band auf Hochzeiten aufspielt und da nur Lieder schmettern darf, die ohnehin jeder kennt. Beim selbstverfassten Stoff jedoch zerstreut sich das Publikum, und hätte die Schicksalsfee mit sogenanntem Rick Power kein Mitleid gehabt, wäre es nie zu einem Zusammentreffen mit ihm und einem Ex-Boyband-VIP namens Danny Wilson gekommen, der den einstigen Ruhm für eine Solokarriere nutzt, für die noch der eine, ganz bestimmte Song wohl fehlt. Die Nummer, die an die Spitze der Charts kommen soll.

Gelegenheit macht Diebe

Die kreative Synergie zwischen den beiden dauert einen ganzen Abend, die beiden verstehen sich prächtig – bis einige Zeit später passiert, was fast schon passieren muss: Der Star hat Powers Song geklaut. Eben jene ganz persönliche Nummer, die dieser in jovialer Bereitschaft, den ruhmreichen Musikerkollegen zu inspirieren, ganz privat ins Klavier gehauen hat. Was also tun? Die Rechte einfordern? Danny Wilson zur Rede stellen? Doch wo ist überhaupt der Beweis, dass der Song aus Powers Feder stammt?

Um welche Werte geht es hier?

Zwei Karrieren, zwei Seiten einer Medaille. Der überbordende Erfolg und das überschaubare Handwerk eines Event-Musikers. Dort die Gunst, da der Neid. Power Ballad ist John Carneys wohl tragikomischste Regiearbeit – aber auch die vorhersehbarste. Wie umgehen mit geistigem Eigentum, wie verteidigen? Es ist ein Ringen um Gelegenheiten, die man entweder verpasst hat oder nicht. Sierger ist der, der den Plagiator zum Geständnis – oder den Urheber zur Resignation bringt.

Ums Geld geht’s da schon lange nicht mehr – oder doch? So klar ist sich Carney in seinem Duell der Barden in Sachen Beweggründe nicht wirklich, auch wenn es so scheint, als hätten beide ihre aufrichtigen Gründe dafür, zu tun, was sie eben tun müssen. Ein bisschen verliert sich diese Doppelconference im Leerlauf, als würde man gerade im Mittelteil eines Songs einem längeren Intermezzo beiwohnen, das diesen aber nicht verbessert. Paul Rudd, sowieso immer grundsympathisch, als Ant-Man ein Volltreffer fürs Marvel-Universum, mag als übervorteiltes Talent seine Rolle selten richtig ernst nehmen, während Nick Jonas das Austauschsternchen mimt.

Wie man Stars zur Rede stellt

Ich erinnere mich bei Power Ballad an den Kabarettfilm Freispiel des Österreichers Harald Sicheritz – mit Alfred Dorfer und Lukas Resetarits in den Hauptrollen. Der eine ein erfolgloser Musiklehrer, der gerne Songwriter wäre – der andere ein Schlagerstar, der es sich gerichtet hat. Dieser Schlagabtausch der beiden mag nur eine etwas längere Szene in diesem Film sein, doch bringt Sicheritz in diesem Moment den Konflikt der beiden auf eine psychologisch konnotierte Ego-Bühne. Diese satirische Zuspitzung wäre in Power Ballad wohl die Würze gewesen. Doch das seichte Abenteuer zweier Iren (Peter McDonald als Rudds schräger Buddy ist mit von der Partie) in Los Angeles ist wichtiger als der persönliche Konflikt.

Immerhin, Power Ballad macht Laune, weil er vorne und hinten nicht wehtut. Den mitreissenden Esprit aber, den John Carney früher oft hatte, den mag man hier vergeblich suchen.

Spiel mir das Lied vom Erfolg

Und was ist mit dem Song, um den es hier geht? Man mag How to Write a Song (Without You) nach Sichtung des Streifens dank wiederholter Wiedergabe noch einige Stunden im Ohr haben, doch dann verpufft er – was daran liegt, dass dieser nicht jene Raffinesse aufweisen kann, die Falling Slowly in Once damals hatte. Nicht immer lässt sich für einen Film wie diesen ein Welthit schreiben. Da sieht man wieder, wie schwer es ist, so etwas hinzubekommen. Power Ballad entlarvt sich also selber auf eine Weise, und tut alles, um sein Lied als eine ganz große Nummer zu verkaufen.



Mehr Reviews und Analysen gibt's auf !
Brodie1979 ..
Brodie1979 ..

170 Follower 628 Kritiken User folgen

2,5
Veröffentlicht am 22. Juni 2026
Ein Film ohne ein Genre. Paul Rudd gibt einen charmanten Loser und Sänger einer Hochzeitsband, der einem Star seinen besten Song verrät und dann erleben muß, wie der mit dem Ding durch die Decke geht und nach einer Möglichkeit sucht, zu seinem Recht zu kommen. Der Film legt sich aber in keine Richtung fest: das alles hätte als Stoff für ein Drama, für eine Komödie und . sogar für einen Thriller getaugt. Der Film plätschert aber unorientiert vor sich hin und legt sich niemals fest, was er eigentlich sein will. Mit der Lauflänge von gerade mal 99 Minuten ist er zwar vorbei bevor er nervt, entlässt aber eher unzufrieden.

Fazit: Viel Musik und mit leichter Stimmung, aber ohne einen Schwerpunkt in den die Story laufen soll!
White Tiger
White Tiger

1 Follower 63 Kritiken User folgen

3,0
Veröffentlicht am 9. Juni 2026
Ein netter Musikfilm für einen unterhaltsamen Kinoabend. Ja, der Song hätte noch etwas stärker sein können, aber alles in allem mochte ich die Story und die Darsteller.
Oliver Stozno
Oliver Stozno

7 Kritiken User folgen

4,0
Veröffentlicht am 29. Juni 2026
Okay, die Songs von "Can a Song Save Your Life?" haben mehr Klasse, als der hier gebotene "Welthit" "How To Write A Song Without You", aber der Film funktioniert trotzdem. Die Paul Rudd Version des Hits ist natürlich die bessere, aber das ist gar nicht so wichtig. Es geht doch vielmehr um den Weg des sympathischen Hauptdarstellers zu dem was eigentlich zählt im Leben. Es macht viel Spaß Paul Rudd auf diesem Weg zu begleiten - bestimmt auch mehr als einmal.
Ralph Rexhäuser
Ralph Rexhäuser

2 Kritiken User folgen

3,0
Veröffentlicht am 9. Juni 2026
Überzogen, klischeehaft, aber dennoch unterhaltsam. Kein Brüller von Film, aber dennoch solide gemacht. Speziell die Kamerafahrten beim Wechsel von Hochzeitsbühne zu Konzertsaal sind gut gelungen. Das Publikum in Sneak-Vorstellung fand den Film mehrheitlich gut. Das Schwächste im Film ist tatsächlich der vermeintliche Welthit, den man nach der Vorstellung doch allzu schnell wieder komplett vergessen hat.
Marius Redlinski
Marius Redlinski

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4,0
Veröffentlicht am 23. Juni 2026
Ich fand ihn super - leichtes, unkompliziertes Kino. Nicht anstrengend für den Kopf und doch mit guter Emotion. Das offengelassene Ende finde ich super. Ein fixer Abschluss würde das alles kaputtmachen
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