EINEN TOTEN TÖTEN? TOT IM QUADRAT?
Acht Jahre nach ihrer Entführung in Kairo taucht Katie plötzlich wieder auf. Die Familie lebt inzwischen in New Mexico und fällt aus allen Wolken. Sie lebt, mehr oder weniger. Denn Katie hat die ganze Zeit in einem uralten Sarkophag verbracht. Statt Klinik, Spezialisten oder irgendwas mit gesundem Menschenverstand heißt es, ab nach Hause, Familie regelt das schon.
Lee Cronins The Mummy geht ca. 135 Minuten und ist ab 18 Jahren freigegeben. Wir haben hier einen Horrorfilm, der atmosphärisch einiges richtig macht. Die Stimmung sitzt, die Mythologie hat Biss und das Übernatürliche funktioniert am besten, wenn man einfach sagt „Ja gut, schweben, Zehen unter Türen ablecken, Magie, wird schon so sein also Hirn aus.“
Leider gilt das nicht für den Rest. Denn der Film stapelt Logiklöcher wie andere Leute Bauklötze. Papa Charlie jagt jemanden durch einen Sandsturm, als hätte er Scheibenwischer auf den Augen. Im Haus wird unter dem Teppich Blut entdeckt und keinen juckts. Es wird sich durch die Decke gegraben und keinen juckts. Das Loch ist später übrigens weg. Dazu kommt ein extrem nerviger Erzähltrick, immer wenn etwas eskaliert oder spannend wird, Schnitt nächste Szene. Keine Reaktion, keine Auflösung, kein Nachhall.
Dabei ist das Familiendrama spannend. Der Vater will verstehen, was mit seiner Tochter passiert ist. Die Mutter glaubt, Liebe heilt alles. Die Oma setzt auf Jesus, blöd nur das die Mumie 3000 Jahre älter ist und offensichtlich nen stärkeren Pump hat als der Jung mit dem Kreuz.
Der Film braucht leider viel zu lange, um mal auf den Punkt zu kommen. Er deutet an, baut auf, schleicht herum und wenn es knallen könnte, stolpert er über sich selbst.
Das Finale serviert eine Expositionskeule per VHS, Finger im Halsloch erlaubt reden und einen Kreislauf-Twist, der auf dem Papier clever wirkt, in der Praxis aber eher nach Drehbuch in letzter Minute aussieht.
Unterm Strich ein Film mit starker Atmosphäre und interessanter Mythologie, der sich aber mit Fehlern, erzählerischen Brüchen und einem unrunden Ende selbst ausbremst.
5/10 Punkten. Ein uralter Dämon, der keine Familien mag? Vielleicht keine dunkle Macht sondern nur schwere Kindheit.