LÜGEN IST EINE KUNSTFORM
LT Dane Dumars bekommt einen Tipp zu einem Geldversteck. Klingt nach Routine, wäre da nicht das Problem, dass kurz zuvor eine Kollegin ermordet wurde. Das FBI geht von einem Insider aus, Misstrauen liegt in der Luft und als das Team sieht, wie viel Geld dort wirklich liegt, wird aus Anspannung ganz schnell Gier. Die Frage ist nicht ob jemand falsch spielt, sondern wer?
The Rip läuft ca. 115 Minuten, ist ab 16 freigegeben und lebt fast ausschließlich von seiner Dynamik und die funktioniert. Matt Damon und Ben Affleck zusammen sind eh ein Selbstläufer, gerade Affleck mit seiner direkten, leicht angepissten Art trägt viele Szenen. Dazu Steven Yeun, Kyle Chandler und Teyana Taylor die für einander einstehen, aber stets die gezogene Waffe mit Misstrauen haben.
Die Story ist nicht frei von Logiklöchern, aber das ist hier zweitrangig. Der Film spielt lange fast nur im Geldversteck und genau das ist seine Stärke: Paranoia, Blicke, Halbsätze, unterschwellige Drohungen. Man weiß die ganze Zeit, irgendwer lügt und genau das hält die Spannung hoch. Die Dialoge sind stellenweise sehr Streaming-kompatibel geschrieben, sprich: leicht verdaulich, damit auch der U-Bahn-Zuschauer auf seinem Smartphone nicht aussteigt.
Action gibt es erstaunlich wenig. Erst nach rund 1h wird ernsthaft geballert, dann aber richtig. Gegen Ende kippt das Ganze leicht ins Alberne, bleibt aber unterhaltsam. Die Auflösung der Rattenfrage ist sauber gelöst, ehrlich gesagt: hab ich so nicht kommen sehen.
Was allerdings wirklich nervt: Man castet Scott Adkins und lässt ihn niemanden verdreschen. Das ist als würde man einen Ferrari kaufen um damit Brötchen zu holen.
Das Finale serviert Enthüllungen, Geballer und keine bezahlten Überstunden.
Unterm Strich bleibt ein Thriller, der vor allem durch seine Figuren und deren Chemie funktioniert. Nicht immer logisch, nicht immer subtil aber konstant spannend und gut getragen von seinem Cast.
7,5/10 Punkten. Mal ehrlich, bei wem würden, bei so viel Geld vor der Nase, nicht die Finger jucken?