EIN HOCH AUF DIE MEHRHEITSWURST
Im Tennisclub herrscht eigentlich Frieden und passiv-aggressive Höflichkeit. Doch bei der Wiederwahl von Präsident Heribert eskaliert eine vermeintlich harmlose Frage,
soll für Erol, den einzigen Türken im Verein, ein eigener Grill angeschafft werden, weil er keine Schweinswürste essen darf?
Was als gut gemeinte Geste startet, wird zur gesellschaftlichen Kernschmelze.
Extrawurst läuft ca. 100 Minuten, ist ab 12 freigegeben und basiert auf einem erfolgreichen Theaterstück und man merkt dem Film seine Bühnen-DNA an.
Das hier ist keine Wohlfühlkomödie, sondern eine Satire mit hochgezogener Augenbraue. Ich habe viel gelacht, auch weil ich mich selbst in mehr als einer Figur wiedererkannt habe und genau da liegt der Knackpunkt: Man muss über sich selbst lachen können. Wer das nicht kann, wird diesen Film vermutlich meiden wie Ketchup auf der Weißwurst.
Politisch korrekt ist man keine Sekunde,
hier kriegen alle ihr Fett weg: Deutsche, Türken, Vegetarier, Machos, Überdenker, Prinzipienreiter und Leute, die bei jeder Diskussion erstmal „Also ich finde ja…“ sagen. Niemand bleibt verschont und genau deshalb funktioniert es so gut.
Die gesellschaftliche Satire ist messerscharf und bewusst überspitzt. Es geht nie wirklich um den Grill, sondern um Befindlichkeiten, Angst vor Veränderung, falsch verstandene Rücksichtnahme und die deutsche Kernkompetenz, eine Sache so lange totzudiskutieren, bis keiner mehr weiß, worum es ging.
Hape Kerkeling, Christoph Maria Herbst, Fahri Yardım & Co. liefern hier ein wahres Dialog-Feuerwerk ab. Die Schauspieler spielen das mit so viel Leidenschaft und Timing, dass man innerhalb von Sekunden zwischen „Der hat recht!“ und „Oh Gott, halt einfach die Klappe“ pendelt.
Das Finale treibt das Ganze noch einmal auf die Spitze, endlose Diskussionen, ein Hauch Slapstick à la Buster Keaton und dann Erol, der mit einem einzigen neuen Thema alles wieder sprengt. Großartig.
Unterm Strich bleibt eine Komödie, die höllisch Spaß macht, wenn man sich darauf einlassen kann. Alle Figuren sind gleichzeitig sympathisch und unerträglich, genau wie echte Menschen.
7,5/10 Punkten. Im Theater entscheidet übrigens das Publikum, ob am Ende ein Grill angeschafft wird.