Extrawurst
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Lemmiblog
Lemmiblog

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3,5
Veröffentlicht am 12. Januar 2026
EIN HOCH AUF DIE MEHRHEITSWURST

Im Tennisclub herrscht eigentlich Frieden und passiv-aggressive Höflichkeit. Doch bei der Wiederwahl von Präsident Heribert eskaliert eine vermeintlich harmlose Frage,
soll für Erol, den einzigen Türken im Verein, ein eigener Grill angeschafft werden, weil er keine Schweinswürste essen darf?
Was als gut gemeinte Geste startet, wird zur gesellschaftlichen Kernschmelze.

Extrawurst läuft ca. 100 Minuten, ist ab 12 freigegeben und basiert auf einem erfolgreichen Theaterstück und man merkt dem Film seine Bühnen-DNA an.
Das hier ist keine Wohlfühlkomödie, sondern eine Satire mit hochgezogener Augenbraue. Ich habe viel gelacht, auch weil ich mich selbst in mehr als einer Figur wiedererkannt habe und genau da liegt der Knackpunkt: Man muss über sich selbst lachen können. Wer das nicht kann, wird diesen Film vermutlich meiden wie Ketchup auf der Weißwurst.
Politisch korrekt ist man keine Sekunde,
hier kriegen alle ihr Fett weg: Deutsche, Türken, Vegetarier, Machos, Überdenker, Prinzipienreiter und Leute, die bei jeder Diskussion erstmal „Also ich finde ja…“ sagen. Niemand bleibt verschont und genau deshalb funktioniert es so gut.
Die gesellschaftliche Satire ist messerscharf und bewusst überspitzt. Es geht nie wirklich um den Grill, sondern um Befindlichkeiten, Angst vor Veränderung, falsch verstandene Rücksichtnahme und die deutsche Kernkompetenz, eine Sache so lange totzudiskutieren, bis keiner mehr weiß, worum es ging.
Hape Kerkeling, Christoph Maria Herbst, Fahri Yardım & Co. liefern hier ein wahres Dialog-Feuerwerk ab. Die Schauspieler spielen das mit so viel Leidenschaft und Timing, dass man innerhalb von Sekunden zwischen „Der hat recht!“ und „Oh Gott, halt einfach die Klappe“ pendelt.
Das Finale treibt das Ganze noch einmal auf die Spitze, endlose Diskussionen, ein Hauch Slapstick à la Buster Keaton und dann Erol, der mit einem einzigen neuen Thema alles wieder sprengt. Großartig.
Unterm Strich bleibt eine Komödie, die höllisch Spaß macht, wenn man sich darauf einlassen kann. Alle Figuren sind gleichzeitig sympathisch und unerträglich, genau wie echte Menschen.

7,5/10 Punkten. Im Theater entscheidet übrigens das Publikum, ob am Ende ein Grill angeschafft wird.
Ismail “Emcey” Ilki
Ismail “Emcey” Ilki

1 Kritiken User folgen

0,5
Veröffentlicht am 9. Januar 2026
Einfach typisch deutsch und respektlos. Warum muss man so etwas drehen. Stimmt gibt keine anderen typisch deutschen Themen deshalb muss man ja wieder Migrationshintergrund schaffen. Einfach lächerlich und armselig
Annisbriefe
Annisbriefe

1 Kritiken User folgen

5,0
Veröffentlicht am 14. Januar 2026
Ich habe ihn gesehen in Essen. Das Kino war bis unter das Dach voll und hat sich tot gelacht. Der Film ist wahnsinnig lustig und hat tolle Schauspieler. Richtig gute Kammerspiel Kommödie mit Substanz.
Breite Masse im Hintergrund
Breite Masse im Hintergrund

12 Follower 86 Kritiken User folgen

1,0
Veröffentlicht am 22. Dezember 2025
Eines muss man Extrawurst ja lassen: Er löst in mir Gefühle aus.

Ich würde mich als ein Verfechter des deutschen Films bezeichnen. Wie oft habe ich mich in Diskussionen schon hingestellt und verkündet "Nein, der deutsche Film ist nicht so schlecht wie alle sagen. Denkt an Sonne und Beton, denkt an Toni Erdmann, denkt an Oh Boy". Und dann kommt so ein Film wie Extrawurst daher und ersticht seinen treuesten Verteidiger von hinten in den Rücken. Auch du, Hape Kerkeling?

Vereinssitzung im ländlichen Tennisclub: Mit eiserner, diktatorischer Hand führt Präsident Heribert "seinen" Tennisclub seit über 20 Jahren, und auch heute wurde er mit ein wenig nonverbalen Nachdruck erneut einstimmig wiedergewählt. Eigentlich steht dem jetzt beginnenden Sommerfest nichts mehr im Weg. Eigentlich...denn Vereinsmitglied Melanie fordert für ihren Doppelpartner Erol, dem einzigen muslimischen Mitglied im Club, als Zeichen des guten Willens einen Extragrill, damit dieser beim Sommerfest auch mitgrillen kann. (An dieser Stelle das einzig Positive im Film: Auch die Filmschaffenden scheinen sich der Trivialität des Themas durchaus bewusst). Aus dieser einfachen Bitte entwickelt sich ein Streitgespräch über sämtliche Diskussionsthemen an Deutschlands Stammtischen: Veganismus, Klimawandel, Politik, Meinungsfreiheit, Patriarchat, Ausländerhass, Homosexualität, Chauvinismus, Rassismus, toxische Männlichkeit...es ist wirklich alles dabei, und kein einziges Thema wird ordentlich ausdiskutiert. Ganz im Gegenteil, auch die Produktion weiß anscheinend, dass kurze Filme öfter im Kino gespielt werden und löst das ganze Dilemma mit dem klassischen großen Knall auf. Das man sich der Tragweite der Themen, die angeschnitten werden, überhaupt nicht bewusst ist, beweist der Cliffhanger, bei dem man ein hochsensibles Thema ins Lächerliche zieht.

Extrawurst ist ein Film zum Fremdschämen, gemacht von Leuten, die in ihrer heilen Bubble nur in der Zeitung über die Themen lesen, mit denen sie sich zu beschäftigen scheinen, davon aber eigentlich keine Ahnung haben, und "Betroffenen" so ins Gesicht spucken. Eine absolute Frechheit für den deutschen Film!
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