Ich war im Kino, weil ich Stromberg liebe. Nicht „ganz okay“, nicht „früher mal“, sondern wirklich: ich liebe diese Serie, diesen Büro-Kosmos, diese unangenehme Fremdscham und diesen komplett drüber gedrehten Chef, der ständig ins nächste Fettnäpfchen tritt und dabei trotzdem denkt, er hätte das alles im Griff.
Und bevor das falsch verstanden wird: Ich unterstütze nicht, dass man Randgruppen herabsetzt oder Menschen beleidigt. Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Homophobie sind in unserer Gesellschaft nicht tragbar. Punkt. Was ich an Stromberg trotzdem mag, ist dieser schwarze Humor als Satire, dieses völlig Überzeichnete, dieses „drüber sein“. Stromberg spricht Dinge aus, die viele sich vielleicht im Spaß denken, aber nicht sagen dürfen, weil man damit andere verletzt. In der Serie hat das für mich aber nicht den Sinn „haha geil, so muss man sein“, sondern eher: das ist so peinlich, so daneben, so falsch – und genau deshalb ist es komisch. Nicht, weil man Menschen herabsetzen soll, sondern weil dieser Humor in der richtigen Verpackung funktioniert: im Büro, als Chef, in diesem Machtgefälle, in dieser täglichen sozialen Reibung.
Und genau da liegt für mich der Kern: Stromberg funktioniert für mich im Büro. Wie er mit seinen Mitarbeitern umgeht, wie er nach oben schleimt, nach unten tritt, wie er von seinen Chefs immer wieder eingefangen und „gemaßregelt“ wird, weil er wieder alles verkackt – da entsteht der Humor. Dieses Setting ist sein natürliches Gebiet.
Im neuen Film hatte ich aber das Gefühl, man hat versucht, die alten Witze noch mal neu zu erzählen – aber mit Schalldämpfer. Man hält sich zurück. Man stellt Stromberg als eine verloren gegangene, untergegangene Figur dar. Für mich wird Stromberg in dem Film klein gemacht und herabgewürdigt. Und spätestens am Ende, als Stromberg sich von einer Brücke schmeißt, geht das für mich zu weit: Man lässt den Charakter schon fast sterben, demütigt ihn und zeigt ihn auf eine Art, wie ihn Fans eigentlich nie sehen wollten. Stromberg wurde für mich immer über sein Verhalten getragen: fies, egoistisch, opportunistisch – und gerade weil er so daneben ist, ist es komisch. Ihn plötzlich so „gebrochen“ und verloren zu zeigen, beleuchtet zwar eine andere Seite, aber lässt ihn komplett abstürzen und fühlt sich für mich an, als hätte das mit Stromberg irgendwann nichts mehr zu tun.
Dazu kommt: Als ich im Kino saß, dachte ich ständig, wann der Film jetzt endlich losgeht. Es hat sich gezogen wie ein Kaugummi. Bis diese Sendung im Film – dieses Wiedersehen der ganzen Crew – überhaupt mal richtig anfängt, ist da viel Drumherum und wenig von dem, was man kennt. Klar, die Charaktere sind irgendwie übernommen, aber es wirkt eher wie: „Wir zeigen sie heute noch mal aus heutiger Sicht“, und das alte Stromberg-Gefühl ist einfach nicht mehr da. Bis mal wirklich was passiert, vergeht gefühlt eine Ewigkeit.
Und ich hatte beim Schauen dieses Gefühl: Die Regisseure wollten sich unbedingt noch mal den Fans beweisen. Und man merkt, dass sie es zu sehr wollten. Es war einfach too much. Völlig abgedreht, fernab der normalen Serie. Im ersten Film war das leider auch schon so – und im zweiten Film setzt sich das für mich jetzt fort.
Ich verstehe nicht, warum man vom roten Faden, den man in der Serie hatte, so krass abweicht – erst im ersten Film und jetzt noch viel mehr im zweiten. Wenn ich das mit amerikanischen Serien vergleiche wie Two and a Half Men oder The Big Bang Theory, dann sieht man da einen roten Faden von Anfang bis Ende. Man weicht davon nicht ab, weil das genau das ist, was Fans sehen wollen. Auch bei anderen Serien wie King of Queens ist das so: du bekommst bis zum Schluss dieses klare Gefühl, wofür die Serie steht. Bei Stromberg ist es anders: Im ersten Film ist man vom Büro schon stark weg und hat diese Reise inszeniert, die mit dem Büro an sich nicht viel zu tun hatte. Im zweiten Film wird das für mich noch krasser und noch weiter weg. Mit der Serie hatte Stromberg für mich hier fast gar nichts mehr zu tun.
Stromberg wird in diesem Film für mein Empfinden wie eine komplett neue Person dargestellt. Es kann natürlich sein, dass er sich in der heutigen Zeit irgendwie „entwickelt“ hätte – aber das ist nicht, wofür wir Fans Stromberg lieben. Stromberg funktioniert meiner Meinung nach nur innerhalb eines Büros, wo er diese völlig drüber homophoben und frauenfeindlichen Sprüche bringt, wo der Humor als schwarzer Humor in diesem geschlossenen System entsteht. Außerhalb des Büros funktioniert es nicht – und ist auch nicht anwendbar.
Ich hätte mir gewünscht, dass sie einfach mit der Serie weitermachen und dass sich alles im Büro abspielt. Meinetwegen verändert er sich dann innerhalb der Serie, aber dann auch innerhalb eines Büros und nicht draußen in der „echten Welt“. Stromberg ist nun mal kein Horst Schlämmer, der in der Außenwelt funktioniert.
Und dann sind da Dinge, die ich einfach nicht schlüssig finde: Warum Jennifer Schürmann einen gefühlt 20 Jahre jüngeren Typen als Freund hat, der Influencer ist, macht für mich keinen Sinn. Im ersten Film war es doch am Ende so, dass Jennifer und Stromberg zusammen sind bzw. sich da etwas angebahnt hat. Im neuen Film wird nicht aufgelöst, warum sie plötzlich diesen jungen Freund hat. Manches wirkt einfach völlig an den Haaren herbeigezogen und übertrieben überzeichnet.
Auch das bereits jugendliche Kind von Ulf und Tanja wird für mich völlig übertrieben dargestellt – und zusätzlich noch schwul. Und ich hatte dabei das Gefühl, als wollten sich die Regisseure an jeder Randgruppe bedienen, um das Ganze aus heutiger Sicht noch mal zu beleuchten. Das ist vielleicht gesellschaftskritisch gut gemeint, aber für mich hat das mit Stromberg als Figur und mit dem Inhalt der eigentlichen Serie nicht mehr viel zu tun. Es wirkt eher wie: Man will alles anfassen, alles kommentieren, überall einmal „aktuell“ sein – und verliert dabei den Kern.
Als Fan dieser Serie bevorzuge ich am Ende wirklich immer noch jede einzelne Folge. Da kann ich Stromberg in seinem natürlichen Gebiet sehen: im Büro. Da kann ich seinen Humor genießen. Wir lieben Stromberg so, wie er ist – sonst hätten wir die Serie nie so geschaut und nie so geliebt. Wir richtigen Fans haben uns auf den Film gefreut. Aber das Ende war für mich trotzdem unbefriedigend: Um schnell ein Happy End zu erwirken, hat man ihn am Schluss in dieser Talkshow plötzlich doch „gut“ darstellen lassen. Gleichzeitig wurde er bis dahin als Opfer gezeigt, als der, der zwar alle schlecht behandelt hat, das dann aber plötzlich einsieht – und man lässt ihn dabei komplett abstürzen.
Ich verstehe, dass man Stromberg aus heutiger Sicht in der heutigen Welt zeigen will. Es ist schön gemeint. Aber es ist nicht der Grund, warum wir die Serie geschaut haben. Wir haben die Serie nicht geschaut, um Stromberg abstürzen zu sehen oder um moralisch abgeholt zu werden. Wir haben sie geschaut wegen des Humors, wegen der Bürosituationen, wegen seinem Umgang mit seinen Mitmenschen in dieser künstlichen, satirischen Überzeichnung. Und ja: Wir Fans wollen auch mal über Dinge lachen, die in der heutigen Gesellschaft nicht mehr so aussprechbar sind – und zurecht gesellschaftskritisch gesehen werden. Aber gerade dieses Verbotene, dieses Krasse, dieses Drüber-sein in der satirischen Stromberg-Welt ist ein Teil davon, warum wir Stromberg lieben.
Ich finde es trotzdem schön, dass nach so vielen Jahren noch mal ein neuer Film gekommen ist und man sieht, was aus allen geworden ist. Aber als Fan muss ich sagen: Es war für mich deprimierend, Stromberg so zu sehen, und ich hatte leider keine Freude daran. Ich wollte nicht sehen, wie Stromberg abstürzt. Ich wollte sehen, wie Stromberg im Büro wieder Stromberg ist. Der schlimmste Chef der Welt. Und im Film war er am Ende nicht mal mehr Chef. Genau das hat mir gefehlt.