Paris im Jahr 1928: Ein Maler, der nach dem Tod seiner Frau den Zugang zu seiner künstlerischen Arbeit verloren hat, findet keinen Weg zurück in sein früheres Schaffen und zieht sich zunehmend aus dem Leben zurück. In dieser Phase gerät er unwissentlich in fingierte Séancen, die von einem Karnevalsarbeiter inszeniert werden. Die Veranstaltungen sind sorgfältig konstruiert und es entstehen neue Eindrücke, die langsam seine Wahrnehmung verändern. Mit der zurückkehrenden Inspiration beginnt er wieder zu malen. Parallel dazu entwickelt sich zwischen der Täuschung und ihm eine emotionale Bindung...
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Die Elektrisierende Venus
Romeo & Julia mit viel Volt und wenig Drive
Von Christoph Petersen
Der Titel des Cannes-Eröffnungsfilms 2026, „The Electric Kiss“, mag nach einer Metapher für eine besonders aufgeladene Leidenschaft klingen, ist aber überraschenderweise absolut wörtlich zu verstehen: Im Paris des Jahres 1928 verdient Suzanne (Anaïs Demoustier), die als Teenagerin von ihren Eltern an einen Rummelplatz verkauft wurde, ihr spärliches Geld als Attraktion namens „Venus Electrificata“. Auf einer isolierten Bühne lässt sie sich von zwei Elektroden so aufladen, dass die Männer, die 30 Centime bezahlen, bei einem Kuss von ihr einen Schlag – und damit einen unwiderlegbaren Liebesbeweis – erhalten. Das Kirmesexperiment existierte tatsächlich, war im Paris der Années folles aber eigentlich schon kalter Kaffee. Der Physiker und Astrologe Georg Matthias Bose hatte es bereits im 18. Jahrhundert entworfen. Auf der großen Leinwand macht sich der Funkenschlag aber natürlich trotzdem gut,