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Maddin
393 Kritiken
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5,0
Veröffentlicht am 22. August 2026
Das indische Tuch ist einer der unterhaltsamsten und zugleich ungewöhnlichsten Filme der klassischen Edgar-Wallace-Reihe. Regisseur Alfred Vohrer verbindet einen klassischen Kriminalfall mit schwarzem Humor, skurrilen Figuren und einer ordentlichen Portion makabrem Grusel. Das Ergebnis ist ein herrlich schräger Wallace-Krimi, bei dem die Zahl der Leichen stetig wächst.
Im Mittelpunkt steht der Tod des wohlhabenden Lord Lebanon. In seinem Testament verfügt er, dass seine Verwandten erst dann erben dürfen, wenn sie gemeinsam auf dem Familiensitz Schloss Strangers wohnen. Was zunächst wie eine lästige Formalität klingt, entwickelt sich schnell zu einem Albtraum. Denn einer der Anwesenden scheint ein tödliches Geheimnis zu haben – und nach und nach werden die Familienmitglieder ermordet.
Das titelgebende indische Tuch spielt dabei eine entscheidende Rolle. Es wird zum unheimlichen Markenzeichen der Morde und sorgt dafür, dass der Zuschauer schon beim Anblick des Tuchs ahnt, dass die nächste Leiche nicht lange auf sich warten lassen wird. Gerade diese ungewöhnliche Mordmethode verleiht dem Film seinen ganz eigenen Charakter.
Besonders gelungen ist die Atmosphäre des Films. Das abgelegene Schloss, die verschlossenen Türen und die zahlreichen Familienmitglieder, die plötzlich niemandem mehr trauen können, bilden die perfekte Kulisse für einen klassischen Whodunit-Krimi. Gleichzeitig wird die Handlung immer wieder durch makabren Humor aufgelockert.
Die Besetzung ist hervorragend. Heinz Drache überzeugt als Ermittler mit seiner gewohnt souveränen Art. Corny Collins sorgt als attraktive weibliche Hauptfigur für eine sympathische Ergänzung. Besonders viel Spaß macht jedoch Eddi Arent, der mit seinem trockenen Humor wieder einmal zu den heimlichen Stars des Films gehört.
Auch Klaus Kinski darf natürlich nicht fehlen. Mit seiner markanten und leicht unheimlichen Präsenz passt er perfekt in das Ensemble. Die zahlreichen exzentrischen Familienmitglieder sorgen außerdem dafür, dass man praktisch jedem Charakter misstraut.
Die große Stärke von Das indische Tuch ist die Mischung aus Spannung und schwarzem Humor. Einerseits möchte man unbedingt wissen, wer hinter den Morden steckt, andererseits kann man sich ein Schmunzeln bei den teilweise makabren Situationen kaum verkneifen. Die Tatsache, dass die Zahl der Verdächtigen und gleichzeitig die Zahl der Leichen immer kleiner wird, sorgt für ein gelungenes Katz-und-Maus-Spiel.
Aus heutiger Sicht wirkt der Film natürlich etwas altmodisch. Einige Dialoge und schauspielerische Darstellungen sind sehr zeittypisch, und die Auflösung dürfte für erfahrene Krimifans nicht völlig überraschend sein. Trotzdem besitzt der Film einen enormen Unterhaltungswert und hat seinen ganz eigenen Charme.
Fazit: Das indische Tuch ist ein hervorragender Edgar-Wallace-Klassiker und eine der amüsantesten Verfilmungen der Reihe. Die Mischung aus mysteriösen Morden, schwarzem Humor, skurrilen Figuren und der düsteren Atmosphäre des Schlosses funktioniert ausgezeichnet. Besonders die ungewöhnliche Mordmethode und das stetige Anwachsen der Leichen machen den Film zu einem echten Wallace-Vergnügen.
Wer Edgar Wallace mag und neben Spannung auch schwarzen Humor zu schätzen weiß, sollte sich Das indische Tuch unbedingt ansehen.