„This is Berk...“
Wen wundert es, dass die beiden Regisseure (Chirs Sanders und Dean DeBlois) von „Lilo & Stitch“ auch für „Drachenzähmen leicht gemacht“ verantwortlich waren? Ohnezahn ist praktisch Stitch als Drachen-Version… Doch eins nach dem anderen.
In 2010 lieferte DreamWorks Animation den vielleicht bis dato größten Hit ab: „Drachenzähmen leicht gemacht“, basierend auf den Büchern von Cressida Cowell. Während Disney noch in einer Identitätskrise fest steckte, war Pixar mit Werken wie „Ratatouille“ oder „Oben“ praktisch an der Spitze der 3D-Animationen. Doch DreamWorks konnte mit seiner „Madagascar“-Filmen, den „Shrek“-Teilen und auch „Kung Fu Panda“ abliefern. Nun sollte jedoch alles getoppt werden und das ging auch auf. Statt auf derben Humor á la „Shrek“ zu setzen, besann man sich auf kinderfreundlichere Geschichten mit starker Message. Und „Drachenzähmen leicht gemacht“ wurde ein voller Erfolg! Er wurde der fünfterfolgreichste Film des Studios, war für zwei Oscars nominiert und generierte fast automatisch zwei tolle Fortsetzungen. Nun, 15 Jahre später, im Jahre 2025, gibt es ein Live-Action-Remake des Films… DreamWorks versucht damit ganz offiziell den sterbenden Trend von Disney hinterher zu laufen und will beim Nostalgie-Cashgrab mitmachen. Sehr traurig, aber ein Grund mehr zu schauen, warum das Original von 2010 sich bis heute so gut gehalten hat!
Die Story spielt im friedlichen Dörfchen Berk: Hier herrschen die starken Wikinger. Doch eine Unmenge an gefährlichen und blutrünstigen Drachen machen den Dorfbewohnern das Leben schwer. Hicks, der Sohn des Häuptlings, ist alles andere als ein zäher Bursche und überhaupt nicht zum Drachentöten geeignet, weshalb er von allen, auch seinem Vater, nicht ernst genommen wird. Doch eines Tages trifft Hicks auf einen verwundeten Nachtschatten, den gefährlichsten Drachen aller Zeiten, und findet raus, dass alles, was die Menschen über die Drachen wissen, nicht wirklich zutreffen kann. Denn der verletzte Drache entwickelt eine tiefe Freundschaft zum kleinen Hicks…
Die Story ist eine recht bekannte Story, die jedoch unfassbar gut und frisch verpackt wurde. Besonders die universelle Message des Films ist auch heute noch wichtig und kraftvoll. Wenn der junge Hicks es nicht schafft den verwundeten Ohnezahn zu töten, ist das nicht nur menschlich und nachvollziehbar, sondern ein wundervoller, herzlicher Moment, der den Rest des Filmes und der Trilogie prägen wird. Hicks ist dabei ein wundervolles Vorbild für Kinder, besonders für Jungs, die denken, dass man als Mann stark und brutal sein muss. Im Gegenteil: Mitgefühl ist hier die wahre Stärke. Und diese positive Botschaft wird sehr unterhaltsam und fesselnd in eine Geschichte gebettet.
Da wäre natürlich der typische Humor, der in solchen Filmen nicht fehlen darf. Ja, die zeitgenössischen Sprüche der Kids können etwas nerven, aber mich haben sie nie so gestört, wie etwa die späteren Disney-Werke wie „Raya“. Und daneben ist der Film wirklich witzig an vielen Stellen, besonders der visuelle Humor funktioniert gut! Doch es sind für mich die ehrlichen und menschlichen Momente, die den Film so besonders machen. Die Dynamik zwischen Hicks und seinem sturen Papa Haudrauf (ja, die Namen sind der Kracher) ist besonders spannend, da sie sehr klassische Anfänge hat (Elternteil hört nicht auf das modern, denkende Kind), aber sehr echt und rührend behandelt wird im Laufe der Geschichte. Besonders Haudrauf hat eine echte und mitreißende Liebe für seinen Sohn, auch wenn er die nicht immer zeigen kann.
Im Fokus steht aber natürlich die Beziehung zwischen Hicks und Ohnezahn, dem Nachtschatten-Drachen, der viel Stitch im Design verbaut hat. Ohnezahn selbst ist ein unendlich knuffiges Geschöpf mit Merkmalen von Hunden und Katzen, was ihn umso witziger macht. Doch die Liebe zwischen ihm und Hicks ist einfach das Herz des Films, ja der ganzen Trilogie. Da braucht es keine Astrid, die den klassischen Liebespart übernimmt. Hier liegt vielleicht auch der einzige wirkliche Kritikpunkt: Astrid ist zwar eine gute und exzentrische Figur, doch die Liebesgeschichte mit ihr und Hicks braucht es nicht. Für mich hätte sich das Ganze auch erst in Teil 2 entwickeln können, aber sei´s drum. Es nimmt dem Film nicht wirklich an Kraft und Spaß, aber es ist für mich der schwächste Aspekt der Story. Auch der „Antagonist“ der Story hätte durchaus besser sein können, aber für den Einstieg in die Trilogie ist die Entscheidung hier schon passend. Der richtige Bösewicht kommt dann in der Fortsetzung...
„Drachenzähmen leicht gemacht“ überzeugt nicht nur in der Geschichte, sondern auch in der technischen Präsentation: Der Film sieht immer noch sehr gut aus, auch wenn man ihm die 15 Jahre schon anmerkt. Doch die Wassereffekte und besonders die Actionmomente beeindrucken auch heute noch. Ohne Zweifel sind es vor allem die mitreißenden Flugszenen, die auch heute noch ihresgleichen suchen. Und das nicht nur im Bereich des Realismus oder der Action. Es ist die Mischung aus Atmosphäre und Emotionen, die gerade den ersten Flug von Hicks und Ohnezahn so besonders macht. Und gerade durch John Powells Musik ist diese Szene für mich einer der besten Kinomomente, die ich je in einem Kinderfilm erlebt habe!
Und damit komme ich zum Soundtrack von John Powell, der mich erst zum Film gebracht hat. Ich hatte nämlich zuerst den Score gehört, da ich ein großer Powell-Fan bin. Seine Musik wurde nicht umsonst für den Oscar nominiert, denn hier liefert Powell vielleicht seine beste Arbeit ab. „Drachenzähmen leicht gemacht“ wird gerade durch die teils atemberaubende Musik auf ein ganz anderes Niveau gehoben. Der Soundtrack besticht durch grandiose Themen (besonders das Flying-Theme!) und eine gewaltige Orchestration, die man sich als Fan von Filmmusiken nicht entgehen lassen sollte!
Ein kurzes Lob auch an die deutsche Synchronisation: Diese besticht durch viel Witz und der nordische Dialekt passt perfekt zu grobschlächtigen Wikingern.
Fazit: „Drachenzähmen leicht gemacht“ ist nicht umsonst ein prägender Animationsfilm gewesen. Das kurzweilige, rührende und unterhaltsame Werk besticht durch tolle Action, großartige Musik, liebevolle Figuren und eine wichtige Botschaft. Nicht nur für Kinder ein großes Abenteuer!