Uninspirierter Versuch im Fahrtwasser von Disney mit zuschwimmen...
1994 war Disney auf einem nie dagewesenen Höhepunkt: Nach „Arielle“, „Die Schöne und das Biest“ und „Aladdin“ brach der Konzern mit „Der König der Löwen“ alle Rekorde. Disneys größter Konkurrent in Sachen Zeichentrick-Animation war zu der Zeit Don Bluth (er war unter anderem für die „Feivel“-Filme verantwortlich und später auch für „Anastasia“), doch dieser war bereits am Schwächeln in den 90ern. In dieser Zeit versuchte aber auch ein anderes Zeichentrick-Studio Fuß zu fassen: Crest Animation, damals noch unter dem Namen Rich Entertainment. Der Gründer, Richard Rich, hatte seine Anfänge selbst bei Disney und drehte dort einen meiner Lieblinge, „Cap und Capper“ (1981), aber auch einen von Disneys schlechtesten Filmen, „Taran und der Zauberkessel“. Mit seinen eigenen Zeichentrick-Werken wollte Rich das Publikum erreichen. Doch leider war sein erstes großes Projekt ein Reinfall an den Kinokassen: „Die Schwanenprinzessin“. Rich versuchte sich hier gar nicht zu verstecken und dachte scheinbar: „Wenn Disney aus alten Märchen moderne Musicals machen kann, dann tu ich das auch!“ Basierend auf dem berühmten Ballett von Tchaikovsky (1877), ist der Film eine typisch „moderne“ Fassung des Stoffes im Disney-Gewand… Nur dass es eben nicht Disney ist. Und ich möchte hier Disney nicht unbedingt verteidigen, denn es gibt so viele talentierte Animatoren auf diesem Planeten und viele von ihnen sind sicherlich sehr talentiert. Zudem hab ich einen sehr ausgeprägten Hass auf Disney, besonders nach den 2010ern. Aber in den 90ern war das Studio einfach unschlagbar und wusste, was der Markt wollte. Zudem waren viele der Filme aus diesem Jahrzehnt einfach großartig und prägend für so viele Menschen. Zwar sollte man meinen, dass eine Zeichentrick-Adaption von „Schwanensee“ da perfekt reinpassen würde, aber nope. Nicht nur dass der Film keinen Erfolg hatte, er ist auch wirklich nicht gut!
Die Story beginnt mit der Vermählung von Prinzessin Odette und Prinz Derek. Doch zur Hochzeit kommt es nicht, denn Derek scheint außer der Schönheit nichts an Odette zu sehen. Als sie enttäuscht in ihr Königreich zurückkehrt, wird sie vom bösen Zauberer Rotbart entführt und in einen Schwan verwandelt…
„Die Schwanenprinzessin“ war zwar an den Kinokassen nicht erfolgreich, aber später auf Video und DVD. Kaum zu glauben, aber bis heute gibt es insgesamt 12 (!) Filme von dem Kram, die neusten Sequels stammen sogar erst von 2023… Und für Kinder dürfte der Streifen sicherlich ganz nett sein, immerhin ist die Story sehr harmlos gehalten. Was wir bekommen, ist eine stocksteife und extrem konservative Version der Original-Geschichte mit nervigen, tierischen Sidekicks, einem uninteressanten Liebespaar und vor allem einer mutlosen und teils albernen Umsetzung. Für Kinder ist das Alles in Ordnung, immerhin sind die Animationen ganz schick, wenn natürlich auch nicht auf dem Niveau von Disney zu der Zeit. Die tierischen Figuren dürften den Kids sicherlich Spaß bereiten und einige dieser Charaktere wirken wie Original-Vorlagen zu Disneys „Küss den Frosch“ (2009)…
Doch ansonsten ist dieser Film nicht mehr als ein ziemlich bedeutungsloser Versuch Disney zu imitieren. Dabei schien Regisseur Rich vergessen zu haben, was eine gute moderne Umsetzung solch eines alten Märchens ausmacht. Disney schuf einen sehr guten Mix aus Alt und Neu: Alte Story, neu aufgelegt. „Die Schöne und das Biest“ zum Beispiel ist soooo viel besser als das Original und das dank Disney. Viele unnötige Elemente wurden rausgeworfen und hinzu kamen tolle Songs und einige wirklich witzige und charmante Figuren, nicht zu vergessen eine starke Message. „Die Schwanenkönigin“ hat fast nichts davon. Die Figuren sind entweder langweilig und blass (das Liebespaar) oder nervig und laut (alle tierischen Charaktere). Die Story ist zwar im Grunde wie im Original (natürlich mit Happy End), aber ohne irgendwelche Konsequenzen oder jegliche Form von Spannung und Reife. Gerade ältere Zuschauer*innen werden sich sicherlich schnell langweilen.
Und die Musik? Uff… Die Songs von David Zippel und Lex de Azevedo sind nicht nur viel zu inflationär eingesetzt, sie bleiben auch nicht im Ohr, zumindest nicht in meinem. Die peinlichen Versuche Jazz in die Musik einzubauen, haben mich besonders getriggert. Filme wie „Aladdin“ haben einen lockeren Las Vegas-Vibe, da funktioniert diese Entscheidung sehr gut. Hier jedoch bleibt alles sehr steif in der klassisch, romantischen Epoche, weswegen diese Songs umso mehr heraus fallen. Auch der Rest ist typischer Musical-Kram ohne Charme.
Fazit: „Die Schwanenprinzessin“ ist ein kläglicher Versuch Disney in seinen besten Jahren zu imitieren. Don Bluth probierte es 1997 deutlich erfolgreicher mit „Anastasia“. Dieser Film hier war jedoch bereits 1994 schon schlecht gealtert. Für Kinder ganz nett, aber alle anderen werden sich hier mit einer zähen und anstrengenden Geschichte herumschlagen müssen. Dieses Zeichentrickwerk bietet außer ein paar schönen Animationen langweilige Figuren und nervige Musik… Ob es das wert ist? Ich würde sagen nein, dafür gibt es zu viele bessere Alternativen!